Migranten-Kinder tauen auf, lächeln sogar

Silke van Appeldorn und einige der internationalen Schülerinnen, die kein Deutsch konnten.
Silke van Appeldorn und einige der internationalen Schülerinnen, die kein Deutsch konnten.
Foto: Andreas Daams
Was wir bereits wissen
Bürokratie überlistet: Rotary Club Kleve hat an der Sekundarschule Kleve ein Projekt zur Sprachförderung von Migrantenkindern eingerichtet. Nachahmer erwünscht

Kleve.  . Die Jungen und Mädchen kommen aus Pakistan, Serbien, Syrien, Albanien und vielen anderen Ländern. Jetzt leben sie in Kleve. Gehen zur Schule. Sprechen aber kein Deutsch. „Bis wir an der Schule eine Integrationsstelle haben, müssen wir Anträge schreiben, und dann dauert es“, beschreibt Gabriele Pieper das behördliche Szenario. Sie ist Leiterin der Sekundarschule Kleve. Das Problem: „Bei 25 Kindern in der Klasse, von denen manche Inklusionsschüler sind, gehen solche Kinder einfach unter.“ Annette Wier, Leiterin des Fachbereichs Schule der Stadt Kleve, ergänzt: „Integrationsklassen werden zwar vom Land gefördert, aber man muss ganz klar sagen, dass die Förderung nicht ausreicht.“

Und wie hilft man den betroffenen Kindern nun schnell und vernünftig, wenn die Strukturen offenbar versagen?

Dreizehn Kinder an der Sekundarschule haben Glück gehabt. Denn der Rotary Club Kleve ist nach Bekanntwerden der Problematik in die Bresche gesprungen und hat zunächst für zwei Jahre jeweils 20 000 Euro zusammengebracht. Seit Aschermittwoch gibt es hier nun eine Klasse, in der Silke van Appeldorn den Migrantenkindern Deutsch beibringt. Ausschließlich. Und mit Erfolg. Einige konnten bereits in die normalen Klassen wechseln. „Ein Mädchen konnte nicht einmal das ABC, jetzt übt sie schon Sätze im Perfekt“, freut sich die Lehrerin. „Sprich mit uns!“ ist das Projekt betitelt.

Mit Hilfe von ausländischen Studenten der Hochschule hat Silke van Appeldorn anfangs die Eltern der betroffenen Kinder zu Beginn in Landessprache angeschrieben – und die Studenten dienen dabei gleichzeitig als positive Beispiele für Integration. „Wir sind uns bewusst, dass das Projekt nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist“, sagt Paul Kohtes von den Klever Rotariern. „Aber viele Tropfen können auch einen Stein kühlen.“

Das findet auch Rotary-Präsident Jean Marti. „Ich bin froh, dass wir so ein großes Projekt ohne viel Bürokratie in so kurzer Zeit stemmen konnten.“ Nach Ablauf der zwei Jahre wollen es die Rotarier nach Möglichkeit fortsetzen.

Funktionieren kann der Sprachförderunterricht nur mit persönlicher Nähe. Zwei Schülerinnen waren anfangs stumm, haben nichts gesagt, so dass man sie sogar in der LVR-Klinik untersucht hat. Jetzt, da sie in der besonderen Sprachklasse sind, tauen sie auf, lächeln sogar.

„Wir suchen noch nach ehrenamtlichen Begleitern“, sagt Silke van Appeldorn. Die sollen den Schüler/innen im Unterricht helfen, mit ihnen üben. „Integration läuft nun mal über Vertrauensgewinn“, sagt Silke van Appeldorn.

Unterstützt wird diese bürgerschaftliche Hilfe ebenfalls vom Klever Kinder Netzwerk e.V., der Hiby-Stiftung, dem Haus der Begegnung Beth HaMifgash e.V. sowie dem Förderverein der Sekundarschule Kleve. Wer mitmachen möchte, kann sich beim Rotary Club Kleve auf der Wasserburg melden.