Mietwohnungen für Flüchtlinge

Eine Wäscheleine im Garten neben der Liebfrauenkirche Goch: Zu Ostern zogen auch ins eigens dafür umgebaute Jugendheim im Erdgeschoss der leerstehenden Liebfrauenkirche Flüchtlinge ein. Sie leben schon länger in Goch, zogen von einer anderen Flüchtlingsunterkunft hierher.
Eine Wäscheleine im Garten neben der Liebfrauenkirche Goch: Zu Ostern zogen auch ins eigens dafür umgebaute Jugendheim im Erdgeschoss der leerstehenden Liebfrauenkirche Flüchtlinge ein. Sie leben schon länger in Goch, zogen von einer anderen Flüchtlingsunterkunft hierher.
Foto: Anne Wohland
Trotz steigender Zahlen steht in Goch ein Bau weiterer Schlichtwohnungen an der Hervorster Straße nicht an. Aber auch Obdachlose brauchen neue Unterkunft

Goch..  Es kommen mehr Flüchtlinge, sie werden regelmäßig neu zugewiesen, doch die Stadt Goch ist entspannter als noch vor gut sechs Monaten.

Als bei der ersten Sitzung des neu konstituierten Sozialausschusses im vergangenen Oktober Fachbereichsleiter Dr. Georg Kaster von 148 in Goch lebenden Flüchtlingen berichtete, schloss sich daran noch die Debatte um den Bau eines möglichen weiteren Hauses an der Hervorster Straße – den Schlichtwohnungen – an. „Die Gefahr ist da, dass die Bedarfe noch höher sind“, erklärte Kaster direkt und skizzierte den Anstieg. In 2013 kamen 100 Menschen, in 2012 waren es 70, in 2011 noch 50 gewesen.

Seit voriger Woche hat Goch nun die Unterbringungsverantwortung für 199 geflüchtete Menschen, allerdings ohne über mögliche Baukosten reden zu müssen. So zumindest kann man Stadtsprecher Torsten Matenaers verstehen. Im Moment habe man keine große Not, die Flüchtlinge unterzubringen. Und zwar dezentral, also in angemieteten Wohnungen. Das berichten erfreut sowohl Asyl-Aktivistin und Grünen-Ratsfrau Hilde Fielenbach-Hensel als auch der Stadtsprecher.

Blickt man auf die Situation an den beiden Schlichtwohnungshäusern, so geht es dort – trotz der weiter gestiegenen Flüchtlingszahl im Stadtgebiet – mittlerweile auch wieder entspannter zu. Lag die Überbelegung im Oktober bei neun Menschen, so leben dort derzeit zwei mehr als geplant.

Prognose für 2015 fast erreicht

Die Stadt hält am selbst gesetzten Ziel fest, höchstens 56 Menschen in den acht Wohnungen unterzubringen. Aber man entzweit eben auch keine Familien, so erklärt es Matenaers. Darum leben dort derzeit eben mehr Menschen.

So lange stets ausreichend Wohnungen durch die Stadt zur Unterbringung von Flüchtligen angemietet werden können, werde nicht gebaut. „Aktuell verfolgen wir eine mögliche Erweiterung an der Hervorster Straße nicht weiter. Das ist erst einmal nicht vonnöten“, sagt Matenaers. Aber auch, wenn der Bau eines dritten Hauses „hinten angestellt“ sei, sagt Maternaers, „ist die Idee grundsätzlich nicht vom Tisch.“

Tief vergraben kann die Stadt Goch die Idee insofern auch nicht, weil die eigene Kalkulation vielleicht doch arg eng bemessen wurde. Im Oktober kalkulierte Kaster fürs gesamte Jahr 2015 mit 60 neu ankommenden Flüchtlingen. Davon sind allein bis Anfang April 50 bereits Goch zugewiesen worden. Kaster erklärte dem Sozialausschuss, weiter als für 2015 wage man keine Prognose für künftige Flüchtlingszuzüge.

Zu tun hat die Stadt Goch aber nicht nur, weil auch in den kommenden Monaten neue Flüchtlinge zugewiesen werden. Auch die zwei Häuser in der Roggenstraße müssen bis Jahresende leergezogen sein. Diese hatte die Stadt verkauft (und hofft noch auf einen Verkauf des Poffi-Hauses an der Weezer Straße, in welchem ebenfalls Flüchtlinge leben). In der Roggenstraße leben ebenfalls Flüchtlinge, auch wenn die Räume mal rein für die Unterbringung von Obdachlosen gedacht wurden.

Wohnen für Wohnungslose

Apropos Obdachlose: Unklar ist noch die Unterbringung für die Obdachlosen, für deren Wohnungsfragen die Stadt ebenfalls verantwortlich ist. Derzeit, so Matenaers, leben 30 Obdachlose in der Unterkunft an der Baustraße. Doch das Gebäude, das der Stadt gehört, ist längst weiterverkauft und müsste bis Ende Juni leergezogen werden. So der erklärte Stand bisher. Laut Stadtsprecher Matenaers befinde man sich in dieser Frage derzeit noch in Gesprächen mit dem künftigen Eigentümer. Darum kann nicht mit Gewissheit gesagt werden, ob die Räume wirklich bis zum Sommer leergezogen werden müssen – oder eine Verlängerung aushandelbar ist.

Auch wenn derzeit frühlingshafte Sonnentage locken, so ist doch der nächste Winter gewiss und mit ihm die üblicherweise saisonal ansteigenden Obdachlosenzahlen. Vergangenen Oktober lagen diese bei 70 Personen. Erlebt hat die Stadt aber auch schon Hochzeiten, in denen 90 Obdachlose eine Bleibe brauchten.

Eine Lösung holt Vermögensbetriebe-Leiter Wolfgang Jansen immer mal wieder hervor: Den Bau eines weiteren Hauses direkt hinter den zwei Schlichtwohnungshäusern an der Hervorster Straße. Schon 2009 waren dafür mal Mittel im Haushaltsentwurf eingeplant, um eine Obdachlosenunterkunft zu bauen. Im Oktober warb Jansen erneut für den Bau, um auch (vermeintlich günstigeren) Kurzzeitlösungen in Form von Containern eine Absage zu erteilen. Doch so wegweisend die Hervorster-Schlichtwohnungen auch sind, sie kosten (Bau-)Geld.

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