Michael Sailstorfer spricht in Kleve über seine Kunst

Michael Sailstorfer im Museum Kurhaus Kleve.
Michael Sailstorfer im Museum Kurhaus Kleve.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Der Klever Museumsleiter Harald Kunde sprach mit dem Künstler Michael Sailstorfer über die Entstehung seiner Objekte. Ausstellung im Museum Kurhaus endet morgen.

Kleve..  In Amerika wachsen die Bäume von der Decke, drehen sich im Kreise und fegen ihr eigenes Laub. Man kann auch auf Polizeiautos treffen, die ihr zweites Leben als Schlagzeug verbringen. Oder man sieht einen Baum, der auch im Winter an die 10000 grüne Blätter trägt, allerdings mit Kabelbindern an den Zweigen festgezurrt.

Natürlich ist nicht ganz Amerika skurril. Oder doch? Wie auch immer, im Museum der Mittelstadt Rochester im Bundesstaat Minnesota sind derzeit Werke von Michael Sailstorfer zu sehen. Genau wie in Kleve. Im Museum Kurhaus bohrt sich eine Freiheitsstatue durch die Wand, Honigmelonen verfaulen an Metallhaken, ein Gummipanzer wabbelt vor sich hin, ein gewaltiges Mühlrad produziert kleine Gummispäne.

Doch damit ist bald Schluss. Die Ausstellung endet morgen. Zeit, nach dem Werk auch den Künstler zu Wort kommen zu lassen. In der Reihe „Resonanzraum Kunst“ sprach Museumsdirektor Harald Kunde mit dem 36-jährigen Sailstorfer. Plaudereien wie diese vermitteln leicht das Gefühl, man könne die Kunst besser verstehen, wenn man nur aufmerksam den Worten des Künstlers lauscht. Dabei besteht der eigentliche Reiz doch darin, langwierige nichtsprachliche Entstehungsprozesse auf Anekdotisches herunterzubrechen.

Sailstorfer erzählt also zum Beispiel, wie er neben dem Atelierparkplatz riesengroße Metallteile findet, die aus der Großwäscherei stammen, die zu DDR-Zeiten in dem Gebäude untergebracht war. Und diese Teile sieht er nur, weil der Hausmeister mal die Hecke geschnitten hat. Das Werk „Kopf und Körper“, in dem sie Verwendung gefunden haben, verdankt seine Entstehung also nicht zuletzt einem arbeitssamen Hausmeister.

Oder die Geschichte vom aufblasbaren Panzer. Sailstorfer hat ein Bild im Internet gesehen, wo vier Soldaten eine Panzerattrappe über das Schlachtfeld tragen. Sein Impuls: Daraus etwas machen. Aber von der Bundeswehr so eine Panzerattrappe auszuleihen, erweist sich als zu kompliziert. Da findet er eine Firma in China, die diese Gummipanzer für alle Armeen der Welt herstellt. Zusätzlich zu den beiden Pumpen, die die Gummihülle in Form halten sollen, bestellt er noch zwei weitere, die die Luft wieder absaugen. Im Museum platziert, ergibt sich das bedrohliche Bild des sich aufplusternden Kriegsgeräts - und zugleich das lächerliche des abschlaffenden Spielzeugs, zu dem es geworden ist.

Solche Brocken braucht das Publikum, dann ist es dankbar. Wie die Amerikaner denn so mit Sailstorfers Arbeiten zurechtgekommen seien, fragte Kunde. Antwort des Künstlers: „Keine Ahnung, ich war schnell wieder weg.“