„Mehr Mut darf schon sein“

Britta Schulz ist Bürgermeisterkandidatin in Kalkar.
Britta Schulz ist Bürgermeisterkandidatin in Kalkar.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Britta Schulz spricht im NRZ-Interview über ihre ersten Erfahrungen im Rat, über die Bewerbung als Bürgermeister-Kandidatin und das Politikverständnis in Kalkar

Kalkar..  Dass man als Politikerin auch persönliche Kritik einstecken muss, daran hat sich Britta Schulz schon gewöhnt: „Wenn ich eins im letzten Jahr gelernt habe, dann, dass man damit umgehen muss. Am Anfang hat mich das fertig gemacht. Da bin ich morgens mit einem mulmigen Gefühl zum Briefkasten gelaufen und habe geschaut, was heute schon wieder in der Zeitung steht. Aber an Kritik habe ich mich ein ganzes Stück weit gewöhnt. Ich muss allerdings noch lernen auch mit persönlichen Anfeindungen klar zu kommen. Ich muss nicht everybody’s darling sein und wenn man immer nur Ja und Amen sagt, gewinnt man keinen Blumentopf.“

„Sonst bewegt sich nichts“

Britta Schulz ist die Politikerin des Jahres 2014. Mit ihrer Partei „Forum Kalkar“ hat sie es geschafft aus dem Stand 33,7 Prozent bei der Kommunalwahl zu gewinnen. In keiner anderen Kommune in NRW konnte eine neue Partei so stark zulegen. Sie möchte diesen Erfolg jetzt weitertragen und Bürgermeisterin werden: „Wir sind impulsiv an die Sache heran gegangen, weil wir etwas verändern wollten. Aber mit diesem Ergebnis hat keiner von uns gerechnet. Mit elf Sitzen im Stadtrat ist es auch normal, dass man jetzt den Bürgermeister stellen möchte. Den Bürgermeister auszuwechseln, war von Anfang an unser Anliegen. Denn sonst bewegt sich nichts.“

Britta Schulz sitzt in ihrer gemütlichen Wohnküche und trinkt eine Tasse Kaffee. Sie wohnt mit ihrer Familie ziemlich abgeschieden in Kalkar-Niedermörmter und schmiedet hier ihre Pläne für das kommende Jahr. Sie wünscht sich mehr Offenheit von der Verwaltung und in der Politik. Das erste halbe Jahr im Rat habe sie ernüchtert: „Einfach mal zuhören wäre doch auch mal ganz schön“, sagt sie. „Nicht jede Idee, die wir haben, ist gut und richtig. Aber zu sagen: Ich bin dagegen, weil die Idee von dir stammt, ist schlecht.“ Der Rat in Kalkar arbeite zurzeit destruktiv und dies liege auch am Bürgermeister: „Ich vermisse das Vermittelnde total.“

„Ich muss auch an mir arbeiten“

Britta Schulz leitet in Kalkar den Schulausschuss und hat sich schon einige Spitzen anhören müssen: Sie könne es ja verstehen, dass die CDU frustriert ist nach diesem Wahlergebnis. „Aber dann muss man sich irgendwann auch mal sagen: Die Situation ist jetzt so. Die CDU ist mit ihrer neuen Situation noch gar nicht umgegangen. Die Partei hat noch nicht verstanden, dass sie etwas ändern muss.“

Das Forum habe sich jetzt nach einem halben Jahr gefunden. Die interne Arbeit musste abgestimmt und die normale Ratsarbeit erlernt werden. Belehrende Hinweise der traditionellen Parteien sind für die Forumsmitglieder, „die täglich dazu lernen“, aber eher fehl am Platze. Die Kritik anderer Parteien, dass das Forum in die Ausschüsse Mitglieder entsandt habe, die in Interessenskonflikte kommen können, lässt Schulz nicht gelten: „Was wollen wir denn? Dass in Ausschüssen nur noch Lehrer und Bundeswehrsoldaten sitzen? Da fehlt die Wirklichkeit. Was schadet denn ein Architekt im Bauausschuss oder im Gestaltungsbeirat? Wenn jemand von uns befangen ist, dann stimmt er eben nicht mit ab. Wollen wir etwa Leute im Bauausschuss, die niemals selbst ein Haus bauen?“

Britta Schulz wünscht sich, eine ausgleichende Person zu sein. „Und wenn ich sie noch nicht bin, dann möchte ich sie werden. Daran muss ich arbeiten“, sagt sie selbstkritisch. Aber das Ausgleichende dürfe auch nicht Wischiwaschi werden. „Man muss seine eigene Position immer noch in Frage stellen können. Denn ein Bürgermeister muss eine ausgleichende Person sein.“

Das Kalkarer Forum möchte im neuen Jahr vor allem den Bürgerbeteiligungsausschuss realisieren. Auch für die Kalkarer Innenstadtgestaltung müsse man neue Ideen entwickeln. „Wir müssen aus der Starre herauskommen. Den Anfang zu machen, ist das allerwichtigste“, sagt Schulz. Es gebe „tausend Ideen“, wie man die Stadtentwicklung nach vorne bringen könne, ohne viel Geld dafür auszugeben. „Kalkar muss belebt werden. Leerstand in den Straßen ist nun mal schlecht.“ Mit ein bisschen Mut könne man viel erreichen. Schulz erinnert an das beschauliche Bad Münstereifel, das mit seinem Outlet-Center die Innenstadt stark belebt hat. So etwas müsse man nicht kopieren, aber ein bisschen mehr Mut dürfe schon sein.