Mehr Eigeninitiative wird gefordert

Das Asylbewerberheim an der Braustraße wurde jetzt im Mai erweitert.
Das Asylbewerberheim an der Braustraße wurde jetzt im Mai erweitert.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Was dürften Asylbewerber an Unterbringungsstandards erwarten? Die Stadtverwaltung legte nun ihre vorhandenen Maßstäbe offen. Asylbewerber sollen häufiger selbst aktiv werden

Kleve..  Die Zahl der Flüchtlinge ist in allen Kommunen des Kreises Kleve im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Auch in Kleve gibt es mehr Menschen, die hier auf ein Asylverfahren warten als ein Jahr zuvor. Wie geht man mit ihnen um? Wie kann man sie in die Gesellschaft integrieren? Und welche Standards für die Unterbringung sollen in Kleve gelten? Die Stadtverwaltung hat dem Sozialausschuss nun erstmals eine Drucksache mit den bestehenden Unterbringungsstandards und den bestehenden Aktivitäten zur sozialen Integration an die Hand gegeben.

Demnach steht für die Unterkunft an der Stadionstraße jedem Asylbewerber ein Wohnraum von sechs Quadratmeter zu. Männer, Frauen und Familien werden getrennt von einander untergebracht und die Ausstattung der Zimmer umfasst ein Bett mit Matratze, Bettwäsche, ein Spind pro Person, Tische, Stühle in den Schlafräumen, Küche mit Herd, Kühlschrank und Spüle in den Gemeinschaftsräumen. Dazu eine zentrale Waschküche mit Waschmaschine und Trockner. Ein Mal im Monat werden WC, Dusche und Flure gereinigt. Der Rest erfolgt über Eigenleistung. Auch die Pflege der Grünanlagen soll von den Asylbewerbern selbst vorgenommen werden.

Selbst ist der Mann

Schönheitsreparaturen, wie das Streichen und Tapezieren einer Wohnung, sollen die Asylbewerber selbst vornehmen. Das Material wird von der Stadt gestellt. Thomas Mutz, Geschäftsführer des Klever Gebäudemanagements, berichtet, dass acht Asylbewerber jüngst unter Anleitung des Hausmeisters die Flure an der Stadionstraße selbst gereinigt und gestrichen hätten. „Mit einem guten Ergebnis“, so Mutz.

In einer Wohnung erhöht sich die Mindestgröße pro Person auf 10 Quadratmeter. Familien werden beim Wohnraum wie eine Hartz-IV-Bedarfsgemeinschaft behandelt – sprich: Der ersten Person stehen 50 Quadratmeter Wohnraum zu.

Grüne und SPD haben ihre Probleme mit der zugestandenen Quadratmeterzahl in der Stadionstraße. Susanne Siebert (Grüne) hält sechs Quadratmeter für „sehr, sehr wenig“. Sie forderte, dass man dies auf acht Quadratmeter erhöhen solle. In der Konsequenz wird man dann weniger Menschen an der Stadionstraße unterbringen können. Die Belegung würde dann von zirka 120 auf 105 reduziert.

Neben der Erarbeitung von Standards für die Unterbringung, sollen auch die sozialen Angebote für Asylbewerber auf ein neues Fundament gestellt werden. Als ersten Schritt hat die Stadtverwaltung nun das bestehende Angebot analysiert. Demnach betreut die Caritas die Flüchtlinge mit 250 Stunden im Jahr. Für die Hausmeisterdienste wendet Kleve 208 Stunden im Jahr an der Stadionstraße auf und 104 Stunden an der Braustraße. Insgesamt stehen damit für die soziale Betreuung 560 Stunden zur Verfügung.

Hilfen für Flüchtlinge

In Kleve werden schulpflichtige Flüchtlingskinder in Seiteneinsteigerklassen in der Sekundarschule, Gesamtschule, Wilhelm-Frede-Schule und KAG betreut. Der Rotary Club Kleve finanziert für zwei Jahre einen Sprachkurs an der Sekundarschule. Auch die VHS ist aktiv. Sie bietet Kurse für Integrationslotsen an. In einer Kompaktschulung werden Ehrenamtliche ausgebildet, den Migranten Hilfen im Alltag zu geben.

Zahlreiche Ehrenamtliche haben sich jetzt zu einem Runden Tisch zusammengefunden, der vom Freiwilligenzentrum der Caritas koordiniert wird.