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Magische Melodien

09.11.2008 | 15:13 Uhr

Zum zehnten Mal luden die Vereinigten Straßengemeinschaften zum Drehorgelfest. 35 Instrumente zu bestaunen.

KLEVE. Stolz hält Julian Boßmann sein neues Schmuckstück fest. Vorsichtig hat er es sich um den Hals gehängt. Der achtjährige Junge aus Kleve nennt seit gestern ein ganz besonderes Schmuckstück sein Eigen. Ein Stück Nostalgie, und Handarbeit. Der niederländische Drehorgelspieler Ben Heetkamp schnenkte ihm eine selbstgebaute Drehorgel. Denn von genau dieser traditionellen, aber seltenen Kunst ist der kleine Marionettenbauer hellauf begeistert. „Ich habe das Drehorgelfest letztes Jahr zum ersten Mal besucht und da wollte ich direkt mitmachen.”

„Orgeln ist

schööön”

Also hat er sich an die Arbeit gemacht und sogar selber einen Leierkasten gebaut. Veranstalter und 2. Vorsitzender der Vereinigten Klever Straßengemeinschaften, Jörg Hopmans, zeigte sich gerührt vom Engagement und schrieb daraufhin die alten Hasen des Klever Drehorgelfestes an. Ben Heetkamp hatte ein Herz für Julian. „Ich habe genauso angefangen wie er”, erinnerte sich der Orgelbauer- und spieler. Gerne überreichte er dem Nachwuchs sein selbstgebautes, unverkäufliches Meisterstück. 1500 Arbeitsstunden verteilt auf zwei Jahre stecken darin, jedes Detail handgeschnitzt.

Gespielt wurde gestern allerdings noch auf der selbstgebauten Kiste. „Orgelbau Julian Boßmann” steht darauf. Der Spruch „Orgeln ist schööön”, ziert den Leierkasten von Erich Perner. Er ist einer von 35 Instrumenten, die bei der zehnten Ausgabe des Drehorgelfestes zu bestaunen waren. „Sie kommen, weil Sie sich hier wohlfühlen”, begrüßte Bürgermeister Theo Brauer die Spielmänner- und frauen und lag damit richtig.

Bei der Eröffnung auf dem Fischmarkt tummelte sich gleich eine ganze Schar von interessierten Besuchern um die nostalgischen Instrumente und sang kräftig mit: „Lilli Marleen” oder „In einer kleinen Konditorei” hießen die Hits. Ullrich Wimmer öffnete für die Besucher sogar seine Orgel und gewährte Einblick in die komplexe Technik. Er ist noch einer der wenigen, die eine Orgel mit Walze betreiben. „So eine Walze herzustellen kostet um die 5000 Euro”, weiß sein Freund und Orgelbauer Axel Stüber aus Berlin. Die meisten Drehorgelspieler verwendeten heute Lochpapier, kaum zu glauben, dass diese einfachen Rollen solch mit Hilfe von Luft solch schöne Melodien erzeugen können, wie sie gestern in ganz Kleve zu hören waren, Dabei waren die Leierkästen auch echte Hingucker. Ob nun die kleinen, die durch ihre Detailliebe überzeugten, oder eine von jenen sechs wertwollen Großorgeln. Ebenso interessant anzusehen: Ihre Spielmänner Mit großen Zylindern, Jacketts und roten Schals, verzauberten sie das Fußvolk und versprühten einen auch von Magie.

Das Trio „Leierkastenheiterkeit”, bestehend aus Ullrich Wimmer, Doris van Rhee und Axel Stüber gab gestern interessante Auskünfte über den Orgelbau. Von der Entwicklung, dass heute sogar Mikrochips benutzt würden, um die Melodien abzuspielen, hielten sie allerdings nicht viel. Wimmer betreibt sogar ein eigenes Museum in Kempershöhe, in dem 124 alte Instrumente zu sehen sind.

Stefanie Männchen

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