Louisendorfer – die „Wirtschaftsflüchtlinge“ von damals

Beim Landgottesdienst wurde an den Weg der Pfälzer erinnert.
Beim Landgottesdienst wurde an den Weg der Pfälzer erinnert.
Foto: privat
Was wir bereits wissen
Landgottesdienst: Wir führen heute ein Leben auf Kosten von Menschen, die bei uns in der Regel vergebens anklopfen

Louisendorf..  Unter heutigen Umständen würden man sie als „Wirtschaftsflüchtlinge“ bezeichnen: Die Louisendorfer. Vor allem junge Pfälzer kamen um 1790 aus der wirtschaftlich armen Pfalz an den Niederrhein und wurden hier sesshaft, auch weil eine Pest in Holland den Weg nach Amerika versperrte. Damals werden sie ebenso provisorisch untergekommen sein, wie Flüchtlinge heute. Ihnen wurde von der Obrigkeit jedoch Land zugewiesen, das sie bebauen konnten. In Louisendorf stand während des ökumenischen Landgottesdienstes der Kirchenkreise und Kreisdekanate Kleve und Wesel das Thema „Heimat finden“ zentral. Musikalisch untermalt von der Gruppe GruBiDoHe.

Inge Neu und Karin Buchmann aus dem Vorbereitungsteam des Gottesdienstes machten in einem Anspiel deutlich, worum es in einer neuen Umgebung geht: „Seine Traditionen und Werte weiter leben zu dürfen, aber offen zu sein für Neues.“ Während seiner Ansprache erinnerte der Diözesanpräses der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB), Bernd Hante, an frühere Zeiten auf dem Bauernhof: „Da war immer die Hintertüre offen für Menschen und zur Essenszeit sind sogar Gäste immer satt geworden. Menschen hatten mehr Zeit für einander, heute findet man offene Türen nur selten“.

Noch weiter zurück in der Zeit ging Pfarrer Jürgen Widera vom Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt Duisburg/Niederrhein: „Flucht und Vertreibung gab es schon in der Bibel mit dem Auszug der Israeliten aus Ägypten.“ In der Bibel heißt es, sie gingen „in das Land, wo Honig und Milch fließen“. „Würden wir nicht auch so handeln, wenn wir in Armut und ohne Perspektive leben müssten?“, fragte Widera die 120 Gottesdienstbesucherinnen und Besucher in der Louisendorfer Elisabethkirche.

„Darüber kann ein Flüchtling wütend werden“, fasste er den Nachgang der biblischen Speisung der 5000 Menschen zusammen: Trotz seiner Fürsorge für alle wurde Jesus danach von vielen Menschen Obdach verwehrt. Eine Parallele zu heute: Gut versorgte Europäer lehnen beispielsweise Asylanträge schlecht ausgebildeter Menschen aus Asien an den Grenzen ab. Obwohl genau diese Menschen unsere Kleidung für Hungerlöhne nähen, wir ihnen zusätzlich unsere Industrieabfälle zumuten. Wir führen ein Leben auf Kosten von Menschen, die bei uns in der Regel vergebens anklopfen.