Lebhafte Diskussion über Kranenburger Windpark

Joachim Janßen (links) erläutert seine Position.
Joachim Janßen (links) erläutert seine Position.
Foto: Andreas Gebbink
Was wir bereits wissen
Die NRZ lud zu einer Diskussion über den geplanten Windpark am Kartenspielerweg. Es wurde ein lebhaftes Gespräch zwischen Bürgermeister, Fraktionsvorsitzenden und der Gruppe „Gegenwind“

Kleve/Kranenburg..  Über dieses Thema lässt sich leidenschaftlich streiten. Windräder im Reichswald – diese Vorstellung ist für viele ein rotes Tuch und für andere ein wichtiger Beitrag zur Reduzierung des Klimagases Kohlendioxid. Seit Wochen und Monaten wird in Kranenburg mit Verve über die Errichtung einer Konzentrationszone für zwölf Windräder am Kartenspielerweg diskutiert. Argumente und Emotionen werden breit gestreut. Aber nur selten kommen die Hauptakteure, die Vertreter des Kranenburger Gemeinderates und die Bürgerinitiative „Gegenwind im Reichswald“, an einen Tisch. Die NRZ hat den Bürgermeister, die Fraktionsvorsitzenden und fünf Vertreter der Gruppe Gegenwind gebeten über dieses Thema inhaltlich in kleiner Runde zu sprechen – fernab von formalen Ausschussdebatten und großen Bürgerinformations-Veranstaltungen. Zweieinhalb Stunden wurde lebhaft diskutiert.

Fünf Themen standen im Mittelpunkt, die in Form einer kleinen Serie in Auszügen wiedergegeben werden. Heute starten wir mit der grundsätzlichen Frage, ob Kranenburg überhaupt eine Konzentrationszone benötigt.

NRZ: Herr Steins, in Kranenburg wird intensiv über die Ausweisung einer Konzentrationszone für Windräder diskutiert. Warum muss es denn ausgerechnet der Reichswald sein?

Günter Steins: Im Jahr 2009 lag ein Antrag für die Errichtung einer Windkraftanlage an der B504 vor und wir haben damals die Erkenntnis gewonnen, dass wir dringend eine Konzentrationszone benötigen, um die Errichtung von Windrädern steuern zu können. Nach dem Winderlass des Landesumweltministeriums im Jahr 2011 haben wir eine Potenzialanalyse erstellen lassen und das Ergebnis war ganz eindeutig: Nur südlich des Reichswaldes ist eine Konzentrationszone denkbar. Außerhalb dieses Bereiches ist in Kranenburg keine Zone möglich.

Wir wollen vermeiden, dass am Ende überall Einzelanlagen in Kranenburg stehen. Ohne diese Konzentrationsfläche wären an mehreren Stellen Windräder zulässig. Zudem ist diese Fläche im Regionalplan auch als Vorrangfläche ausgewiesen.

Hubert Zillig: Wir bezweifeln, ob man unbedingt so eine große Konzentrationszone benötigt. Denn ohne diese Zone wären vielleicht nur drei oder vier Anlagen möglich. Ich weiß nicht, ob man da schon von einer Verspargelung der Landschaft reden kann. Für Einzelanlagen sind die Hürden so hoch, dass sie auch nicht so ohne weiteres genehmigungsfähig sind.

Manfred Maas: Wenn die Konzentrationszone nicht kommt, könnten vier Anlagen in Kranenburg aus dem Stehgreif genehmigt werden, aber vielleicht sind dies auch noch viel mehr. Wenn wir nicht konzentrieren, dann sind Windkraftanlagen an mehreren Stellen möglich. Wir haben versucht gemeinsam mit Kleve eine Konzentrationszone zu errichten. Das ist letztendlich an Kleve gescheitert. Und deshalb sind wir wieder auf unser eigenes Verfahren zurückgegangen. Wenn wir nicht konzentrieren, wird in Kranenburg an mehreren Stellen Windkraft möglich sein.

Hubert Zillig: Wenn wir in Kranenburg über vier Anlagen sprechen, dann würde mich das weniger bedrücken, als zwölf Anlagen im Reichswald.

Günter Steins: Die Frage, ob Windkraft im Wald vertretbar ist, klären wir noch. Mir ist das raumplanerische und ökonomische Argument auch wichtig. Es wird uns ständig vorgeworfen, dass wir das nur des Geldes wegen machen. Da kursieren die utopischsten Zahlen. Von 800 000 über 600 000 bis zu 400 000 Euro. Das sollten wir klarstellen.

NRZ: Dann tun Sie es doch. Sie halten sich da immer sehr zurück.

Günter Steins: Die Fläche ist eine Landesfläche und die Pachterlöse fließen zu 100 Prozent in öffentliche Hand. Und zwar zu 75 Prozent in die Landeskasse und 25 Prozent in die Gemeindekasse. Das heißt für uns in Kranenburg Pachterlöse in Höhe von 210 000 Euro im Jahr. Das ist eine belastbare Zahl. Es war Vorgabe im Regionalplanentwurf, dass diese Fläche als Vorranggebiet ausgewiesen wird. Das Land hat vorgegeben, der Windkraft substantiellen Raum einzuräumen. Damit kann ich überhaupt nicht umhin, den Flächennutzungsplan entsprechend ändern zu müssen. Ich weiß, dass das Land NRW als Eigentümer der Fläche gerne einen Windpark bauen möchte an dieser Stelle. Ich weiß, dass der Umweltminister Klimaschutzziele hat und auch gerne Windräder bauen möchte, weil er die Windenergie nach vorne bringen möchte. Dann kann ich doch die Punkte zusammenfassen und sagen, wenn das schon so ist, dann versuche ich als Bürgermeister für Kranenburg etwas vom Kuchen abzubekommen. Ich habe das nicht gemacht, um das Geld zu kriegen, sondern wenn es schon gemacht wird, dann möchte ich etwas vom Kuchen abhaben.

NRZ: Ist es denn möglich, dass auch die Fläche im Reichswald am Ende nicht geeignet ist und Kranenburg gar keine Konzentrationszone ausweisen muss?

Günter Steins: Diese Antwort steht am Ende des Verfahrens. Das habe ich nie ausgeschlossen.

Hannah van der Valk: Warum ist nicht gewartet worden, bis das Regionalplanverfahren abgeschlossen ist? Jetzt läuft alles parallel. Und das Baugenehmigungsverfahren hat schon begonnen.

Günter Steins: Die Parallelität der Verfahren – sprich FNP-Änderung und Bebauungsplanverfahren – sind zwei völlig verschiedene Paar Schuhe.

Hannah van der Valk: Aber die Art wie es organisiert wird, ist nicht in Ordnung. AboWind hat den ganzen Prozess begleitet und gesteuert. Es ist doch klar, wenn die Konzentrationszone kommt, dann darf AboWind da bauen. Das sind doch keine zwei Paar Schuhe.

Günter Steins: Das ist aber nicht so. Die Konzentrationszone sagt nur, dass an keiner anderen Stelle in Kranenburg ein Windrad gebaut werden darf. Die Zone sagt nicht, dass innerhalb der Zone ein Windrad genehmigungsfähig ist. Das ist ganz wichtig.

Hannah van der Valk: Das ist richtig. Aber die Gemeinde Kranenburg könnte auch sagen: Der Reichswald ist unser Goldenes Kalb und so wichtig, dass wir ihn nicht antasten wollen. Eine Gemeinde ist zur Ausweisung einer Konzentrationszone nicht verpflichtet, wenn sie keine geeigneten Flächen hat.

NRZ: Warum tun Sie nicht in erster Linie alles dafür, um den Reichswald zu schützen?

Joachim Janßen: Wir wollen verhindern, dass im Reichswald Einzelanlagen unkontrolliert aufgestellt werden können, ohne dass wir dies steuern können. Ich bekommen viele Briefe und man unterstellt uns immer wieder kein ernsthaftes Nachdenken über diese Situation. Aber wir waren 2009 gezwungen, diesen Prozess anzustrengen. Wir wollten immer die Verspargelung der Landschaft vermeiden. Vier Anlagen mögen überschaubar sein, aber es ist nicht ausgemacht, dass es am Ende auch nur vier Anlagen sind.