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Lebensversicherung auf vier Pfoten

10.01.2008 | 18:05 Uhr

FORTBILDUNG. Im Wunderland Kalkar machen sich Polizei-Spürhunde und deren Führer mit neuen Sprengstoffen vertraut.

KALKAR. Die Küche ist in diesem Moment für Anton „pfui”. Der Polizeihund soll sich auf seinen Job konzentrieren – und der heißt: In einem Restaurant des Wunderlandes Kalkar Sprengstoff aufspüren. Kein Problem für den Schäferhund, der aufgeregt wie ein 100-Meter-Sprinter vor dem Start wirkt. „Im Gegensatz zu den Menschen sind die Hunde arbeitsfreudig”, sagt Polizeihauptkommissar Hartwig Hessenkämper lächelnd. Er leitet gemeinsam mit Polizeioberkommissar Ludwig Kuhlenkamp die Fortbildung für die Sprengstoff- und Spürhundführer NRWsowie sieben Kollegen von der NATO. Die Vertreter des „befreundeten Dienstes” waren erstmals Ende der 80er Jahre dabei. Mit von der Partie sind außerdem 46 Kollegen auf vier Pfoten: Deutsche und Belgische Schäferhunde sowie ein Riesenschnauzer.

Berühren ist tabu

Polizeioberkommissar Ralph Busse hat seinem Anton inzwischen das Halsband abgenommen. Das immer gleiche Signal für den Hund, mit der Arbeit zu beginnen. Schon nach kurzer Zeit wird der Vierbeiner fündig. Der Hund macht vor der gefundenen Handgranate Sitz und wartet auf die verdiente Belohnung. Berühren ist tabu, wie bei jedem anderen Sprengstoff. „Man weiß im Ernstfall schließlich nicht, ob der Fund hochgeht. Der Hund ist so etwas wie die Lebensversicherung für seinen Führer”, erklärt Hessenkämper.In den kommenden drei Wochen sollen sich Mensch und Tier in jeweils zweitägigen Weiterbildungen mit 28 neuen Sprengstoffeprodukten aus dem gewerblichen (z. B. Bergbau), militärischen und Selbstlabor-Bereich vertraut machen. „Wenn im Internet beim ,kleinen Sprengmeister' etwas auftaucht oder ein Stoff häufiger verwendet wird, müssen wir darauf reagieren”, erklärt der Polizeihauptkommissar. Lob gibt es von ihm für den Ort der Fortbildung. Das Wunderland biete mit dem Theater, Gastronomie und der Eventhalle gute Bedingungen: „So etwas findet man nicht alle Tage. Die Arbeit in den realistischen Örtlichkeiten ist für die Kollegen wichtig.”Nach Hessenkämpers Meinung spielen aber nicht nur Aus- und Weiterbildung eine entscheidende Rolle: „Wir halten die Hunde nicht in Zwingern. Die Führer haben die Tiere zuhause. Die private Bindung ist das entscheidende an der Sache”, weiß der Mann vom Institut für Aus- und Weiterbildung der Polizei NRW -Schule für Diensthundwesen.An einem Karussell hat Hugo seinem Führer Stefan Greifenberg inzwischen einen neuen Sprengstofffund signalisiert. Zeit für den Polizisten, seinem vierbeinigen Kollegen wieder das Halsband anzulegen. „Jetzt wäre Hugo für seine andere Aufgabe bereit. In Nordrhein-Westfalen setzen wir nämlich auf eine Dual-Verwendung. Die Tiere werden als Schutz- und als Spürhund eingesetzt.”

Markus Bülles

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