„Lebensleistung wird herabgewürdigt“

Hans-Joachim Koepp wird aus Kostengründen ins Standesamt versetzt. Viele Gocher sind empört.
Hans-Joachim Koepp wird aus Kostengründen ins Standesamt versetzt. Viele Gocher sind empört.
Foto: Andreas Daams
Was wir bereits wissen
Der Heimatverein Goch ist „schockiert“ und „empört“über die Versetzung des Stadtarchivars Hans-Joachim Koepp. Schreiben an den Bürgermeister

Goch..  Die überraschende Versetzung des Stadtarchivars Hans-Joachim Koepp ins Standesamt bewegt weiterhin die Gemüter in Goch. Der Heimatverein Goch unter Vorsitz von Alt-Bürgermeister Willi Vaegs debattierte in seiner Hauptversammlung am Donnerstagabend im Hotel Litjes darüber. Vaegs zitierte aus einem Schreiben, das der Vorstand des Heimatvereins in dieser Woche an Bürgermeister Karl-Heinz Otto und sämtlichen im Rat vertretenen Fraktionen geschickt hatte.

Darin sprechen die beiden Unterzeichner Willi Vaegs und Geschäftsführer Günter van Cuick davon, dass die Nachricht über die bevorstehende Versetzung Koepps den Heimatverein „schockiert und empört“ habe. Vaegs und van Cuick äußern in dem Schreiben Zweifel an der Kosten-Argumentation der Stadt. „Wir haben den Eindruck, dass der Stadtarchivar (für manche ein unbequemer Querdenker) aus anderen Gründen sein Aufgabengebiet verliert.“

Auch Museumsleiter und Fachbereichsleiter Dr. Stephan Mann wird in dem Zusammenhang zitiert: „Am 8. April hat der Fachbereichsleiter Kultur und Bildung unserem Geschäftsführer in einem Telefonat die Personalentscheidung wie folgt erklärt: ,Wir wollen einer jungen Kollegin, die sich verändern möchte, eine Chance geben, weil sie sonst abwandert’“. Bekanntlich soll Judith Schouten (28), bisher Mitarbeiterin in der Stadtbücherei, ab dem 1. Mai die Nachfolge von Koepp im Stadtarchiv antreten.

Die Unterzeichner finden, „dass mit der Versetzung die Lebensleistung des Stadtarchivars herabgewürdigt wird“ und die Folgen für den Menschen Hans-Joachim Koepp „bei den Verantwortlichen auf kein großes Interesse stoße.“

„Da wir nicht davon ausgehen, dass die Entscheidung zurückgenommen wird, sollten Sie wenigstens die Meinung des Heimatvereins zu diesem unsäglichen Vorgang kennen“, schließt der Brief an den Bürgermeister. Hoffnung könnte nur noch ein unscheinbarer Satz in der Mitte des Textes machen. „Ein Beamter kann jederzeit versetzt werden“, schreiben Vaegs und van Cuick da. Also auch wieder auf seinen alten Posten zurück – auch in Goch wird am 13. September ein Bürgermeister gewählt. Stadtsprecher Torsten Matenaers hat am Freitagvormittag nur den Eingang des Schreibens im Rathaus bestätigt.