Kurzurlaub auf dem Annaberg
18.09.2008 | 00:05 Uhr 2008-09-18T00:05:00+0200Mikail rückt sich den leuchtend roten Schutzhelm auf seinem Kopf zurecht und streicht ein paar Haarsträhnen zur Seite. Er ist elf Jahre alt und geht in die 6a der Kamp-Lintforter Realschule. Und in seiner Freizeit klettert Mikail gelegentlich. Zum Beispiel an der Jugendherberge in Materborn.
KLEVE. Mikail rückt sich den leuchtend roten Schutzhelm auf seinem Kopf zurecht und streicht ein paar Haarsträhnen zur Seite. Er ist elf Jahre alt und geht in die 6a der Kamp-Lintforter Realschule. Und in seiner Freizeit klettert Mikail gelegentlich. Zum Beispiel an der Jugendherberge am Annaberg in Materborn. „Ich habe keine Höhenangst, ich mache das gerne”, sagt der Junge stolz. In dieser Woche ist die Klasse aus Kamp-Lintfort zwei Tage lang in Kleve zu Gast, die Anfänge des Kletterns stehen dabei auch auf dem Programm. „Strammziehen, Umklappen, Nachfassen!”, ruft David Cornelißen. Der Trainer aus Rees bringt den Schülern das Klettern bei, zuerst an einem kleinen Hang und einem dicken Baum hinter der Jugendherberge. Später geht's dann – gut gesichert – in luftige Höhen. „Das Klettern ist der Renner”, weiß Günter Hanselmann, Leiter der Klever Jugendherberge.Die Einrichtung Jugendherberge an sich gibt es bundesweit seit 1909, sie feiert also in diesen Tagen ihr 100-jähriges Jubiläum. Die Jugendherberge in Kleve wurde 1938 eröffnet. „Wir machen nichts zum Jubiläum”, sagt Hanselmann. Also: Keine Festveranstaltung, auch kein Spezialprogramm – die in Materborn, so Hanselmann, sind schließlich schon gut genug: Klettern im hauseigenen Klettergarten, Spaziergang zum Kurhaus-Museum, Wanderung zur Schwanenburg, Fahrradtouren quer durch die Natur oder auch eine Besichtigung der Donsbrügger Mühle. Hanselmanns Möglichkeiten, seine Gäste auf Trab zu halten und ihnen die Region zu zeigen, sind vielfältig. Viele Schulen fragen an, meistens für fünfte bis siebte Klassen. Mittlerweile ist die Klever Jugendherberge auch speziell für Familien geeignet, die Halbpension buchen können. „Einige bleiben zwei Wochen, die meisten kommen für eine Woche Kurzurlaub hierher”, weiß Günter Hanselmann und begrüßt regelmäßig Gäste aus ganz Nordrhein-Westfalen (etwa Oberhausen, Duisburg, Geilenkirchen) und gelegentlich auch aus den Niederlanden (Nimwegen, Sassenheim) auf seinem Gelände.
In den letzten Jahren konnte Günter Hanselmann, der die Jugendherberge seit 1977 leitet, rund 17 000 Übernachtungen pro Jahr verzeichnen. Mit dieser Zahl rechnet er auch in diesem Jahr. Derzeit ist keines der 110 Betten frei, fünf Gäste versuchen, sich auf so genannten Notbetten bequem zu machen. 2007 allerdings machte die Technik Probleme: „Drei Monate lang kam fast keine E-Mail zu uns durch”, erinnert sich Hanselmann. Dadurch gingen damals die Übernachtungszahlen um 1500 auf 15 500 zurück.
0mitdiskutieren