Kunst vom Dach der Welt

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Kalkar..  Es ist ein riesiges Kulturprojekt, das am Samstag, 20. Juni, in Kalkar beginnt. An gleich fünf Orten in Kalkar werden insgesamt etwa 600 Kunstwerke aus Nepal zu sehen sein. „Viele der Künstler sind im asiatischen Raum weltbekannt“, sagt Hans-Hermann Bottenbruch, Galerist und Mitinitiator der Ausstellung. Neben der Galerie am Markt und der Kunsthalle Kalkar in der Monrestraße machen der Beginenhof, das Stiftsmuseum Wissel und das Rathaus mit. „So etwas haben wir in Kalkar noch nicht gehabt“, freut sich Bürgermeister Gerhard Fonck.

Ganz ungetrübt ist die Freude allerdings nicht. Denn die schweren Erdbeben in Nepal liegen erst wenige Wochen zurück. „Noch immer bebt die Erde fünfzehn Mal am Tag“, sagt Puruschottam Dangol, der Koordinator der Ausstellung aus Kathmandu. Vorgestern erst gab es ein Erdbeben der Stärke 5,5. Bei den großen Beben sind nicht nur über 8000 Menschen ums Leben gekommen, es sind auch viele Häuser eingestürzt, darunter uralte, wunderschöne Gebäude. „Es wird Jahrzehnte dauern, bis alles wieder aufgebaut ist“, fürchtet Dangol.

Und so überlegten die Veranstalter, ob die Ausstellung überhaupt durchgeführt werden kann. Soll man das Schöne zeigen, wenn dort noch der Schrecken regiert? Nach Absprache mit den 14 nepalesischen Künstlern sollte das Projekt aber unbedingt weitergehen. Was nicht ganz einfach war, denn der Container mit den Kunstwerken konnte Nepal lange Zeit nicht verlassen, weil die Flugpisten beschädigt waren.

Fünf Ausstellungsorte

Inzwischen ist er in Düsseldorf, heute oder morgen kommt er in Kalkar an. Erst dann können Bottenbruch und sein Kompagnon Harald Rickes damit beginnen, die Objekte auf die fünf Ausstellungsorte zu verteilen. An jedem Ort werden Spendenbüchsen für die nepalesische Bevölkerung aufgestellt sein.

Bei den Kunstwerken handelt es sich um große und kleine Skulpturen, Fotografien der Landbevölkerung wie der unvergleichlichen Landschaft, außerdem um historische Mandalagemälde, die über Monate mit winzigen Pinseln angefertigt worden sind. „Die Kulisse der Ausstellung, nämlich die schönsten Giebelhäuser am Niederrhein, wird einen ganz eigenen Reiz ausüben“, sagt Heiner Janssen, Vorstand des Beginenhof Kolping-Sozialwerks.

Dass das Projekt überhaupt zustande kommt, beruht auf einer langen Freundschaft zwischen Hans-Hermann Bottenbruch und Puruschottam Dangol. „Als ich zuletzt vor zehn Jahren in Nepal war, wäre ich am liebsten gleich da geblieben“, erinnert sich Bottenbruch. So freundlich waren die Menschen, so schön die Gegend. Stattdessen legte Dangol auf einem seiner vielen Flüge zwischen New-York und Hongkong einen Zwischenstopp in Frankfurt ein und schaute sich Kalkar an. So kam die Idee zustande. Die Ausstellung läuft bis zum 24. Oktober während der jeweiligen Öffnungszeiten der beteiligten Häuser. Der Eintritt ist überall frei. Eröffnung ist am 20. Juni um 14.30 Uhr im Rathaus.