Künstler und Vater

Foto: NRZ

Kleve..  2015 jährt sich der 50. Todestag des Künstlers Ewald Mataré. Ab Sonntag, den 29. März, zeigt das Museum Kurhaus anlässlich dazu eine Ausstellung zu seinem Frühwerk, den Berliner Jahren. Auch seine Tochter Sonja Mataré wird sich diese ansehen. Mit der NRZ sprach sie über ihren Vater und sein Schaffen:

Frau Mataré wie war es einen Künstler zum Vater zu haben?

Sonja Mataré lacht herzlich: Er war anders als andere Väter. Er sprach anders, er zog sich anders an. Mein Vater ging seinen eigenen Weg. Ein Kind aus der Schule sagte mal zu mir: ‘So einen komischen Mann wie deinen Vater habe ich noch nie gesehen.’ Aber Kinder mochte er sehr gern.

Was war Ewald Mataré für ein Mensch?

Sonja Mataré: Er war jemand, der von morgens bis abends in Gedanken bei der Arbeit war. In allem suchte er die Kunst: Wie kann ich das aufnehmen? Wie kann ich das darstellen? Trotzdem habe ich ihn nie gehetzt gesehen. Und er war unpolitisch. Die Politik interessierte ihn gar nicht.

Hatten Sie ein gutes Verhältnis zu Ihrem Vater?

Sonja Mataré: Ja, das kann man wohl sagen. Darüber bin ich auch sehr froh.

Sie selbst haben auch den Weg in die Kunst eingeschlagen. Warum sind Sie Goldschmiedin geworden?

Sonja Mataré: Meine Eltern hielten es für den richtigen Beruf für mich. Als Kind habe ich bereits viel mit kleinen Sachen gewerkelt und hatte irgendwie ein Händchen dafür. Das haben sie gesehen und ich bin ihrem Rat gefolgt.

Hatten Sie manchmal das Gefühl, dass Ihr Vater Ihnen in die Arbeit reinredet?

Sonja Mataré: So würde ich das nicht ausdrücken. Er hat sich mit großem Ernst darum gekümmert, dass ich etwas formal Gutes mache .Das war ihm ganz wichtig.

War er dabei streng? Hat er Ihre Arbeit kritisch beurteilt?

Sonja Mataré: Wenn man große Ansprüche an sich selbst hat, dann ist man auch anderen gegenüber anspruchsvoll. Meine Arbeiten waren ihm genauso wichtig, wie seine eigenen. Er hat auch Schmuck entworfen und hatte da seine Vorstellungen und seine Erfahrungen. Aber ich habe mich auch gewehrt, wenn das, was ich machen wollte gar nicht mehr erkennbar war.

Wie hat er dann reagiert? Gab es Streit?

Sonja Mataré: Mehr oder weniger. Dann haben wir diskutiert. Das endete mal so, mal so. Manchmal habe ich mich durchgesetzt, manchmal hat er sich durchgesetzt. Wie das so geht. Bei meiner Arbeit war er streng, aber wenn es als Kind um meine Schularbeiten ging, nicht. Da war meine Mutter streng. Er sagte oft: ‘Ach, lass sie sausen.’

Haben Sie viel von Ihrem Vater gelernt?

Sonja Mataré: Ja. Vor allem in den Anfängen kam er immer gucken und hat sich dann geäußert, gefragt wie das weitergehen soll. Er hat mir geholfen und mich korrigiert.

Hat Ihr Vater Ihnen auch einmal gesagt, dass er stolz auf Sie ist?

Sonja Mataré: Daran kann ich mich nicht erinnern. Er war ein Mensch, der immer sehr kritisch war mit allem, was er sah und hörte. Von Stolz kann man da glaube ich nicht sprechen.

Gab es auch mal Lob?

Sonja Mataré: Vieles hat ihm auch gefallen. Das ist ganz sicher. Sonst hätte er mich auch nicht für seine eigene Arbeit dazugeholt. Ich habe viele Metallarbeiten für ihn übernommen. Wenn er kein Vertrauen in meine Arbeit gehabt hätte, wäre das nichts geworden.

Hat Ihnen die Arbeit für Ihren Vater Spaß gemacht?

Sonja Mataré: Das war schön. Aber man musste auch sehr viel Geduld mitbringen. Es war ein ganz anderes arbeiten.

Was fühlen Sie, wenn Sie heute die Kunst Ihres Vaters betrachten?

Sonja Mataré: Das sind so ganz persönliche Empfindungen. Das ist unabhängig von der Ausstellung zu seinem 50. Todestag. Das sind menschliche Empfindungen, die man hat.

Sie kümmern sich um den Nachlass Ihres Vaters. Wieso haben Sie sich dazu entschieden, einen Großteil davon ans Museum Kurhaus zu geben?

Sonja Mataré: Der Nachlass meines Vaters ist im Museum Kurhaus Kleve wunderbar versorgt, nach dem Tod erst meines Vaters und später meiner Mutter bot mir Herr de Werd, damals Leiter des Museums im Haus Koekkoek, an, den Nachlass an die Stadt Kleve zu übergeben, um ein modernes Museum darauf aufbauen zu können. Das war ein einmalig gutes Angebot. Damit kann ich mehr als zufrieden sein.