Kritik an der Stadt Goch

Die Heizung ist am Wochenende ausgefallen. Gestern wurde sie repariert.
Die Heizung ist am Wochenende ausgefallen. Gestern wurde sie repariert.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Das kaputte Dach der Liebfrauen-Kita sei dem Jugendamt seit über vier Jahren bekannt. Verantwortliche der Kita widersprechen dem Bürgermeister

Goch..  Die Heizung war mal wieder kaputt. Das ganze Wochenende über war die alte Heizanlage der Kindertagesstätte Liebfrauen in Goch ausgefallen -- am Montagmorgen war es bitterkalt. Zum wiederholten Male streikte die Öl-Anlage in diesem Winter. Sie ist in die Jahre gekommen, wie so vieles in der Kita an der Kalkarer Straße.

Die Fenster sind nur dürftig einfachverglast, die Fensterrahmen sind zum Teil stark beschädigt, an den Wänden breitet sich der Schimmel aus und der Putz quillt von den Wänden. An der Decke zeigen sich Wasserringe und die Sanitäreinrichtungen entsprechen nicht mehr den modernen Anforderungen. Der Wickelplatz wurde notdürftig erstellt und auch in den Gruppenräume mangelt es an Platz: Die Kinder spielen hier, sie essen hier und sie schlafen hier. Nebenräume sind in der Liebfrauen-Kita nicht zu finden.

Mangelhaft Zustände

Die mangelhaften Zustände in der Gocher Einrichtung sind jetzt auch Thema in der Politik. Am kommenden Donnerstag wird im Jugendhilfeausschuss über die Situation geredet. Gibt es einen Neubau? Zieht die Tagesstätte um? Allein die Sanierung des Daches würde geschätzte 200 000 Euro kosten. Bürgermeister Karl-Heinz Otto erklärte jüngst im Ausschuss, dass man mit dem Generalvikariat Münster Gespräche geführt habe und Münster einen Neubau bevorzuge. Kosten: geschätzte 1,6 Millionen Euro.

Die Gespräche selber seien, so Otto, „sehr unangenehm“ gewesen, weil die Kirche wollte, dass die Stadt die Kita neu baut und am Ende der Kirche schenkt. „Das ist schon arg heftig“, sagte Otto daraufhin. Der Bürgermeister schlug vor, das Geld nicht ins Gebäude der Liebfrauenkita zu investieren, sondern die Kinder lieber umzusiedeln – in Räume der Arnold-Janssen-Schule. Kritik gibt es jetzt von Seiten der Kirche an Ottos Informationspolitik.

„Ich hätte für die Kirchengemeinde bei der Ausschusssitzung sprechen sollen. Wurde dann aber nicht eingeladen“, sagt Martin Jürgens. Jürgens sitzt ehrenamtlich im sechsköpfigen Bauausschuss des Kirchenvorstandes der Arnold-Janssen-Gemeinde. Er ist für die Bausituation an der Liebfrauenkita zuständig, nimmt für die Kita an allen Treffen mit dem Jugendamt in dieser Frage teil.

Seit viereinhalb Jahren verfolgt Jürgens die Bausituation und die Kontakte mit der Stadt. Schon damals sei das marode Dach bekannt gewesen. Jürgens saß auch mit am Tisch, als vor gut drei Jahren ein Förderantrag gestellt worden sei, um einen Neubau auf den Weg zu bringen. Hier wurde um die Übernahme eines städtischen Anteils gebeten. „Danach haben wir immer wieder das Gespräch gesucht“, sagt Jürgens.

Noch im September habe es einen „Runden Tisch“ gegeben, das Problem sei u.a. mit Bauamtsleiter Klaus Krantz erörtert worden. Weil hier aber das Jugendamt zuständig sei, gab es Ende November dort noch ein Treffen. „Da war man erstaunt, dass das Dach so ist, wie es ist. Das Jugendamt war gar nicht informiert über den Zustand“, erinnert sich Jürgens. Und dann: Sondersitzung.

Bistum beteiligt sich sehr wohl

„Wir haben erst durch den Jugendhilfeausschuss erfahren, was die Stadt vorhat“, sagt Jürgens, durchaus mit Verwunderung angesichts der jahrelangen Gespräche. Kopfschütteln reicht da nicht mehr – vor allem nicht, als Bürgermeister Otto die 1,6-Millionen-Forderung der Kirche in den Mund legte. Jürgens widerspricht.

„Von den Gesamtkosten war nie die Rede. Eindeutig hat das Bistum gesagt, dass es sich mit gut einem Drittel beteilige, wenn die Stadt sich auch mit einem Drittel an den Kosten beteiligt. Das wären 400 000 Euro. So wurde es beim letzten Treffen gesagt“, erinnert sich das Kirchenvorstandsmitglied. Auch der Bürgermeister habe von diesem Diskussionsstand gewusst.

Dass der Kita-Standort an der Kalkarer Straße aufgegeben wird, nur, damit der Stadthaushalt besser dastehe, ärgert Jürgens: „Wenn in nicht-städtische Gebäude investiert wird, schlägt sich das in den Büchern anders nieder. Das ist der Grund für diese Debatte.“ Günstig sei der Blumenstrauß an neuen Kindertagesstätten-Ideen nicht. Schon für den Umbau des Astras in eine mögliche 4-gruppige Kita werde die Stadt aus Jürgens Erfahrung „vielleicht 750 000 Euro brauchen.“

Billiger wäre es 400 000 Euro als städtischen Anteil in einen Kita-Neubau unter der Trägerschaft der Arnold-Jansen-Kirche zu investieren oder weniger in eine Sanierung.