Kreistag lehnt Integrationszentrum ab

Der Kreistag lehnte die Schaffung eines Integrationszentrums zur Unterstützung der Flüchtlinge und ausländischen Familien ab.
Der Kreistag lehnte die Schaffung eines Integrationszentrums zur Unterstützung der Flüchtlinge und ausländischen Familien ab.
Foto: NRZ/Kleve
Was wir bereits wissen
Eine Mehrheit von CDU, FDP und AfD sieht darin nur eine zusätzliche Verwaltungseinheit. SPD und Grüne ärgern sich über die Reduzierung auf den Aspekt Schule: „Sie haben die Sinnhaftigkeit nicht verstanden“

Kreis Kleve..  Für Walter Seefluth, Sprecher der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), ist die Sache klar: „Ohne ein Integrationszentrum sind die Sprachprobleme im Kreis Kleve kaum lösbar.“ Eine unglaubliche Anzahl von Kindern hat im Kreis einen Förderbedarf: Fast jedes dritte Kind unter drei Jahren in einer Kindertagespflege kommt aus einer Familie, in der vorrangig kein Deutsch gesprochen wird. Dazu kommen die vielen Asylbewerber, die zigfache Hilfen für die Integration benötigen. Die SPD beantragte daher die Schaffung eines Integrationszentrums, welches vom Land gefördert wird und sich als Koordinierungsstelle für viele Probleme in Schule und Alltag entwickeln soll.

Der Vorschlag der SPD wurde abgelehnt. CDU, FDP und AfD sehen im Intergrationszentrum eine weitere Verwaltungseinheit, die den tatsächlich Bedürftigen nicht weiterhelfe. Man sehe zwar auch einen dringenden Verbesserungsbedarf in den Schulen, diesen wolle man aber nicht über ein Integrationsbüro sicher stellen, sondern durch mehr Lehrer. Zudem: „170 000 Euro sind ein Kleckerbetrag. Hier muss viel mehr Geld reingesteckt werden“, sagte Ulrike Ulrich (CDU).

Bettina Trenckmann (SPD) platzte in der Debatte im Kreistag der Kragen: „Sie führen eine Zuständigkeitsdebatte auf dem Rücken der Bürger“, ärgerte sie sich. Sie warf CDU und FDP vor, nicht verstehen zu wollen, was ein Integrationsbüro leistet. Es gehe nicht nur um Integration in der Schule: „Nehmen Sie die vielen männlichen Asylbewerber, die haben zurzeit keine Anlaufstelle. Allein für diese Menschen würde es sich schon lohnen, etwas zu tun“, sagte Trenckmann.

Als Awo-Vorsitzende könne sie feststellen, dass zurzeit die ehrenamtlichen Gruppen im Kreis Kleve alleine vor sich „hinwurschteln“: „Wir können es nicht zulassen, dass sich nur Ehrenamtliche kümmern. Wir müssen diese Hilfen den verantwortlichen Stellen in die Hände legen“, so Trenckmann. Sie plädierte dafür, das Konzept eines Integrationsbüros zumindest im Fachausschuss zu diskutieren.

„Sehr bedauerlich“

Auch Michael Heinrichs (Freie Wähler) warf der CDU vor, nur über Ideologien zu reden: „Das ist nicht in Ordnung. Hier redet keiner darüber, was geht. Wir haben die Möglichkeit, die Lage der Kinder und Flüchtlinge zu verbessern.“ 170 000 Euro Landesförderung seien natürlich wenig: „Aber wir können uns doch nicht hier hinstellen und nichts tun. Das ist gefährlicher als alles andere.“

Ute Sickelmann (Grüne) warf der CDU eine Politik der Vernebelung vor: „Es ist sehr bedauerlich, dass dieses Zentrum zerredet wird. Sie nehmen nicht einmal das an, was vom Land angeboten wird.“ Auf den Einwurf von Manfred Palmen (CDU), dass die Förderung nur für drei Jahre gelte, sagte Sickelmann: „Herr Palmen, drei Jahre sind im Leben eines Menschen, der Not hat, eine lange Zeit.“