Kreischen, toben, sanftes Wogen

Ausgelassene Stimmung beim WDR-Konzert in Kleve.
Ausgelassene Stimmung beim WDR-Konzert in Kleve.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Kleve feierte am Samstag eine große Party. Die Stars der Popszene spielten beim Festival am Bahnhof. 17 000 Fans und Familien kamen zu „WDR 2 für eine Stadt

Kleve..  Ausnahmezustand für Kleve. 17 000 Fans, Familien, Freunde jubelten beim Festival hinterm Bahnhof auf der trockenen Wiese. Rundum gute Laune, rundum gelungen, rundum reibungslos. Der Sender WDR 2 setzte sein Versprechen um und holte kostenlos Radioshows und Stars der Pop- und Jazzszene live nach Kleve, ins Radio und ins Netz. Großbühne, drei Großleinwände, ein fantastischer, transparenter Sound vom ersten Ton an. Da waren Profis am Werk.

Madcon mischte die Menge auf

Das durfte die richtig gute, rockige Newcomer-Band als Oberhausen, „Fools Errant“ als erste erfahren.

Der Mann der langen hohen Töne, der mit dem durch-und-durch Jazz-Gefühl, Max Mutzke, faszinierte. Diesmal kam er nicht im Rollkragenpullover, sondern weißen Kragen „fast wie ein Pastor“, so Moderatorin Steffi Neu. Er und alle folgenden Stars setzten auf herausragende Begleitung: großartige Instrumentalisten hatten sie jeweils in ihren Bands. Mutzkes alten Hit, mit dem ihn sein Entdecker Stefan Raab in die Musikszene schickte, „Until tonight“, sang er nur mit Gitarrenbegleitung vom Bühnenrand aus – Wohnzimmer-Feeling.

„Er ist eines der größten Talente, die Deutschland hat“, staunten die quirligen „Madcon“, die Norweger mit afrikanischen Wurzeln. Sie mischten die Menge auf, da rasteten die Mädels aus, da tobte das Duo durch seine Hits. Auch wenn keiner mehr den Flashmob-Dance von 2010 aus „Glow“ drauf hatte, dafür waren die meisten textsicher bei „Don’t worry – we can own the night“. Und ob. Nach dem dritten Song entblößte Tshawe Baqwa seinen tätowierten, gestylten Oberkörper und ließ sich von Mädels in der ersten Reihe umarmen. Kreischalarm! Yosef Wolde-Mariam riss die Leute auf seine Seite mit der Jubel-Aufforderung: „eins, schwein, drei – mach mal Läääärm“.

Eine karibische Steeldrum in der Rockband, das ist nur eines der Instrumente, die Marlon Roudette neben der Stimme beherrscht. Seine „Body language“ blieb zwar verbal, aber dennoch glänzten die Augen der Fans und manche Eltern entpuppten sich als Textkenner bei „New Age“ (Titelsong aus dem Matthias-Schweighöfer-Kinofilm „What a man“). Die Klever nahmen am diesem Samstag wörtlich, was Marlon Roudette versprach: „When the beat drops out“ – Wenn der Beat verklingt, sind wir immer noch da.

Deutsche Texte von anspruchsvollem Inhalt und so eingängigem Sound, mit warmer Stimme: Andreas Bourani. Er kennt sich hier schon fast aus, stand ja neulich erst beim Courage-Festival in Moyland auf der Bühne. „Hey“, „Auf anderen Wegen“ und der WM-Hit „Auf uns“ brachten das Publikum noch enger zusammen. Handy-Lämpchen an: Da wogte die Menge.

Ein neues Ortsschild

Ein Hoch auf alle, die dieses einmalige Festival ermöglicht haben. Die Bürger, die die WDR-Spiele umsetzten. Und die drei, die im Wettstreit der Städte als einzige alle zehn Fragen beantworten konnten. Mit leisem Lächeln standen eben Wasserburg-Chef Kurt Kreiten und Stadtführerin Wiltrud Schnütgen in der Menge. „Ich habe ja gar nicht so viel getan“, sagt Schntügen bescheiden, guckt übern Platz mit 17 000 Menschen: „Es ist schön, wenn man sieht, was daraus geworden ist“.

Der dritte, Bürgermeister Theo Brauer, bekam ein Geschenk von Steffi Neu: ein neues Ortsschild als WDR-Stadt und mit einem Hand-Herzchen drauf.