Kreis Kleve hält trotz Konzern-Umbruch an RWE-Aktien fest

RWE-Aktien belasten viele Kommunen in NRW. Der Kreis Kleve will aber an seinem Paket festhalten.
RWE-Aktien belasten viele Kommunen in NRW. Der Kreis Kleve will aber an seinem Paket festhalten.
Foto: Bernd Thissen/Archiv
Banker warnen: Sie hätten RWE-Aktien längst verkauft. Doch der Kreis Kleve hält an ihnen fest. Sie seien eine „attraktive Finanzanlage“, heißt es.

Kreis Kleve.. Dezentral und regional. So sieht Carlo Marks von den Gocher Stadtwerken die Energieversorgung der Zukunft. Die großen Stromversorger wie Eon und RWE haben es im Wettbewerb der Stromanbieter immer schwerer, ihren gewaltigen Anlagenapparat aufrecht zu erhalten.

Eon hat sich bereits mit einem harten Schnitt von der Kohleverstromung verabschiedet und auch das Traditionsunternehmen RWE ist auf der Suche nach neuen Geschäftsfeldern. Zuletzt wurde das Thema Haustechnik als Zukunftsmarkt erkannt. Welche Zukunft hat das Unternehmen und was bedeutet dies für den Kreis Kleve als Aktionär von RWE? Die NRZ wollte vom Landrat wissen, wie sinnvoll es noch ist, Anteilseigner eines Unternehmens zu sein, dem ein wichtiges Geschäftsfeld langsam abhanden kommt.

Dividende von einem Euro je Aktie

„Die RWE-Aktien sind für den Kreis Kleve nach wie vor eine äußerst attraktive Finanzanlage“ beteuert Landrat Wolfgang Spreen in einer schriftlichen Beantwortung der NRZ-Fragen. Bei einer Dividende von einem Euro pro Aktie bedeute dies für den Kreis Kleve aktuell bei einem Aktionskurs von 29 Euro eine Rendite von rund 3,4 Prozent. Dies entspräche einem jährlichen Betrag von 1,9 Millionen Euro.

Politik Würde der Kreis Kleve das Aktienpaket verkaufen und den Erlös von etwa 56 Millionen Euro anlegen, so Spreen, läge der jährliche Zinserlös mit Blick auf die aktuelle Niedrigzinsphase bei maximal 600 000 Euro. „Das bedeutet, dass der Kreis Kleve aus seinem Aktienbesitz mehr als das Dreifache an Rendite erzielt“, so der Landrat.

Da bei einer Anlage von großen Geldbeträgen dem Anleger sogar „Negativzinsen“ drohen, sei das RWE-Aktienpaket erst recht eine finanziell sinnvolle Anlageform.

Banker hätten Aktien längst verkauft

Trotzdem sagen führende Banker aus dem Kreis Kleve der NRZ, dass sie anstelle des Kreises Kleve bereits längst das Aktienpaket verkauft hätten. Sie bemängeln eine offenbar fehlende Ausstiegsstrategie des Kreises. Denn es sei offensichtlich, dass der Konzernumbau von RWE noch einmal sehr viel Geld verschlingen werde. Und aktuell schiebe das Unternehmen bereits einen hohen Schuldenberg vor sich her.

Landrat Wolfgang Spreen hält dagegen: Es wäre völlig unwirtschaftlich, das Aktienpaket jetzt zu verkaufen, da der aktuelle Kurs von rund 29 Euro nahe dem bisherigen Tiefstkurs liege. „In der Vergangenheit schwankte der Aktienkurs etwa zwischen 20 und über 100 Euro. Gegenüber dem Höchstkurs würde der Kreis Kleve derzeit bei einem Verkauf etwa 138 Mio Euro ‘vernichten’“. Professionelle Analysten würden die Zukunft der Aktien unterschiedlich bewerten. Der Kreis werde daher die weitere Entwicklung des Kurses aufmerksam verfolgen.

„Historische Dimensionen“

Die NRZ wollte vom Landrat wissen, ob es angesichts des enormen Umbruchs in der Energiewirtschaft und der damit verbundenen Probleme für RWE nicht an der Zeit wäre, eine Wertberichtigung des Aktienvermögens in den Büchern des Kreises vorzunehmen.

Dazu der Landrat: „Eine bilanzielle Wertberichtigung des Aktienvermögens des Kreises Kleve ist derzeit nicht beabsichtigt.“ Die Beteiligung des Kreises Kleve an der RWE-AG habe sozusagen „historische Dimensionen“. Für die Altkreise Geldern und Kleve sei ein Aktienbesitz bereits in den 1920er-Jahren belegt.

Fast zwei Millionen Stammaktien

Die damaligen Anschaffungspreise seien nicht mehr vollständig nachvollziehbar. Große Teile kamen jedoch zu einem Preis von fünf Mark in den Besitz der Rechtsvorgänger des heutigen Kreises Kleve. Aktuell besitzt der Kreis Kleve 1.944.730 RWE-Stammaktien.

Allein seit 1994 habe der Kreis Kleve aus seinem RWE-Aktienbesitz Einnahmen von nahezu 100 Millionen Euro erzielt. „Auch diese stattliche Summe führte zu einer niedrigen Kreisumlage, die seit vielen Jahren den Kommunen im Kreis Kleve und damit den Bürgerinnen und Bürgern im Kreisgebiet zugute kommt“, erläutert Landrat Spreen.

Dies alles führe dazu, dass der Kreis Kleve seinen Aktienbesitz jetzt und auch für die Zukunft als „gutes Geschäft“ sieht. „Die Fachleute bei den großen Energieversorgern stellen sich derzeit mit erheblichem Aufwand den Herausforderungen der Energiewende. Diese Umstellungen kosten erst einmal Geld, um intelligente Lösungen für erfolgreiche Zukunftsmodelle zu entwickeln. Aber Energie wird immer gebraucht“, sagt Wolfgang Spreen.