Kranke Kinder vertrauen der Ente

Am Mittwoch, 30.06.2010, fand im Rathaus Goch eine Pressekonferenz zum Bau des Alfred J. Kwak-Haus statt. Von der Hermann van Veen Stiftung und der Alfred J. Kwak Stiftung waren Herman van Veen und Heidemarie Ecker-Rosendahl anwesend sowie Gochs Buergermeister Karlheinz Otto und Carlo Marks Das Bild zeigt das Modell vom Alfred J. Kwak-Haus Foto: thorsten lindekamp / WAZ FotoPool
Am Mittwoch, 30.06.2010, fand im Rathaus Goch eine Pressekonferenz zum Bau des Alfred J. Kwak-Haus statt. Von der Hermann van Veen Stiftung und der Alfred J. Kwak Stiftung waren Herman van Veen und Heidemarie Ecker-Rosendahl anwesend sowie Gochs Buergermeister Karlheinz Otto und Carlo Marks Das Bild zeigt das Modell vom Alfred J. Kwak-Haus Foto: thorsten lindekamp / WAZ FotoPool
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Junge Patienten testen Kwak-App fürs Computer-Tablet. Figur soll seelisch und medizinisch Ansprechpartner sein. Zwei erste Häuser für Goch-Kessel in Planung

Goch.. Die freundliche Ente Alfred Jodokus Kwak gibt’s jetzt auch in der Medizinrealität als Avatar-App. Also als Mini-Software für Computer-Tablets. Doch ist das Ganze kein Spielzeug, sondern ein Gesund-Werd-Zeug. Derzeit testen junge Patienten an der Nijmeger Radboud-Uniklinik (und deren Eltern und Ärzte), wie praktikabel und hilfreich für sie die von der Klinik entwickelte Computersimulation ist – das verrät Stephan A. Vogelskamp, Geschäftsführer der Gocher Kwak-Stiftung.

Die jungen Patienten bepatschen die glänzenden Tablet-Oberflächen also im Dienste der Wissenschaft und ihrer Gesundheit. Denn die digitale Ente soll ein allgegenwärtiger und mobiler Ansprechpartner werden – im Kwak-Erholungszentrum in Goch-Kessel, für das es seit Dezember nach Jahren der Vorbereitung auch einen gültigen Bebauungsplanbeschluss gibt.

Programmiert wurde die Computersimulation nach dem Hermann-van-Veen-Vorbild von der Abteilung für Künstliche Intelligenz der Radboud-Uniklinik. Denn sie kooperiert (wie berichtet) als medizinischer Partner seit 2013 direkt mit der Kwak-Stiftung, um die medizinische Machbarkeit des Kwak-Hauses auf den Weg zu bringen, unterstützt von der Euregio.

Ein wichtiger Punkt ist dabei der Avatar (= Grafikfigur), der nun im Praxistest verbessert wird. Denn auf dem Gelände des ungewöhnlichen Ferienerholungsheims „Alfred-Jodokus-Kwak-Haus“ am Kesseler See geht es zwar vor allem um die Hilfe für schwerstkranke Kinder, aber eben auch um Medizinzukunft.

Der Kwak-Avatar soll Kinder vor ihrem Besuch übers Kwak-Haus informieren und vor Ort tragbarer Ansprechpartner werden, auch in medizinischer Hinsicht. Ein Kind kann Kwak vertrauen, ihm erzählen, dass es Bauchweh oder Angst hat. Das zeichnet das Computerprogramm auf. Das soll bei der eigentlichen Therapie später helfen. Mitlernen soll der Kwak-Avatar auch noch, so intelligent soll er programmiert sein. Dass könne sogar Alarm schlagen, wenn das Kind dem Kwak-Avatar einen Notfall mitteile. Damit das auch alles nachher in der Praxis läuft, nahmen in dieser Woche erstmals Kinder an der Radboud-Klinik den Avatar in die Hand.

Fachwelt interessiert

Von Seiten der NRW.Bank, die im Herbst zur Zusammenkunft der Kreativwirtschaft lud, gab es dafür schon höchstes Lob. Gefördert wurde das Avatar-Projekt durch europäische Gelder aus dem Fördertopf „Interreg“, vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung. „Der Avatar wurde als ‘best-practice’-Projekt dort präsentiert“ (= bestes Vorbild), berichtet Vogelskamp. Zur kommenden „Medica“, Weltforum der Medizin mit internationaler Fachmesse und Kongress, soll der Avatar auch vorgezeigt werden. „Wir sind eingeladen“, sagt Vogelkamps.

Und auch bei der großen Ausstellung für Kinderrechte („Wenn sich jemand kümmert“) im „Dortmunder U“ im vorigen Herbst, wo das Kwak-Idee im Mittelpunkt stand, gab’s nur Applaus. Das Kwak-Gelände sei schließlich, so Vogels-kamp, „die gebaute Umsetzung“ von Kinderrechten. Dort zählt, was Kinder sagen. Dort sollen Kinder weitestgehend selbstbestimmt sich erholen können.

Und weil auch die Vertragsunterzeichnung mit der Radboud-Uniklinik als medizinischer Partner nur noch eine Formalie ist (man wartet mit den Unterschriften, bis der neue Vorstandsvorsitz im Sommer die Arbeit aufnimmt) und der Gocher Bauausschuss im Dezember den Bebauungsplan beschloss, darum gibt es nur ein Fazit: „Wir haben einfach wunderbaren Rückenwind“, fasst es Vogelskamp zusammen.

Bauliches

Dafür wird in Goch fleißig gearbeitet. Architekten planen derzeit zwei erste Wohnhäuser fürs Gelände. Radboud-Mediziner reden da ein Wörtchen mit, denn die Räume müssen Gesundung und Unterbringung medizinischer Geräte ermöglichen. „Wir bauen erst einmal zwei und testen sie aus, damit wir nicht nachher 18 mal das Falsche bauen“, erklärt Vogels-kamp. Nicht nur das Design des Hauses wird speziell, auch das Innere. Innenarchitekten entwerfen derzeit passende Möbel, eigens für das Erholungsgelände. Wie die aussehen, das wird wohl bereits in wenigen Wochen präsentiert.