Kranenburger Rentner engagieren sich

Vitus-Budde, Willi Koch, Heinz Pawelke und Erich Berson in der Stadtscheune.
Vitus-Budde, Willi Koch, Heinz Pawelke und Erich Berson in der Stadtscheune.
Foto: NRZ
Vier Rentner treffen sich jeden Mittwochabend. Zum Arbeiten. Sie erledigen alles, was in den Kranenburger Museen so anfällt

Kranenburg..  Vitus Budde bringt es auf den Punkt: „Wir könnten uns selbstständig machen, die Werkzeuge haben wir alle hier.“ Budde ist gelernter Heizungsbauer, hat dann Maschinenbau studiert. Inzwischen ist er in Rente, so wie seine drei Kollegen vom Kranenburger Handwerksteam. Gerade haben sie die Werkzeuge in der Stadtscheune entrostet. Dort ist alles vorhanden, was man früher noch zum Wirtschaften brauchte: von der Dreschmaschine über den Aalstecher bis zur kompletten Schuhmacherwerkstatt. Für Besucher des Katharinenhofs, Mühlenturms und Stadtscheune sind die Rentner unsichtbar.

Unverzichbar

Und doch sind sie unverzichtbar. Heinz Pawelke, Vitus Budde, Willi Koch und Erich Berson streichen Wände, hängen Bilder auf, reparieren kaputte Gegenstände, kurz: Sie sorgen dafür, dass alles in Schuss bleibt. „Wenn mal nichts zu tun ist, schauen wir uns zum Beispiel alte Fotos von Kranenburg an“, berichtet Heinz Pawelke. „Ansonsten gilt: Was wir tun können, machen wir.“

Aufgaben bekommen sie entweder vom Vorstand des Vereins für Heimatschutz zugewiesen, oder sie sehen selbst, was zu tun ist. Viele Gerätschaften in der Stadtscheune, die das bäuerlich-kleinstädtische Leben vor Erfindung des Plastiks dokumentiert, kennen sie noch aus Kindheitstagen. Malermeister Willi Koch erinnert sich etwa an die Dreschflegel, mit denen man die Getreidekörner aus den Ähren herausschlug. Das ging taktweise und wenn vier Leute damit auf der Tenne Zugange waren, klang es wie das plattdeutsche „Schepp op die Papp“. Schon ein vierzigjähriger Stadtbewohner sieht sich den Dreschflegel heute in der Regel verständnislos an und fragt sich, was das wohl für ein Gerät ist. „Bei der Eröffnung der Stadtscheune haben wir Kinder mal dreschen lassen“, sagt Koch. „Hat gut geklappt.“

Weil es so viele Ausstellungsstücke gibt, liebäugeln die vier mit einer Erweiterung der Fläche im Obergeschoss. Fehlt nur eine Wendeltreppe. „Oben steht zum Beispiel noch eine Wiege aus Eisen“, verrät Erich Berson, der 17 Jahre als Bäcker und fast 30 als Postzusteller gearbeitet hat. Die Wiege ließ sich mit dem Fuß schaukeln, so dass die Mutter beide Hände zum Stricken frei hatte. Zu sehen ist in der Stadtscheune übrigens auch die Werkstatt eines Holzschuhmachers. Holzschuhe gehören aber nicht gerade zu den Dingen, die die vier Rentner in der heutigen Zeit vermissen. „Vorne waren die immer kaputt vom Fußballspielen“, sagt Koch.

Wer das Museum Katharinenhof von dienstags bis sonntags zwischen 14 und 17 Uhr besucht, kann auch zur Stadtscheune gehen. Einfach im Katharinenhof den Wunsch äußern, dort ruft man dann einen der vier Rentner an - und mit etwas Glück bekommt man eine spannende Führung durch alte Zeiten.

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