Kranenburg ist Montag schuldenfrei

Günter Steins
Günter Steins
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Die letzten 400 Euro werden dann überwiesen – und das ist kein Karnevalsscherz. Gut 25 Jahre hat die Gemeinde für diesen Tag gebraucht

Kranenburg..  Ein Fläschchen Sekt wird am Montag mit Sicherheit im Kranenburger Rathaus geköpft. Denn in der Grenzfeste gibt es richtig was zu feiern. Nicht nur, dass Rosenmontag ist und der Kämmerer Böhmer auch noch Geburtstag hat, nein. Der Montag, 16. Februar 2015, ist für Kranenburg ein besonderer Tag, der dick in den Annalen unterstrichen werden wird: Kranenburg ist ab Montag schuldenfrei. Eine kümmerliche Restrate von 400 Euro wird überwiesen, dann geht eine fast 25-jährige Zeit der Schuldentilgung zu Ende. Kranenburg ist damit die einzige Gemeinde im Nordkreis Kleve, die keine Schulden mehr hat.

Gewaltiger Schuldenberg

Bürgermeister Günter Steins kann sich noch gut an die Zeit Ende der 80er Jahre erinnern. Kranenburg saß auf einem gewaltigen Schuldenberg von 16 Millionen D-Mark und befand sich in der Haushaltssicherung, die damals noch „Ausgleichsstock“ hieß. Eine gewaltige Ausgabenlast drückte auf den Haushalt. Die Politik musste einen konsequenten Sparkurs fahren.

Ins Rollen gebracht hat diese Entwicklung Bürgermeister Jakob Voss, der von 1989 bis 2000 die Geschicke in Kranenburg leitete. Voss erzählt der NRZ, dass alle Parteien den Kurs mitgetragen haben.

Der schmerzhafteste Schritt sei die Schließung des Hallenbades gewesen. Das Bad verursachte ein jährliches Defizit von 250 000 D-Mark. Auch die Zuschüsse für Vereine und Sportanlagen wurden gekürzt und die Steuern und Gebühren stark angehoben: „Ich war damals gegen diese starke Anhebung, ich wollte eigentlich einen kontinuierlichen Anstieg der Abgaben“, erzählt Voss. Doch heute kann er sagen: „Der radikale Schnitt war die richtige Entscheidung.“ Es habe zwar viele Diskussionen gegeben und alle Kranenburger hätten unter dem Sparkurs leiden müssen. „Aber wir sind immer noch gewählt worden. Die Bürger haben Verständnis für diese Politik gehabt. Und ich glaube, dass sie auch erleichtert waren, dass wir konsequent waren, dass wir den Schuldenabbau auch durchgezogen haben.“

Von diesem harten Sparkurs ist die Gemeinde bis heute nicht abgerückt. Bürgermeister Günter Steins kann zufrieden festhalten, dass sich die Gebühren und Steuern in Kranenburg wieder normalisiert haben. „In den vergangenen zehn Jahren sind die Abgaben für Grundsteuern, Abwasser und Müll in einem Vier-Personen-Haushalt nur um 2,8 Prozent gestiegen“, so Steins. Da im gleichen Zeitraum die Löhne im Durchschnitt um 26 Prozent angestiegen sind, könne man von einem relativen Rückgang der Gebührenlast in Kranenburg sprechen.

Maßvoll investieren

Mit der Verteilung von Wohltaten ist Steins bis heute vorsichtig. Denn er möchte gerne, dass die Gemeinde dauerhaft ohne Schulden auskommt. „Investitionen müssen sinnvoll sein“, so Steins. Am Ende müsse die Investition auch eine Rendite abwerfen. Das Engagement für den Windpark sehe er daher sehr positiv.