Kontech will wachsen

Kontech-Geschäftsführer Ulrich Janßensetzt auf den dringend benötigten Ausbau – statt auf angemietete Werkhallen.
Kontech-Geschäftsführer Ulrich Janßensetzt auf den dringend benötigten Ausbau – statt auf angemietete Werkhallen.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Auf dem Acker am Waldmannspfad möchten zwei Firmen aus dem dort gelegenen Gewerbegebiet Hasselt erweitern. Änderungsverfahren könnte eingeleitet werden

Bedburg-Hau..  Noch gibt es auf einer Seite des Waldmannspfades vor allem Acker. Weil sich aber zwei Betriebe aus dem dort gelegenen Gewerbegebiet Hasselt-Süd im Bereich „Bedburger Weide“ erweitern wollen, diskutierte der Bauausschuss Dienstagabend über das dafür nötige Änderungsverfahren des Flächennutzungsplanes.

Die Bezirksregierung habe für das Vorhaben „grünes Licht“ gegeben, erklärte Bauamtsleiter Dieter Henseler. Die Betriebe müssten ihr Interesse über den virtuellen Gewerbeflächenpool des Kreises anmelden. Denn damit die Umwandlung in Gewerbegebiet klappt, braucht es folgende Voraussetzungen: es muss sich um einen Siedlungsbereich handeln, es darf für die Fläche keine Restriktionen geben (wie Landschaftsschutz) und es braucht konkrete Investoren. Melden sich die Interessenten beim Gewerbeflächenpool an, ist das letzte Kriterium erfüllt.

Erweitern müssen

Natürlich muss zuvor aber die Politik das Änderungsverfahren einleiten. Erst einmal wird aber noch in den Fraktionen beraten. Was nicht ablehnend zu verstehen ist, wie CDU-Fraktionschefin Silke Gorißen deutlich machte: „Wir freuen uns über die Entwicklung. Denn die Betriebe haben schon öfter angefragt und könnten Bedburg-Hau sonst irgendwann verlassen.“ Man müsse aber in der Fraktion über die nun vorgeschlagene Geländelage sprechen.“

Noch sind die angedachten 2,3 Hektar rein der Landwirtschaft vorbehalten. Der schmale Waldmannspfad müsste Industriestraße und mindestens auf 80 Metern Lände auf acht Meter verbreitert werden. Mitte des Jahres möchten die Betriebe schon Baurecht haben, so Henseler.

Welche Betriebe erweitern möchten, erwähnte er nicht – einer ist auf jeden Fall Ulrich Janßen. Der Geschätsführer der Kontech GmbH (Konstruktionstechnik in Stahl- und Leichtmetallbau) sitzt an der Bedburger Weide 45, gegenüber des Ackers (gemeinsam mit seinem Bruder Christoph Janßen, der dort mit seiner Colortech GmbH für Beschichtungs-Oberflächentechnik auch als Partner des Metallsbauers fungiert). Wie groß er genau bauen möchte, sagt Janßen noch nicht. „Aber es ist etwas mehr“, verrät er, „die Aufträge dafür sind längst da. Eigentlich wollte ich schon letztes Jahr erweitern.“

Seine 2003 gegründete Firma bezog einst mit sechs Mitarbeiter die neue Werkhalle im Bedburg-Hauer Gewerbegebiet. Drei Jahre später folgte eine zweite Werkhalle, rein für Blechverarbeitung. Weil selbst das nicht reichte, mietete er zwei große Hallen zusätzlich im Gewerbegebiet an, was „unsinnig und teuer ist“, ergänzt Janßen. Mit der geplanten Erweiterung schafft er 14 Arbeitsplätze – so sein Plan.

Doch wer ist der zweite Interessent?Eine Ecke weiter wollte 2008 der Wärmepumpen-Hersteller Hautec (An der Molkerei) ein Grundstück im Rücken des bisherigen Firmengeländes für eine Erweiterung erwerben. Die Betriebserweiterung in einem fast reinen Wohngebiet scheiterte. Ob Hautec Interesse an der möglichen Gewerbefläche habe, dazu wollte Geschäftsführer Karl-Heinz Wiegersma gestern nichts sagen.

Interesse an der Fläche gibt es eh. Beispielsweise fragte vor gut acht Jahren ebenfalls der viel näher gelegene Garten- und Futtermarkt Bremer GmbH (der kurz zuvor von Goch nach Bedburg-Hau zog) ganz konkret nach der Baumöglichkeit auf der Ackerfläche – und scheiterte.

Auenniederung erhalten

Das Bauinteresse habe es doch schon einmal gegeben, aber woran sei das Vorhaben seinerzeit gescheitert, wollte Grünen-Ratsherr Günther van Meegen von Henseler wissen – ohne den Agrarhandel zu nennen und den Grund des Scheiterns: Landschaftsschutz. Es gibt vor Ort durchaus ein festgeschriebenes Landschaftsschutzgebiet, erklärte Henseler daraufhin, „das liegt aber nicht da wo wir planen, sondern geht nur bis zum Voltaireweg. Auf der Fläche liegen keine Restriktionen.“

Van Meegen sieht das nicht so. Laut dem dazugehörigen Landschaftsplan Kreis Kleve Nr. 7 sei auch die nun eingeplante Fläche gekennzeichnet mit „Erhaltung einer mit naturnahen Lebensraum oder sonstigen natürlichen Landschaftselementen reich oder vielfältig ausgestalteten Landschaft“. Als Maßnahme sei schwerpunktmäßig die „Erhaltung der vielfältig gegliederten Landschaft in der Auenniederung des Rheins“ vorgesehen. Noch höheren Schutz genieße die angrenzende Fläche am Voltaireweg, sie sei als Schutzgebiet „Rheinaue Galleien/Moyland“ ausgewiesen. Henseler entgegnete van Meegen daraufhin, der Kreis habe aber „kein Problem, den Plan für diese kleine Fläche anzupassen.“

Unabhängig von den vorgebrachten Landschaftsschutzgründen steht die Frage im Raum, ob der Umwidmung der Fläche nicht auch ein anderer Aspekt im Weg steht, wie Ortskenner anfügen. Mit dem Waldmannspfad ist die Ackerfläche abgegrenzt von bebauten Flächen und liege außerhalb des Siedlungsbereiches. Dann könnte kein Gewerbe errichtet werden.