„Koepp, eine Quelle der Lokalgeschichte“

>> Thema Archiv..  Ich bin empört! Wird die Bewahrung und Veröffentlichung historischen Wissens in Goch so gering geschätzt? Seitdem ich im Jahr 2000 nach Goch zog, musste ich als Geschichtslehrerin miterleben, wie stiefmütterlich das Thema in dieser Stadt behandelt wird. Im Museum verschwand nach einiger Zeit die Dauerausstellung zur Gocher Stadtgeschichte. Das Fünf-Ringe-Haus wurde nicht lange nach der Eröffnung wieder geschlossen. Irgendwann verschwanden auch die lokalgeschichtlichen Periodika aus der Bücherei. Die Vermittlung von Lokalgeschichte im Geschichtsunterricht wurde dadurch immer schwieriger.

Die einzigen Lichtblicke waren die hervorragenden Vorträge und Veröffentlichungen des Stadtarchivars Hans-Joachim Koepp. Ein Vortrag von Herrn Koepp über die „Gocher Juden“ führte dazu, dass ich ins Archiv ging, um mehr über dieses Thema herauszufinden. Nur durch die intensive, hoch qualifizierte Betreuung und die umfangreichen Kenntnisse von Herrn Koepp ist es mir im Laufe der Jahre gelungen, dieses Thema weiter zu erforschen und mit Schülerinnen und Schülern im Internet zu präsentieren. Ohne seine Unterstützung wäre das „Schulprojekt Gocher Juden“ und damit auch das Projekt „Stolpersteine in Goch“ undenkbar gewesen.

Eine Quelle des Wissens im Bereich der Lokalgeschichte versiegt nun. Wie sollen diese Projekte ohne diese fachkundige, engagierte Unterstützung weitergeführt werden? Keine noch so motivierte Mitarbeiterin kann von heute auf morgen das Wissen bereithalten, das z.B. für meine Forschungsarbeit im Archiv notwendig ist.

In einem Zeitungsartikel bemerkte Dr. Mann kürzlich, dass es wichtig sei, „... kulturelles Erbe zu bewahren – wenn wir das aufgeben, geben wir unsere eigenen Wurzel auf.“ Müssen wir uns in Goch nicht auch mit den Wurzeln unserer Geschichte beschäftigen können oder spielen in dieser Stadt nur kulturelle Wurzeln aus dem Bereich Musik und Kunst eine Rolle?

Ruth Warrener, Goch