Klever Köhlerei ist jetzt Kulturerbe

Wilhelm Papen und Herbert Nowak bei der Arbeit: Holz wird aufgeschichtet, mit Erde, Moos, Asche überdeckt, der Meiler angezündet. Durch die Glut im Inneren entsteht Holzkohle, bis zu 400 Säcke pro Meiler.
Wilhelm Papen und Herbert Nowak bei der Arbeit: Holz wird aufgeschichtet, mit Erde, Moos, Asche überdeckt, der Meiler angezündet. Durch die Glut im Inneren entsteht Holzkohle, bis zu 400 Säcke pro Meiler.
Foto: eve
Was wir bereits wissen
Das Handwerk wurde ins deutsche Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen, unterstützt von den Köhlern aus Reichswalde.

Reichswalde..  Sie sind die letzten ihrer Art – und das ganz freiwillig. Wilhelm Papen und Herbert Nowak sind die beiden einzigen Köhler im Kleverland. „Für uns ist das Handwerk ein Ehrenamt, ein Hobby“, sagt Wilhelm Papen. Der letzte gewerbsmäßige Köhler hat in den 1990er Jahren im Raum Geldern die Meiler ruhen lassen. „Seitdem sind wir die einzigen hier“, meint Papen.

Die Köhlerei – ein Handwerk, das vom Aussterben bedroht ist? „Man muss es gut schützen und bewahren. Darum haben wir beschlossen, etwas zu unternehmen“, sagt Wilhelm Papen. Mit dem Präsidenten des Europäischen Köhlervereins, Karl-Josef Tielke, habe man daher den Entschluss gefasst, sich an das Innenministerium zu wenden. „Wir wollten in das deutsche Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen werden“, erzählt Papen.

Und tatsächlich: Die Bewerbung, die federführend von Sachsen als Sitz des Europäischen Köhlerbundes angeführt wurde, entwickelte sich zum durchschlagenden Erfolg. „Jetzt sind wir eine von 27 Gruppen, die aufgenommen wurden“, freut sich der Klever Köhler.

Mitte Dezember bestätigte die Kultusministerkonferenz die Auswahl der Traditionen und Wissensformen als immaterielle Kulturerbe. „Das bundesweite Verzeichnis ist ein Spiegelbild der kulturellen Vielfalt in Deutschland. Und es macht gleichzeitig deutlich, mit welchem großartigen Engagement die Zivilgesellschaft traditionelle kulturelle Bräuche und Techniken bis heute pflegt“, betont Sylvia Löhrmann, NRW-Bildungsministerin und Präsidentin der Kultusministerkonferenz.

Das Köhlerhandwerk, übrigens gleichzeitig mit der Teerschwelerei aufgenommen, befindet sich auf der Liste in prominenter Gesellschaft. Ebenfalls ausgezeichnet worden sind unter anderem die Deutsche Brotkultur, Orgelmusik, die Deutsche Theater- und Orchesterlandschaft sowie der Rheinische Karneval mit all seinen lokalen Varianten. „Das macht einen natürlich um so mehr stolz“, meint Wilhelm Papen.

Alle zwei Jahre schichten er und Herbert Nowak einen Meiler in Reichswalde auf. Das dazu gehörige Meilerfest ist längst über die Grenzen des Kleverlands hinaus bekannt. Im vergangenen Jahr stand Ministerpräsidentin Hannelore Kraft persönlich Patin, im kommenden Jahr wird das Bürgermeister Theo Brauer übernehmen. „Weil es das letzte Mal für ihn als Bürgermeister ist“, sagt Papen.

Rund um die Uhr bewachen

Aus dem 20 Raummeter großen Meiler gewinnen der Forstwirt und der Schreiner bis zu 400 Säcke Kohle. „Das geht aber nur, weil wir ihn fünf bis sechs Tage rund um die Uhr bewachen“, sagt Papen. Dabei schichten die Köhler Holz und entzünden es, um es anschließend mit Erde, Gras und Moos oder Asche luftdicht zu verschließen. Die Hitze im Innern des Meilers lässt das Holz dann langsam zu Kohle werden. „Jeder Meiler ist anders, wenn er schwelt. Das macht das Handwerk auch so spannend“, erzählt der Köhler.

Auch im Reichswald, dem Siedler nach dem Zweiten Weltkrieg das Örtchen Reichswalde abgerungen haben, wurde lange Holzkohle gewonnen. „Bis 1920 gab es noch Meiler im Reichswald“, erklärt Wilhelm Papen. Mit Aufkommen der Steinkohle im Ruhrgebiet seien die dann aber „eingeschlafen“. Heute noch erinnert der Köhlerweg in Reichswalde an die Tradition. Wie alt das Handwerk am Niederrhein ist, haben nicht zuletzt archäologische Funde gezeigt. „Die älteste Kohle, die man am Niederrhein gefunden hat, kommt aus dem Raum Weeze. Sie ist 3200 Jahre alt“, sagt Papen.

Einer der Höhepunkte war für ihn in seinem Köhlerleben das Treffen mit Bundespräsident Joachim Gauck im Klever Kurhaus. Er ging natürlich stilecht in Köhler-Kluft mit rotem Halstuch, schwarzer Weste mit den acht roten Knöpfen dorthin.

Das nächste Ziel hat Papen indes schon anvisiert. „Jetzt wollen wir auch als Unesco-Weltkulturerbe aufgenommen werden“, sagt er.