Klever Klosteranlage ist älter als gedacht

Die freigelegte Latrine unter dem heutigen Rathausneubau.
Die freigelegte Latrine unter dem heutigen Rathausneubau.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Archäologe Jens Wroblewski beweist, dass die Steine am Rathaus aus dem 13. Jahrhundert stammen – und damit 200 Jahre älter sind als bislang angenommen

Kleve..  „Wir hatten mit weniger gerechnet“, sagt Jens Wroblewski. Der Archäologe hat offenbar eine Schwäche für die Untertreibung. Denn das, was er im Kulturausschuss der Stadt Kleve vorgestellt hatte, hat viele Anwesende schlicht begeistert. Worblewski stellte die Ergebisse der Ausgrabungen im Baufeld des Rathausneubaus vor und konnte en passant mitteilen, dass die Baureste des Minoritenklosters mindestens 200 Jahre älter sind, als bislang angenommen. Das Kloster zeichnete sich damals zudem durch einen doppelgeschossigen Kreuzgang aus: „Dies haben wir für den Niederrhein und die Niederlande bislang so noch nirgendwo nachweisen können“, sagte Wroblewski. Vermutlich hätten die Minoriten diesen Baustil direkt aus Italien importiert.

Steine wurden datiert

Die Grabungen am Rathaus haben ergeben, dass die ältesten Steine um 1300 verbaut worden sein müssen, vielleicht auch eher. Bislang waren die ältesten Funde für das Minoritenkloster für das 15. Jahrhundert datiert worden. Wroblewski kann anhand der Steinformate und der Tonschichten die Datierung eingrenzen: „Das ist das erste Mal, dass wir diesen Nachweis für 1300 führen konnten“, so Wroblewski im Gespräch mit der NRZ. „Die Anlage, in der sich das Kloster festigte, wurde demzufolge nicht erst im 15. Jahrhundert gebaut.“ Sowohl der Keller als auch das Erdgeschoss wurden im 13. Jahrhundert in einem Bauabschnitt fertig gestellt. „Das lässt sich anhand des Mörtels nachweisen“, so Wroblewski.

Der Archäologe konnte auch erstmals empirisch nachweisen, dass die existierenden Pläne des Klosters korrekt sind. Es gibt einen Plan aus dem Jahr 1923, der allerdings zum Teil ergänzt worden sei, ohne dafür die erfordlichen Nachweise gefunden zu haben. Jetzt kann Wroblinski gesichert sagen: „Der Plan ist korrekt.“

Doppelgeschossiger Kreuzgang

Im Erdreich wurden zwei Toilettenanlagen freigelegt. Eine Latrine aus dem 15. Jahrhundert und eine Toilettenanlage aus dem ausgehenden 14. Jahrhundert. „Bis 1400 muss sie genutzt worden sein“, sagte Wroblewski. Die Fundstücke, die man in den Latrinen gemacht habe – unter anderem Töpfe und Lederschuhe – werden nun vom Landschaftsverband restauriert und der Stadt Kleve als Ausstellungstücke zur Verfügung gestellt.

Wirklich erstaunlich sind die Funde, die Wroblewski im Altbau des Rathauses gemacht hat. Das ehemalige Kloster hatte einen doppelgeschossigen Kreuzgang. Der ehemalige Treppentrum aus 1300 wurde später in die Klosterkirche um 1500 integriert. „Einen doppelgeschossigen Kreuzgang finden wir am Niederrhein und in den Niederlanden nirgends. Es ist davon auszugehen, dass die Minoriten, die um 1270 aus Italien nach Kleve kamen, diese Idee mitgenommen haben“, so Wroblewski. Weitere Forschungen müssten zeigen, ob es ähnliche Funde in der Region gebe.