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Musik

„Klever Horn“ und Rock’n’Roll

05.06.2011 | 15:48 Uhr
„Klever Horn“ und Rock’n’Roll
Die Band Funkaroma beim Sommer-Open-Air im Klever Forstgarten. Foto: Johannes Kruck / WAZ FotoPool

Kleve.Sechs Coverbands rockten gleich an zwei Tagen den Klever Tiergarten. Es war die neunte Ausgabe des „Sommer Open Air“.

Windstille. Sonne, absteigend. Cocktailverzehr, ansteigend. Lautstärke anschwellend. Unter dem den gesamten Bereich vor der Konzertmuschel überspannenden Zeltdach im Forstgarten verbreitete die Abendwärme auch am zweiten Tag der neunten Ausgabe des „Sommer Open Air“ die richtige Atmosphäre für ein anfangs zurückhaltendes Publikum diverser Altersgruppen. Wurden am Freitagabend etwa siebenhundert Besucher gezählt, waren es zur besten Zeit am Samstag etwa eintausend, die neben der Musik den heißen Würstchen und kalten Getränken zusprachen.

„Gute Resonanz
ist fantastisch“

Neben diversen Cocktailvariationen versprach das „Klever Horn“ leiblichen Wohlgenuss: „kristallklares Bier mit feinem Sanddornlikör auf Eis“. Tim Verfondern vom Veranstalter Soundbox Music war mit beiden Festivaltagen höchst zufrieden. „Die gute Resonanz ist fantastisch. Im Forstgarten können wir alle Leute unterbringen, die Bands bestreiten einen kompletten Auftritt. Besonders der familiäre Charakter des Festivals belebt die Veranstaltung. Von sieben bis siebzig sind alle Altersgruppen vertreten. Sie erleben hohe musikalische Qualitäten in einer herrlichen Atmosphäre.“

Am Freitagabend standen Chameleon, Funkaroma und Skip Direction im Fokus des Interesses. Einen Tag später belebten saftig-harter Elektrobeat und schwebender Keyboardsound von „12Inch“ aus Krefeld die gut gefüllte Arena.

Nicht nur
Gitarrenbands

Neu beim „Cover-Band-Event am Niederrhein“ war die musikalische Ausrichtung des Programms, das nicht nur aus Gitarrenbands mit Gesangsunterstützung bestand. Erstmals stand mit den Krefeldern ein Quartett auf der Bühne, das tanzbaren Elektropop der Achtziger mit zwei Keyboards und einem elektro-akustischen Schlagzeug spielte. Songs von Depeche Mode, Soft Cell, Talk Talk und Tears For Fears begeisterten das Publikum.

„Cuba 1965“ stand in breiter Schrift auf dem roten T-Shirt von Keyboarder Gunnar Braun von „Al Gusto“ aus Straelen, der zweiten Band des Samstags. War in dem Jahr nicht auf Kuba die Schweinebuchtinvasion der Amerikaner gewaltig in die Hose gegangen? Jedenfalls konnte die Band ohne politische Anspielungen überzeugen, hatte sie doch mit Sängerin Anika Rademacher (ohne „DSDS“-Vergangenheit) und Sänger Guido Steegers (ausgezeichnete Joe-Cocker-Imitation) zwei hervorragende Stimmakrobaten in der Mannschaft. Fast perfekt kopierte „Al Gusto“ den Yes-Song „Owner Of A Lonely Heart“ sowie „Proud Mary“ in der Ike und Tina Turner-Version.

In der heraufziehenden Dunkelheit schob sich eine Wand aus Sound in den Abendhimmel - die licht- und dezibelstarke Rock-Klassik-Band „Second Edition“ aus dem Südkreis. Schon „Jump“ von Eddie Van Halen deutete einen Sprung in höhere Dimensionen an. Leider hatte die Band bei der Songauswahl kein glückliches Händchen, wirkte etwas unstrukturiert und spielte öfter gegen den Zuschauerwunsch nach Partymusik an. Waren die Klever endlich, bei „It’s My Life“ von Bon Jovi, wach geküsst und das Eis gebrochen, fror der Rock’n’Roll-See bei den Balladensongs wieder etwas zu.

Unter dem Bilanzstrich aber steht eine erfolgreiche Veranstaltung, die im nächsten Jahr zehn Jahre alt wird.

Klaus Hübner

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