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Bürgermeister Theo Brauer nimmt Stellung

Klare Tendenz für Gesamtschule

04.12.2009 | 17:35 Uhr

Kleve. Ein Maßnahmenpaket will Kleves Bürgermeister Theo Brauer in der nächsten Ratssitzung am 16. Dezember der Politik zur Abstimmung vorlegen: wie Kleve mit dem Thema Gesamtschul-Gründung umgehen könne. „Da werden Sie sich wundern”, kündigt Brauer im Interview mit der NRZ an.

Er verrät der NRZ schon Inhalte. Fünf Schritte schlägt er vor. Der erste war die Elternumfrage. 2. Abfrage der Nachbarkommunen nach deren Interesse – dazu zählt Brauer Kranenburg, aber auch die Gesamtschul-Mittelkreis-Träger Bedburg-Hau und Goch. 3. Fortschreibung des Schulentwicklungsplanes – Festlegen der Zügigkeit (= Parallelklassen) an Schulen, Auswirkung. Die nächsten vier, fünf Jahrgänge seien mit 420 Kindern stabil, antwortet Brauer. 4. Gebäude-Suche – „das wird eine ganz schwierige”. 5. Finanzierungsplanung für Immobilie und Fahrtkosten.

Bürgermeister Theo Brauer: „Ich will mich dafür einsetzen, dass der Bürgerwille umgesetzt werden kann. Ich bin kein großer Anhänger der Gesamtschule, aber auch keiner, der es nicht überdenkt. Ich bin immer offen.”

Einige der fünf Punkte ließen sich parallel klären. Wenn die Nachbarkommunen geantwortet hätten – das könne bis Februar dauern – komme das Thema zurück in den Rat Kleve. Der entscheide, ob ein Antrag an die Bezirksregierung zur Gründung einer Gesamtschule formuliert werde. „Ich bin nicht der Entscheider”, wehrt sich Bürgermeister Theo Brauer. „Ich habe die Pflicht, sachgerecht und neutral zu moderieren”.

Wird sich vor der Landtagswahl am 9. Mai in Kleve schon etwas tun? Theo Brauer: „Egal, wer die Landtagswahl gewinnt, ich bin fest überzeugt, dass Bewegung in die Schullandschaft kommt.”

Brauer beurteilt: „Ich halte die Schullandschaft in Kleve für intakt.” Aber das vorzugeben, „steht mir nicht zu. Man darf sich nicht so wichtig nehmen.” Er blickt zurück auf sein Handeln im „Porsche-Tempo”. Mitte Oktober Urlaub unterbrochen, damit die Initiativ-Anfrage fristgerecht als Antrag den Fraktionen zuging und die Bedarfserhebung anlaufen konnte. Der Rat brachte die Sache direkt auf den Weg.

Nach der Auszählung der Elternumfrage am vorigen Montag habe er das Schulverwaltungsamt angewiesen, die Zahlen nach außen zu geben. Das Fehlen von Stimmen sei technokratisch korrekt als „Scheitern” bewertet worden (wie berichtet). Brauer sieht das aber „als Ermessensentscheidung”. Er sprach darüber am Mittwoch mit dem Verwaltungsvorstand. „Donnerstag früh um acht Uhr habe ich für mich entschieden: Wie würde ich als Vater, als Mensch das sehen?” Ihn beeindrucke die Zahl der Eltern von Grundschülern und Kindergarteneltern, die alle eine „ganz klare Tendenz” für eine Gesamtschule zeigten.

Nach Kontrolle offizielles Endergebnis der Auszählung: 55,45% Elternbeteiligung. Von den Eltern, deren Kind in 2010/11 von der Grundschule zur weiterführenden wechselt, würden 142 ihr Kind zu einer Gesamtschule schicken, 79 zu einer Klever Gymnasium/ Realschule/ Hauptschule. In 2011/12 sind 168 für Gesamtschule, 114 andere. 2012/13: 155 Gesamt-, 100 andere Schule. 2013/14 : 135 Gesamtschule, 97 andere. 2014/15 wären 94 für Gesamtschule, 107 andere. 2015/16: 98 Gesamt-, 96 andere Schule.

 Kommentar

Mit meiner Position schaffe ich mir keine Freunde”, lockt Kleves Bürgermeister Theo Brauer die politische Riege zur Diskussion. Er ist kein Anhänger von Gesamtschulen, aber er ignoriert auch nicht die Meinung von rund 60 Prozent der Fragebogen-Eltern. Das ist vernünftig. Es wird ihm sehr wohl Freunde einbringen. Ihm und seinen Kollegen im Landtag, denen das Thema Bildung um die Ohren fliegt: Studiengebühren, Lehrermangel, Schulkonzepte.

Zudem könnte Kleve Glück haben. Das Ministerium kündigte zwar an, dass es Gesamtschulen nur als Halbtagsschulen (gegen jede pädagogische Erkenntnis) genehmige, weil andere Schulformen vorgehen. Aber Kleve hat ja bereits das Konrad-Adenauer-Gymnasium, Realschule Hoffmannallee und Hauptschule Rindern als laufende oder anlaufende Ganztagsbetriebe. Also könne der Rat – falls er eine vierte Schulform beantragte – es durchaus mit Ganztag versuchen.

Wie Sticheln erscheint es, dass Kleve in Goch und Bedburg-Hau Eltern abwerben will. Konkurrenz, Buhlen um gute Schüler? Bange machen gilt nicht. Klever Eltern allein werden schon ausreichen. Wegen der sinklenden Schülerzahlen wird Kleve nicht um neue Schulkonzepte herum kommen.

Astrid Hoyer-Holderberg

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Klare Tendenz für Gesamtschule
Klare Tendenz für Gesamtschule
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http://www.derwesten.de/staedte/nachrichten-aus-kleve-und-der-region/klare-tendenz-fuer-gesamtschule-id2216539.html
2009-12-04 17:35
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