Kitaplätze langfristiger planen

Kleine Kinder bei der Einweihung des Erweiterungsbaus der Kita Niersstrasse.
Kleine Kinder bei der Einweihung des Erweiterungsbaus der Kita Niersstrasse.
Foto: Kleve
Was wir bereits wissen
Aufgrund der Debatte um mögliche Kita-Platzkündigungen am Gärtnerweg fordert der Jugendamtselternbeirat veränderte Bedarfsprognosen

Goch..  Trotz des Bemühens Bürgermeister Karl-Heinz Ottos, die Ängste von Eltern rund um die Kita Gärtnerweg zu beschwichtigen, schwelt der Konflikt. Der stadtweite Jugendamtselternbeirat JAEB (also die gewählten Vertreter aller Elternbeiräte aller Kitas) meldet sich aktuell zu Wort – sieht anscheinend Möglichkeiten so ein Szenario nicht wieder auftreten zu lassen, durch andere Datenerhebung.

Keine Kündigung ausgesprochen

Dienstag kommt der Jugendhilfeausschuss zu einer Sondersitzung zusammen, um erneut auf der Tagesordnung das angestrebte 180 000-Euro-Anbauvorhaben zu finden, welches der Ausschuss im Herbst ablehnte. Komme der Anbau nicht, könnten nicht alle 84 Kita-Kinder in der Einrichtung bleiben, 18 Über-Dreijährige müssten gekündigt werden, befürchtete der Elternrat des Kindergartens Martin-Franz-Stiftung am Gärtnerweg daraufhin (wir berichteten). Die Furcht ist real. Die Kita ein Thema in Goch, ein aufgeheiztes.

Entwarnung gibt es darum auch noch einmal von Seiten des Bistums Münster, denn die Kita gehört zur Pfarrgemeinde in Goch. „Aktuell können wir mitteilen, dass keine Kündigungen von Betreuungsplätzen ausgesprochen wurden“, stellt Sprecher Martin Wißmann klar.

Ob die Parteien dem Anbau zustimmen können, darauf will sich vor der Sitzung niemand festlegen. CDU-Fraktionschef Karl-Heinz Bremer, SPD-Fraktionschef Klaus-Dieter Nikutowski und BFG-Ratsfrau Maria Beaupoil erklärten auf NRZ-Anfrage, man müsse erst die Bedarfszahlen abwarten. Genau diese würden derzeit erhoben und erstmals eben am kommenden Dienstag präsentiert. Sie sind Grundlage für die Entscheidung, ob Goch überhaupt langfristig ein erweitertes Angebot an Kita-Plätzen benötigt und für den Anbau dann Geld in die Hand nimmt.

Die endgültigen Zahlen (fix gebuchte Plätze je Kita samt gebuchte Stundenzahl) werden aber erst in der darauffolgenden Sitzung im Februar vorliegen. Die Jahresplanung wird je aktuell vom städtischen Jugendamt erhoben. So ist es jedes Jahr (weil sie bis 15. März ans Landesjugendamt zwecks Fördermittel übermittelt werden müssen). Erst im Februar soll auch überhaupt eine Entscheidung getroffen werden. Dienstag dürfen betroffene Eltern wie gewählte Ausschussmitglieder nur mit einem Sachstandsbericht rechnen – zur Gärtnerweg-Kita, zu St. Martinus Pfalzdorf (wo eine zeitlich befristete Notgruppe angedacht ist) und zur Ev. Integrativen Kita.

Entscheiden, ohne Zahlen

Ohne die aktuellen Zahlen hatte Bürgermeister Otto währenddessen auf die verunsicherten Eltern reagiert. Er erklärte im NRZ-Interview zum Jahresanfang, er wolle am zentralen Standort Gärtnerweg eher die Möglichkeit ins Auge fassen, zusätzlich zum angedachten Anbau „ein bis zwei weitere Gruppen“ zu ergänzen. Eine klare Positionierung, er gibt dabei eine langfristig festgelegte Richtung vor – unabhängig von den jährlich ermittelten Anmeldezahlen.

Einen anderen Weg geht der Jugendamtselternbeirat in einem Schreiben an den Ausschuss (welches Dienstag Thema sein wird): die „Erstellung eines, über den Zeitraum von vier Jahren angelegten“ Kindergartenbedarfsplanes wird angeregt. Dieser soll in einer Arbeitsgruppe des Ausschusses gemeinsam mit den Betroffenen – gemeint sind Kita-Einrichtungen wie die Elternseite – erarbeitet werden. Plant man frühzeitig, stadtweit gemeinsam an einem Tisch, führe das zu mehr Sicherheit, erklärt JAEB-Vorsitzender Ralf Haimerl: „Man kann das besser vorausplanen.“

Die aktuelle, sehr außergewöhnliche Situation an der Kita Gärtnerweg hätte sich nicht so zuspitzen müssen, mit einer längeren Planung sei das „Risiko geringer“, dass dem Ausschuss die (zahlenmäßige) Beschlussgrundlage fehlt . „Der aktuelle Plan geht nicht über ein Jahr hinaus. Ansonsten gibt es eine Studie, die bis 2030 geht, an der man sich grob orientieren kann. Aber das sind nur vage Zahlen.“