Kirchen gehen ans Eingemachte

Pfarrer Armin Rosen in der Westkirche.
Pfarrer Armin Rosen in der Westkirche.
Foto: Kleve
Was wir bereits wissen
Die Evangelische Kirchengemeinde Pfalzdorf-Nierswalde prüft, einige ihrer Gebäude aufzugeben – vielleicht auch ein Gotteshaus. Gemeindeversammlung am Sonntag

Kreis Kleve..  Eine Kirchengemeinde, drei Kirchen und großzügige Nebengebäude – wird man das alles noch halten können? Das Presbyterium der Evangelischen Kirchengemeinde Pfalzdorf-Nierswalde prüft, Gebäude, und eben auch Kirchen, aufzugeben. Eine vermutlich sehr spannende Gemeindeversammlung beginnt am kommenden Sonntag, 28. Juni, gleich nach dem 9.30-Uhr-Gottesdienst in der Westkirche Pfalzdorf gegen 10.30 Uhr.

Emotionale Bindung

„Da geht es um Tradition und emotionale Bindung“, weiß Pfarrer Armin Rosen. Dem Presbyterium als Leitungsgremium der Gemeinde ist wichtig, „die Gemeinde mit ins Boot zu holen, bevor es diese wegweisende Entscheidung irgendwann zu treffen hat“, sagt Rosen im Gespräch mit der NRZ. „Noch herrscht Ratlosigkeit, wo wir handeln müssen. Was wir auch immer tun, wir machen es schrittweise. Aber absehbar ist, dass wir etwas tun müssen.“

Fest steht, dass die Einnahmen die Ausgaben nicht mehr decken. Gebäude kosten. „Das Erbe frisst uns die Haare vom Kopf,“ sagt Armin Rosen.

Vor eineinhalb Jahren kam die Gemeinde überein, das Pfälzerheim sanieren und erweitern zu wollen. Das findet der Kreissynodalvorstand nicht klug. Im vorigen Jahr schloss die Doppelgemeinde Pfalzdorf-Nierswalde mit einem leichten Minus von 16 000 Euro. „Nicht so dramatisch, aber die Rücklagen sind schnell aufgebraucht“, weiß Pfarrer Rosen. Auch die fünf Prozent höheren Steuereinnahmen im vorigen und wohl auch diesem Jahr finden mal ein Ende. „Wir produzieren nichts, wir geben nur aus“, so der Seelsorger. Und Verbrauchskosten – etwa Heizöl – steigen.

Das Presbyterium hatte einen Architekten zur Strukturanalyse durch die Gemeinde geschickt. Bei Wünschen zur Sanierung des Pfälzerheims, das mal eine Grundschule war, und zu dem auch Schulhof und Spielplatz gehören, „driften Plan und Realität auseinander“, sagt Rosen. Wenn man da renoviere, müsse man „fast alles andere aufgeben“. Beide Pfalzdorfer Kirchen stehen unter Denkmalschutz.

Die Ostkirche Pfalzdorf – alte lutherische Kirche von 1779 – wurde seit 2006 nicht mehr als Gotteshaus benutzt. Um sie vor dem Verfall zu retten, gründete sich 2010 ein Förderverein. Gemeinsam sorgten er, die Kirchengemeinde mit Kirchensteuermitteln, Ehrenamtliche und Spender für Sanierung von feuchtem und morschen Haus, Turm, Dach. Die Ostkirche ist nun so gut wie fertig saniert. Letzte Zuschüsse für die Fassade sind beantragt. Daneben die Leichenhalle aus den 60er Jahren wird heute noch ein bis zwei Mal pro Jahr benutzt, so der Pfarrer.

Auch an der Westkirche, Baujahr 1772, sind nur Kleinigkeiten nötig. Das Hauptgebäude und der sechsgeschossige Turm wurden regelmäßig renoviert, das Dach des Hauses zuletzt 2006.

Die evangelische Kirche in Nierswalde wurde in den 50er Jahren mit 150 Sitzplätzen errichtet. Hier wären bald die Sanierung von Fassade und Dach fällig, was sechsstellig werden könnte. Sie steht noch nicht unter Denkmalschutz, was aber jederzeit kommen könnte. „Das Land NRW hat sich aus der Denkmalförderung zurück gezogen“, bedauert Rosen.

Dabei verfügt die Kirchengemeinde mit ihren drei Standorten über 1524 Quadratmeter Fläche an den schönsten Ecken (Aufwand je Quadratmeter um 50 Euro bis in gemeidnehaus 90 Euro im Jahr ).

Rosen: „Überall dasselbe. Peu a peu droht der Kahlschlag.“ Bundesweit, außer in den nach der Wiedervereinigung durchsanierten östlichen Bundesländern. „Die Wahrscheinlichkeit ist wirklich sehr hoch, dass einige Kirchen weg fallen“, mahnt Rosen. Auch das katholische Bistum Münster ließ Kirchen abreißen, beispielsweise in Materborn. An manchen Orten sind Kultur-/Konzertsäle, Ateliers oder Restaurants in ehemaligen Gotteshäusern entstanden.

Das Finanzierungsproblem wird durch die neue doppelte, kaufmännische Buchführung in den Kirchenkreisen nun deutlicher bezifferbar. Mit belegbaren Zahlen für Pfalzdorf-Nierswalde allerdings erst Mitte 2016.

An Ausgaben hat die Kirchengemeinde neben der Diakonie, die allgemeine Gemeindearbeit vor allem die Gebäudeunterhaltung und die Personalkosten für Pfarrer, Gemeindesekretärin, Küster, Raumpflegerin. Zur Versammlung Sonntag werden Gäste aus der Verwaltung des Kirchenkreises erwartet. Gesucht wird nach Ideen, Perspektiven und auch besseren Einnahmenquellen.