Keppelner gurgeln Queekenwasser

Das Queekenballett beim Gardetanz auf der Sitzung der Keppelner Karnevalsgesellschaft Queekespiere 1949.
Das Queekenballett beim Gardetanz auf der Sitzung der Keppelner Karnevalsgesellschaft Queekespiere 1949.
Foto: privat
Was wir bereits wissen
Narrenhochburg Dorfschule bot lokalen Sitzungskarneval vom Feinsten. Im 66. Jahr des Bestehens der Karnevalsgesellschaft Queekespiere 1949 erstürmte viel Nachwuchs die Bühne

Keppeln..  Der klassische Sitzungskarneval stirbt so schnell am Niederrhein nicht aus. Und bestimmt nicht in Keppeln. Schon gar nicht im 66. Jahr des Bestehens der Karnevalsgesellschaft Queekespiere 1949. Es gibt auch keinen Grund im gecken Dorf am Stein so etwas zu befürchten, denn Nachwuchssorgen haben im Queekendorf offensichtlich nichts zu suchen. Das bewiesen im straffen Programm mit 18 Acts und ohne Pause einmal mehr die Aktiven bei der zweiten Abendsitzung.

Die Jüngste ließ dabei auch gestandene Profis blass aussehen: Josefine (Fine) Bremers, neun Jahre jung und bereits ganz die Tochter ihrer prominenten Mutter Steffie Neu. Schlagfertig, voller Witz, völlig ungezwungen und ohne die geringste Scheu vor Texthängern, Publikum oder Rampenlicht setzte sie ihr sympathisches Ausrufezeichen hinter die Queekenzukunft. Steffie Neu selbst tat es ihr nach mit der Bütt als Gartenthor, witzig, klug und voller Respekt für den verstorbenen Queekenmitgründer Hein Ries.

Premiere feierte der zwölfjährige Finn Baumann mit seinem Scooter, der die neue Freizeitstätte an der Hohen Mühle und den Schulalltag aufs Korn nahm. Er beherrschte sämtliche Texte auswendig und empfahl sich locker agierend ebenfalls für vielversprechende künftige Bütt-Highlights. Die altbewährten Queekenstars taten ihr Übriges, um die Sitzung in der Dorfschule zum Ereignis werden zu lassen. So die „3 üt de Gemend“ (Rainer Wessels, Ralf Kerkmann und Klaus Görtz), die „Zwei Junggesellen“ (Marco und Lukas Aymanns ) sowie „Die Schützenkönigin“ (Achim Verrieth). Letztere(r) suchte als Anneliese ihren Prinzen auf der Schützenwiese, besser gesagt im Publikum, das stimmungsvoll den Abend hoch leben ließ. Im Zuschauer Thomas und später auch Uli fand sie gleich zwei Recken, die sich der Schönen im Rosakleid annahmen. Anneliese angesichts der üppigen Herrenauswahl: „Da kriegste ja Schmetterlinge in den Eierstöcken und Flugzeuge im Geburtskanal“.

Last not least brachten die kostümtechnisch und choreografisch wieder auf hohem Niveau agierenden Queekentänzerinnen der drei Tanzgruppen ausgelassene Mitklatschstimmung in die Begegnungsstätte zur Dorfschule. Und die Play-Back-Show überzeugte durch engagiert agierende Sänger – Rock, Schlager und mehr gehörte zu ihrem Repertoire.

Übriges: Action kam mehrmals auf. Nicht nur beim Besuch des Gocher Prinzenpaares oder der Reitergarde, sondern auch bei den coolen Landstreichlern, die als Transformer in sagenhaften Kostümen Furore machten. Die Elferratsfrauen bewiesen kurzweilig und rhythmussicher Fantasie zu heißen Trommeltönen. Klassisch ruhig ging‘s musikalisch bei Melissa Könen zu, die dafür mit akrobatischer Höchstleistung die tänzerische Königsdisziplin eines Solomariechens präsentierte.

Eine witzige Laudatio auf die 66-Queekenjahre hielt Pfarrer Alois van Doornick, der 66 Sätze mit den Buchstaben KGQ (Karnevalsgesellschaft Queekespiere) vortrug. So auch den Satz: „Keppelner gurgeln Queekenwasser. Ich hatte gerade selbst so einen Grünen“, gab er zu. Bleibt zu hoffen, dass der Satz „Keppelner gedeihen Queekenartig“ der Karnevalsgesellschaft auch weitere 66 Jahre Narrenfutter gibt.