„Keine Summe aus der Portokasse“

Bedburg-Hau/Louisendorf..  Kein Schlafdorf sei Louisendorf, betonte der Vorsitzende der Vereinsgemeinschaft Louisendorf Josef Jörisen bei der feierlichen Wiedereröffnung des Jakob-Imig-Archivs. „Wir sind aktiv und haben die Entwicklung und Gestaltung unseres Dorfes in den letzten 30 Jahren in die eigenen Hände genommen.“ Davon zeugen zahlreiche Ausstellungen, Aktionstage, die lebendigen zwölf Vereine, die dreizehnmalige Teilnahme am Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ - und nun auch die erfolgreiche Sanierung der Kellerräume des Jakob-Imig-Archivs.

Ehemalige Schule

Das ist in der ehemaligen Schule, dem heutigen Dorfgemeinschaftshaus untergebracht. Weit über 1000 Archivalien lagern hier, die sich mit der Geschichte des Pfälzerdorfs befassen. „1741 fanden sich hier pfälzische Siedler wieder, die auf dem Weg ins freie Land Amerika waren“, erinnerte Ortsvorsteher Jürgen Graven an die Anfänge des Dorfes. Das ist schon von der Anlage her einzigartig in Deutschland, und in Europa gibt es einen vergleichbaren Ortsplan nur noch ein einziges Mal, in Ungarn. Und noch eine Eigenschaft macht Louisendorf so besonders: der Dialekt. „Sogar Mitglieder der Gesellschaft für bedrohte Sprachen haben schon Interesse gezeigt“, wusste Armin Huber, Regionalbotschafter der NRW-Stiftung.

Die Stiftung hat die 60000 Euro teuren Umbaumaßnahmen mit 30000 Euro gefördert. „Das ist auch für uns keine Summe aus der Portokasse“, betonte Huber. Ausschlaggebend sei auch die Faszination, die von Sammlungen wie in Louisendorf ausgehe. „Hier wird die Geschichte unserer Vorfahren lebendig“, so der ehemalige Leiter des Amtes für Agrarordnung in Düsseldorf.

Nötig wurde die Erweiterung des Archivs, weil dieses sich nicht länger auf die Sammlung des Mundartdichters und Heimatforschers Jakob Imig beschränkte. Mit den zahlreichen Unterlagen, die Werner Weber aus Solingen zur Geschichte der 586 Siedlerfamilien zusammengetragen hatte, wuchs das Archiv beträchtlich an.

Inzwischen kommen viele Materialien aus privaten Nachlässen dazu, die für die Nachwelt von Interesse sein könnten. Teilweise waren die Unterlagen aus Platzmangel in Privathaushalten untergestellt - natürlich ein untragbarer Zustand.

„Hier wird ein Kapitel der Pfälzer am Niederrhein mit einem Meilenstein versehen“, freute sich Graven nun mit den zahlreichen Louisendorfern, die zur Einweihung gekommen waren.

In die Zukunft gehen

Und Bürgermeister Peter Driessen ergänzte: „Das ist der Schluss-Stein in einer Brücke, die in die Zukunft geht.“ Am Sonntag von 10.30 Uhr bis 16 Uhr kann man das Archiv im Rahmen eines „Tags der offenen Tür“ besichtigen und so einiges zur Geschichte der Pfälzer am Niederrhein erfahren.