Keine Kita-Prognosemöglichkeit

Eine sechste Gruppe könnte im Notfall an der integrativen Evangelischen Kita an der Niersstraße entstehen.
Eine sechste Gruppe könnte im Notfall an der integrativen Evangelischen Kita an der Niersstraße entstehen.
Foto: Anne Wohland
Kann man das nicht vorher wissen, fragten sich Gocher Lokalpolitiker angesichts der Entwicklung der Kita-Zahlen. Nein, sagt der Bürgermeister – und plant voraus

Goch..  Eine Kita-Pflicht gibt es nicht. Es sind die Eltern, die entscheiden, ob und wann sie ihr Kind zur Betreuung geben (anders als bei der Schulpflicht). So wisse man vorab nicht wie viele Kinder eines Jahrgangs wirklich einen Platz haben möchten. Dieser Argumentationskette machte Gochs Bürgermeister Karl-Heinz Otto letzte Woche im Jugendhilfeausschuss auf. Dennoch, so Otto, „ist auch der Anmeldestand nicht ganz überraschend.“ Immerhin zeigte eine seit 2011 vorliegende Studie (die bis 2030 die Kita-Situation prognostiziert), dass gerade im U3-Bereich ein großer Anmeldeanstieg zu erwarten ist (wir berichteten).

Keine „Puffer“-Plätze

Die Tendenz fürs Kita-Jahr ab August: Es fehlen in den 15 Gocher Kitas 100 Plätze für Ü3-Kinder und 100 Plätze mehr für U3-Kinder. Darin enthalten sind nicht die nötigen (Puffer-)Plätze für: Neubürgerkinder, Flüchtlingskinder oder Kinder die ihren Platz verlieren, weil eine Genehmigung ausläuft (Gärtnerweg).

„Im Moment zieht jede Woche jemand mit einem Kind zu“, ergänzt allerdings Heike Kraemer vom städtischen Jugendamt die Zahlen und verdeutlicht, dass man eigentlich einen Puffer bräuchte. Auch Grünen-Fraktionschefin Hilde Fielenbach-Hensel sieht einen Puffer als notwendig aokn: „Ich habe mich schon gewundert, dass ich seit dem letztem Jahr eigentlich keine Kita-Plätze mehr für Flüchtlingskinder bekomme.“ Die Flüchtlingsaktivistin kritisiert den Zustand („Ich dachte, das sei alles dem Ausbau der U3-Plätze geschuldet“) und den Informationsfluss: „Mir war bewusst, das was fehlt. Aber dieses Ausmaß hätte ich nie gedacht. Ich denke schon, dass wir das Mitte des Jahres hätten wissen müssen.“

Darauf reagierte Otto recht heftig mit dem Satz: „Wir sind ja keine Hellseher.“ Wie viele Anmeldungen eingehen, „das weiß vorher keiner. Doch die Tendenz ist bekannt.“ Und die kannte Goch seit der Erstellung der Studie. Vorsorglich hätte man handeln müssen, nur – und das blieb unausgesprochen – wohl eben nicht können. Denn für Puffer-Plätze braucht es Geld. Will man für mehr Kinder fertige Kita-Räume vorhalten (also Platz in bestehenden Kitas, die eh schon eng arbeiten), muss man (an-)bauen. Die Zahlen geben es her: Bisher blieben die Anmeldezahlen recht konstant (siehe Box) – doch die Anzahl der eigentlichen Plätze eben nicht. In den letzten fünf Jahren sank die Zahl des Ü3-Angebots stadtweit um 110 Plätze, erklärt Kraemer, eben weil die U3-Platzanzahl von 74 auf 148 verdoppelt wurde: „Die Kitas haben aber nicht mehr Gruppen geschaffen.“ Gruppen wurden umgewandelt. Plätze für Ältere verschwanden. Und das war bekannt.

Mögliche 6. neue Kita-Gruppe

Sollten alle Lösungsansätze nicht ausreichen (weil die gemeldeten 100 Zusatz-Ü3-Plätze und U3-Plätze eingefordert werden) hat Otto ein letztes Ass im Ärmel: „Wenn der Bedarf wirklich so bleibt, dann könnte noch die Evangelische Kirche eine weitere Gruppe aufmachen.“ Darüber habe man schon miteinander geredet. Das wäre der „gewisse Puffer“, den es noch brauche für eine Versorgung aller.

Zustimmung von den Evangelen, und ein Hoffnungsschimmer? Auch die Vertreter der ev. Gemeinde, Pfarrer Robert Arndt und die Leiterin der integrativen Kita an der Niersstraße Esther Müller, brachten ein finanzielles Anliegen vor: Die Neuregelung der Zuschüsse für Kitakinder mit Handicap führt ab August 2016 zu einer Mehrbelastung der Kita-Finanzen, die man nicht stemmen könne. Der LVR finanziert nicht länger die Kosten einer der fünf Gruppen (weitere zwei zahlt die Kirche, zwei die Stadt). Es gibt den Antrag, dass die Stadt die eine Gruppe (Kosten: ca 20 000 €) ebenfalls finanziert.