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Kriegerdenkmal

Kein Gedenken vor dem Nazi-Denkmal

21.11.2015 | 10:00 Uhr
Kein Gedenken vor dem Nazi-Denkmal
Auf dem Kalkar Kriegerdenkmal wurden ein Inschrift aus Hitlers „Mein Kampf“ entdeckt.Foto: Andreas Gebbink

Kalkar.   Bürgermeisterin Britta Schulz verlegt die Feierlichkeiten zum Totensonntag auf den Soldatenfriedhof

Kalkars neue Bürgermeisterin Britta Schulz möchte am Sonntag keinen Kranz vor dem Kriegerdenkmal zur Ehren der gefallenen Soldaten oder der Opfer des Nationalsozialismus niederlegen. Schulz sagte, dass dies kein Gedenkort für die Opfer des Nationalsozialismus sei. 50 Jahre lang haben die Kalkarer zu Totensonntag einen Kranz vor dem Denkmal niedergelegt. Zu Beginn des Jahres wurde bekannt, dass die rückseitige Inschrift aus Adolf Hitlers „Mein Kampf“ stammt. Darin heißt es: „Mögen Jahrtausende vergehen, man wird nie von Heldentum reden können, ohne des deutschen Soldaten im Weltkrieg zu gedenken.“ Damit möchte sich Britta Schulz nicht identifizieren.

Ihr Beschluss stieß im Rat auf viel Verständnis. Aber es gab auch kritische Nachfragen: „Es ist ein historisches Denkmal. Und die Beschriftung muss man auch in einem historischen Kontext sehen“, sagte FDP-Chef Boris Gulan. Er fragte Schulz: „Haben Sie vor, dieses Mahnmal schleifen zu lassen?“ Schulz betonte, dass es ihr jetzt um die anstehende Gedenkfeier gehen. Was mit dem Kriegerdenkmal geschehen soll, darüber müsse der Rat später entscheiden. Das Kriegerdenkmal wurde 1936 geplant und 1938 errichtet. „Es ist ein faschistisches Denkmal. Punkt“, verdeutlicht Harald Münzner im Gespräch mit der NRZ. Allein der Begriff „Helden“ sei angesichts der Gräueltaten im Zweiten Weltkrieg schon mit großer Vorsicht zu genießen. Die Kalkarer Nationalsozialisten hätten das Denkmal mit großem Pomp eingeweiht.

An den Seiten wurden die Namen gefallener Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg aufgeführt. Darunter befinden sich auch die Namen von vier jüdischen Soldaten. Die Nationalsozialisten hatten dies damals offenbar nicht gewusst. Die Inschrift aus „Mein Kampf“ sei erst nach der Eröffnung 1938 hinzugefügt worden, so Münzner. Dass es sich dabei um einen Schriftzug aus Hitlers Kampfschrift handelt, ist dem Historiker Hans Hesse aufgefallen. Er arbeitet die Erinnerungskultur der Nationalsozialisten auf. Den Kalkarer Bürgern sei dies bis dahin nie bewusst gewesen.

Und jetzt?

Harald Münzner hält die Entscheidung der Bürgermeisterin für richtig: „Denn bei der Gedenkfeier sind ja auch die internationalen Vertreter der Kalkarer Kaserne vertreten. Es ist keinem Soldaten aus Polen oder den Niederlanden zu zumuten, vor diesem Denkmal, mit diesem Wissen, welches wir jetzt haben, einen Kranz niederzulegen“, so Münzner. Als Alternative werden am Sonntag Kränze am jüdischen Denkmal niedergelegt und auf dem Soldatenfriedhof. Treffpunkt ist der Marktplatz um 12 Uhr.

Was mit dem Denkmal im Park geschehen soll, muss die Politik diskutieren. Münzner kündigte an, dass die Verwaltung Vorschläge präsentierten wird. Er sieht bis zu sieben Möglichkeiten. Vom Abriss bis zum Erhalt. Münzner kann sich vorstellen, eine erklärende Tafel anbringen zu lassen, die Hintergründe zu dem Objekt liefert.

Andreas Gebbink

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Kein Gedenken vor dem Nazi-Denkmal
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2015-11-21 10:00
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