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Jüdische Geschichte live

30.03.2011 | 18:34 Uhr
Jüdische Geschichte live

Kellen.„Anne Frank“-Übersetzerin und Autorin Mirjam Pressler las anlässlich der Jüdischen Kulturtage in zwei Klever Schulen

Eigentlich wollte sie dieses Buch gar nicht schreiben. „Eigentlich erschien es mir nicht lohnenswert“, sagt Mirjam Pressler heute über ihr Kinderbuch „Malka Mai“. Genau jene Frau – eine Israelin – hatte ihr vor vielleicht 20 Jahren ein 50-seitiges Buch mit den Lebensgeschichten zweier israelischer Frauen geschickt. Mirjam Pressler wollte mehr von Malka Mai wissen, wollte ihre Erinnerungen aus dem späten Zweiten Weltkrieg aufschreiben, besuchte sie auf Malka Mais Bitte in Israel – doch die Erinnerungen waren weg.

Die Schüler sind
gut vorbereitet

„Sie blieb hartnäckig – und nach zwei Jahren hatte sie mich“, sagt Mirjam Pressler. Herausgekommen ist 2001 ein Kinderbuch, in dem die Eckdaten wahr seien, der Rest aber Fiktion. Und nun stellte sie dieses Buch, dass sie eigentlich gar nicht schreiben wollte, gestern anlässlich der Jüdischen Kulturtage in zwei Klever Schulen vor: der Karl-Kisters-Realschule und dem Stein-Gymnasium.

In der Karl-Kisters-Realschule hatten sich die Klassen 8 und 10 versammelt, um einer echten Autorin zuzuhören. „Die Klasse 8 hat das Buch gerade gelesen“, berichtet Deutschlehrerin Karen Böker. Die Zehner hätten sich an der städtischen Gedenkfeier im Januar an die Opfer des Nationalsozialismus beteiligt und auch alle das Diktatur-kritische Buch „Die Welle“ gelesen. Und nun sitzen sie alle in der Aula der Schule, viele haben „Malka Mai“ auf dem Schoß liegen und hören zu. Da eine gute Stunde Lesezeit zu kurz ist, um die über 300 Seiten vorzulesen, erzählt Mirjam Pressler zu Teilen die Geschichte, dann liest sie wieder, mit ihrer tiefen, ausdrucksvollen Stimme.

Sie liest von dem 16-jährigen polnischen Mädchen Malka Mai, dass von der Mutter 1943 auf der Flucht vor den Deutschen an der Grenze von Polen nach Ungarn zurückgelassen wird, weil es Fieber hat.Doch der Müller, bei dem die Mutter sie zurücklässt, setzt sie aus Angst in der Stadt aus. Von da an schlägt sie sich von selbst durch und bekommt immer mehr vom Massenmord an den Juden mit. Sie lebt in einem Kellerloch im Ghetto, bekommt mit, wie an einem Tag fast alle Juden im Ghetto erschossen werden und am nächsten Tag neue kommen. Sie muss lernen, was es heißt, zu hungern und zu frieren. Und sie hat eine Begegnung mit dem Tod, als sie einen toten Jungen auf der Straße findet.

Die eine Stunde Lesung ist schnell vorbei, die Schüler haben aufmerksam zugehört – und dürfen noch Fragen stellen. „Was ist echt, was erfunden?“, will eine Schülerin wissen. „Echt ist nur das Ghetto, Malkas Schuhe und zwei Jungen, der Rest ist erfunden“, antwortet Mirjam Pressler. „War es schwer, Malka Mai zu schreiben“, fragt ein anderer. „Deshalb habe ich mich ja davor gedrückt“, sagt die Autorin. „Aber jetzt bin ich froh, dass ich angefangen habe!“

Es ist ein spontaner und beherzter Applaus, den Mirjam Pressler von den Schülern am Ende erntet. „Ich fand es aufregend und spannend“, sagt Jule Bosch (14). „Wir wollten mehr über die Juden wissen“, fügt Kasthury Mahendran (13) hinzu. Lena Hartl (14) fand die Geschichte „traurig“: „Es ist schade, dass Malka Mai von den anderen so ausgeschlossen wurde“, findet sie. Und wie fand die Autorin die Schüler der Karl-Kisters-Realschule? „Sehr konzentriert, sehr aufmerksam“, sagt Mirjam Pressler. „Ich lese gerne in der Schule vor und empfinde das auch als Leseförderung für die Kinder.“

Andreas Eichhorn

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