Jubelnde Zuversicht

Das Collegium Musicum und der Projektchor.
Das Collegium Musicum und der Projektchor.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Das Collegium Musicum Kleve und ein Projektchor gestalteten das traditionelle Dreikönigskonzert in der voll besetzten Christus-König-Kirche

Kleve..  Zusammenrücken war angesagt – so viele Besucher waren in die Klever Christus-König-Kirche gekommen, um das Dreikönigskonzert des Collegium Musicum Kleve zu erleben. Ein Besuch, der sich gelohnt hat. Viel Applaus gab es am Ende für die Interpreten, und das nur allzu berechtigt.

Dabei ging es zu Anfang noch etwas mühselig vonstatten. Johann Sebastian Bachs Ouvertüre in C-Dur ist eine Suite aus Tanzsätzen, die, wie der Name schon sagt, von einer Ouvertüre eingeleitet wird. Ein mächtiges Stück Musik, das feierlich wirken soll und zugleich ungezwungen – die Kontrapunktik, die Bach oft wie ein Feuerwerk an den Himmel des Gehörs zaubert, erscheint hier fast beiläufig.

Hervorragende Holzbläser

Die Gefahr: Jede Instrumentenstimme hechtet voran, macht ihr eigenes Tempo, und das große Ganze fliegt auseinander. In den Tanzsätzen fand das Collegium Musicum dann aber sein bekanntes Niveau. Dirigent Johannes Feldmann konnte sogar mit dem Tempo spielen, das Metrum verzögern und anziehen, die verspielte Textur etwa in der Gavotte ausleuchten und mit den Schattierungen zwischen Laut und Leise arbeiten. Sehr gelegen kamen da die hervorragenden Holzbläser. Einerseits sorgten sie für ein schönes klangliches Fundament, andererseits in ihren solistischen Aktionen für atemberaubende Eleganz.

Der Unterschied zwischen Bach und dem mittleren und späten Arvo Pärt begründet sich weniger durch die dazwischen liegenden Jahrhunderte als vielmehr durch eine komplett andere Struktur. Vom Hörer aus gesehen: Bach kann man genießen, auch wenn mal was daneben geht, weil man durchaus Vergnügen an der Idee dieser Musik haben kann, also: wie sie klingen könnte. Arvo Pärts meditative Stücke tarieren Zustände aus – Unaufmerksamkeiten der Interpreten zerstören das feine Klanggespinst unweigerlich. Das macht die Abfolge weniger Töne, aus denen Pärt zum Beispiel das Stück „Summa“ formt, zur Zitterpartie. Feldmann und dem Collegium gelang es, den Zauber hörbar zu machen. Respekt.

Gelungener Jahresauftakt

Aber nicht zurückgezogene Innerlichkeit sollte den Abend beschließen, sondern jubelnde Zuversicht. So ist Vivaldis Gloria zu sehen – ein theatralisches Stück voll unmittelbarer Wirkung. Ein herrlich motivierter Projektchor, darunter zahlreiche Mitglieder der Städtischen Singgemeinde, viele junge Gesichter dabei, riss die Zuhörer am Ende von den Stühlen. Die Sopranistinnen Katharina Borsch mit ihrer klaren und Katharina Georg mit ihrer schönen natürlichen Stimme sorgten dabei für die solistischen Glanzpunkte. Ein schönes Konzert also und ein gelungener musikalischer Jahresauftakt.