Jedes dritte Kind ein Kaiserschnitt

Weitgehend schmerzfrei und terminlich planbar: Dies sind für viele Frauen Gründe, sich für einen Kaiserschnitt zu entscheiden.
Weitgehend schmerzfrei und terminlich planbar: Dies sind für viele Frauen Gründe, sich für einen Kaiserschnitt zu entscheiden.
Foto: dpa
Immer mehr werdende Mütter im Kreis Kleve entscheiden sich dafür, ihr Kind auf operativem Wege zur Welt zu bringen – Experten beobachten dies mit Sorge

Kreis Kleve..  Eine Geburt ist für die meisten werdenden Mütter zwar ein freudiges Ereignis, doch ist das natürliche Gebären für viele Frauen auch mit Angst vor den Schmerzen und der psychischen Belastung verbunden. Wohl auch deshalb entscheiden sich immer mehr Schwangere im Kreis Kleve für einen Kaiserschnitt – eine Entwicklung, die Ärzten und Hebammen Sorgen bereitet, ist ein Kaiserschnitt doch immer eine Operation und sollte nach herrschender Fachmeinung nur durchgeführt werden, wenn eine medizinische Notwendigkeit im Hinblick auf die Gesundheit von Mutter und Kind dazu besteht. 2013 wurden nach Angaben des Statistischen Landesamtes 749 von 2.321 Kindern im Kreis Kleve per Kaiserschnitt geboren – damit entfallen 32 Prozent aller Geburten auf diese Methode.

Individuelle Entscheidung

Mit dieser Zahl liegt der Kreis leicht über dem Bundesdurchschnitt von 31,8 Prozent, doch noch unter dem NRW-Durchschnitt von 33,7 Prozent. Antoni Wallner, Chefarzt des Willibrord-Spitals in Emmerich, beobachtet diese Entwicklung mit Skepsis: „Die Natur hat es nicht umsonst so eingerichtet, dass Kinder durch den Geburtskanal auf die Welt kommen. Natürlich kann man keine Frau zu einer spontanen Geburt zwingen und jede muss das für sich entscheiden, aber ich würde den diesen Weg im Zweifel immer empfehlen – die Natur hat das nicht umsonst so eingerichtet.“

So bereitet sich das Kind im Falle einer spontanen Geburt allmählich auf den Umgebungswechsel vor. Wenn das Kind sich seinen Weg durch den Geburtskanal bahnt, wird das Fruchtwasser durch die Verengung kraftvoll aus den Atemwegen des Kindes katapultiert – dies ist bei einem Kaiserschnitt, nicht der Fall, was beim Kind Atemprobleme verursachen könnte, moniert der Experte. „Die spontane Geburt fördert außerdem die Bindung zwischen Mutter und Kind“, erläutert Wallner.

Gesundheitliche Risiken beim Kaiserschnitt

Susanne Heiden, Leitende Oberärztin der Klinik für Gynäkologie, Geburtshilfe und Senologie im St.-Antonius-Hospital in Kleve, schließt sich der Kritik an: „Ein Kaiserschnitt birgt prinzipiell die allgemeinen Operationsrisiken wie Blutungen, Thrombosen, Infektionen oder Verletzungen von Nachbarorganen. Bei weiteren Geburten per Kaiserschnitt bestehen weitere Risiken, die sich aus vorherigen Kaiserschntten ergeben können: Verwachsungen, Einwachsen der Plazenta in die Gebärmutternarbe mit Blutungen und die Gefahr des Verlustes der Gebärmutter.“ Dennoch beobachtet man auch an ihrem Haus den Trend zum Kaiserschnitt – in den vergangenen drei Jahren lag der Anteil dort bei 30 Prozent der Geburten.

Ursula Claessens-Kozmin von der Hebammenpraxis Rundum führt außerdem mögliche psychische Folgen eines Kaiserschnitts für die Mutter an: „Ich habe im Laufe der Jahre häufig Frauen erlebt, die nach einem Kaiserschnitt unter dem Gefühl litten, die natürliche Geburt nicht geschafft zu haben.“ Heute herrsche jedoch oft ein Wunschdenken unter den Frauen, die Geburt termingenau planen oder gar die eigene Figur zu schonen zu wollen. „Man sollte sich diese Entscheidung reiflich überlegen – auch im Interesse des Kindes“, so die Hebamme.