Jan de Beijer zeichnete den Niederrhein

Jan de Beijer: Burg und Stiftskirche in Kleve von der Mühlenstraße, 1745 der 1746
Jan de Beijer: Burg und Stiftskirche in Kleve von der Mühlenstraße, 1745 der 1746
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Dank Jan de Beijer wissen wir, wie schön die hiesigen Marktplätze, Kirchen und Häuser im 18. Jahrhundert ausgesehen haben

Kleve..  Es ist einiges los auf dem Klever Fischmarkt. An den Marktständen kaufen Frauen ein, in den Hauseingängen stehen Leute und plaudern, eine Dame schreitet vorbei, ein Herr ist stehengeblieben, ein paar Hunde trotten ziellos umher. Im Hintergrund erhebt sich die Schwanenburg. Tatsächlich ist die Burg das einzige, was man heute noch auf dem Bild von 1745 wiedererkennt. Alle anderen Gebäude - Stadttor und Reformierte Kirche eingeschlossen - gibt es längst nicht mehr.

Jan de Beijer hat diese Szene eingefangen. Er hat Stadtansichten von Kleve und vielen anderen Orten gezeichnet, Kirchen wie die in Hanselaer und Marktplätze wie in Grieth. Ihm verdanken wir eine Ahnung davon, wie es in Uedem ausgesehen hat und wie in Xanten. Seine Zeichnungen sind sehr genau, was die architektonischen Gegebenheiten angeht. Wenn man sich einige Zeit mit ihnen beschäftigt und dann wachen Auges durch die Städte spaziert, wie sie sich heute präsentieren, muss man wohl verzweifeln. Heute mögen die Häuser zwar komfortabler sein. Schöner sind sie meist nicht. Aber vielleicht kommt das ja noch - auf dem Klever Minoritenplatz ist bekanntlich noch ein Grundstück frei.

Zurück zu Jan de Beijer. Seine Eltern waren Niederländer, geheiratet haben sie in Straßburg. Zur Welt kam Jan 1703 im schweizerischen Aarau. Von dort gelangte die Familie irgendwie nach Emmerich. Genaues weiß man nicht. Vermutlich war Jans Vater Werbeoffizier für die holländische Armee. Emmerich war fortan Lebensmittelpunkt der de Beijers. Einer seiner Brüder mischte in der Lokalpolitik mit und führte sogar während des Siebenjährigen Krieges im Auftrag der Stadt Verhandlungen mit der französischen Armee.

Viel bekannt ist über Jan de Beijer nicht. Es gibt einige wenige zeitgenössische Quellen. Tagebücher oder dergleichen sind nicht überliefert. Dafür viele seine Zeichnungen. Man kann sie im Frankfurter Städel sehen oder auf Windsor Castle. Jan scheint ab 1722 in Amsterdam beim zwölf Jahre älteren Cornelis Pronk Zeichnen gelernt zu haben. Zahlreiche Reisen führten ihn durch das Gebiet von Kleve bis Lüttich. Viele seiner Zeichnungen erschienen in Büchern. Zum Beispiel in Pieter Langendijks Buch über Kleve von 1747 - man hatte hier gerade die mineralhaltigen Quellen entdeckt und rührte als junger Badeort kräftig die Werbetrommel.

De Beijers Zeichnungen waren schon zu Lebzeiten bei Sammlern gefragt. Er lebte jahrelang in Amsterdam, doch muss er seine letzten Jahre wohl wieder in Emmerich verbracht haben. Denn hier starb der unverheiratete Künstler am 15. Februar 1780. Aber wer war er nun eigentlich? War er verschroben, unterhaltsam, arrogant oder einfühlsam? Seine Zeichnungen geben auf diese Fragen keine Antwort. Sie zeigen das, was die Käufer zu seiner Zeit sehen wollten. Und was wir uns immer noch gerne ansehen. Solange Menschen wissen wollen, wie die Welt früher einmal aussah, so lange wird de Beijer einen festen Platz im kollektiven Gedächtnis haben.