Inspiration im Fluss

Die Künstlerin arbeitet mit grauer Acrylfarbe auf Papier.
Die Künstlerin arbeitet mit grauer Acrylfarbe auf Papier.
Foto: Klaus Dieter Stade
Die Künstlerin Elisabeth Schink zeigt am Wochenende ihre Bilder und Installationen im „Telpost“ Bienen und Kunst am Strom. In ihren Werken beschäftigt sie sich mit der Polarität von Leben und Tod

Kleve..  Wenn Elisabeth Schink in ihrem Atelier aus dem Fenster schaut, blickt sie auf ein beeindruckendes Panorama: Wie eine Kommandozentrale schaut die „Telpost“ am Rheinkilometer 857,7 vom Deich auf den Strom hinunter. Schwere Frachtschiffe ziehen langsam stromaufwärts an den wie bei Bundesbahn-Stellwerken schräg gestellten Fenstern des einstigen Kontroll- und Zählpostens vom niederländischen Reichswasseramt vorbei. Sportboote brausen mit hoch gestelltem Bug Gischt sprühend den Fluss hinunter, ein Kajütboot kreuzt vom Rijn in die Waal.

Hier, wo sich Vater Rhein in Rjin und Waal teilt, wo sich bis 2001 alle Schiffe auf dem Fluss mit Ladung, Besatzung und Ziel anmelden mussten, nachdem sie die Grenze bei Millingen passiert hatten, arbeiten jetzt Künstler. Künstler, die zwölf Tage in diesem Posten am Strom leben – rund um die Uhr.

„Direkt von der Tube aufs Blatt“

„Ich genieße die Ruhe, die Abgeschiedenheit. Und trotzdem bin ich mitten im Leben – immer ziehen draußen Schiffe vorbei“, sagt Elisabeth Schink. Die Klever Künstlerin steht oben im Kontrollposten vor einem weißen Blatt groben Aquarellpapiers, malt darauf mit grauer, pastoser Acrylfarbe. Von der Tube direkt aufs Blatt entstehen zunächst abstrakte Formationen. Gegen eines der schrägen Fenster hat sie ein Bild gelehnt, das am oberen Rand Augen und Beine eines Insektes zeigt, scherenschnittartig und schimmernd, wie zum Landeanflug. Es ist ein Foto, das sie bearbeitet hat. Sie malt auch in Fotoprints hinein, abstrahiert die Insekten. Ein anderes Blatt, das sich noch unter frischer Farbe wellt, zeigt einen pelzigen Bienenkörper.

Schink wird zwölf Tage im „Telpost“ verbracht haben,, wenn sie am kommenden Samstag und Sonntag, 11. und 12. Juli, jeweils von 11 bis 16 Uhr die in dieser Zeit entstandene Kunst zeigen wird. Dann sollen sich die Bilder, die sie gerade mit Acryl malt, die sie zeichnet, mit den Installationen zu einer Ausstellung fügen. Die gelben Netzwerke, die sie zu Bienenwaben zusammengenäht hat, sollen vielleicht draußen am Fluss installiert werden, das weiße Wabenkonstrukt, das noch ziellos an die Wand gelehnt ist, wird dann seinen Platz haben. „Ich gehe eher gefühlsmäßig zu Werke, nicht von einem zuvor erstellten Konzept her“, sagt sie. Zurzeit beschäftigen sie die Gegensätze von Leben und Tod. „Ich möchte die Lebensenergie sichtbar machen, Bienen symbolisieren für mich diese Energie, dieses Leben. Die „Telpost“ erinnert mich an ein Bienenhaus, irgendwie an eine Wabe“, sagt die Künstlerin mit Blick auf den in 45-Grad-Ecken gekanteten Bau auf dem Deich. Hier hat sie bis nicht nur gezeichnet, sondern auch gefilmt: Das schwere Gewitter und eine Drohne, die ferngesteuert den Deich herauf surrte.

Außerdem will Schink die Muße nutzen und mit diversen Materialen experimentieren, mit Beton malen. Das harte, körnige Material auf schönes Papier setzen, die Haptik ausprobieren, die dann entsteht. Damit der Beton nicht sofort herunter krümelt, wird er wie Farbe angesetzt. Am Samstag sind dann die Ergebnisse zu besichtigen.

Die Ausstellungen in dem Kontrollposten werden seit 2010 von der „Stichting Kunst in Millingen“ organisiert. Das Gebäude wird vom niederländischen Reichswasseramt verwaltet. Es ist dort immer noch Technik installiert, die für den Schiffsverkehr und das Wasseramt wichtig sei - wie etwa der Wasserstand des Rheins, der hier gemessen wird, sagt Anja Middelkorb, die Organisatorin der Stiftung Kunst in Millingen.

Nur der Kontrollraum sei nicht mehr nötig, weil die Technik vom nahen Nimwegen aus bedient wird. In Nimwegen müssen sich jetzt auch die Schiffe melden, die den Rhein ’runter kommen und Richtung Waal (Nimwegen) oder Rijn (Arnheim) unterwegs sind, sagt sie. Zehn Künstler lädt Middelkorb im Jahr ein, so in den Sommermonaten der „Telpost“ samstags und sonntags immer geöffnet ist. Dann lohnt der Weg nicht nur um der Aussicht ins weite Land willen. Middelkorb wurde auch gerne mehr deutsche Künstler hier sehen. (www.kunstinmillingen.nl)

Bienen und Boote hat Elisabeth Schink schon in einer älteren Arbeit zusammen gebracht, als sie schwere Betonschiffe in die Erde goss, die die von ihr gesammelten toten Bienen aufnahmen. Im „Telpost“ sind Boote und Beton wieder dabei – als Collage zum Bienenkarussell gefügt.

Elisabeth Schink im Telpost: Samstag, 11. Juli, und Sonntag 12. Juli, 11 bis 16 Uhr, Rijndijk 29, Millingen.