Inne halten in heiligen Hallen

Herbert Nowak
Herbert Nowak
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Herbert Nowak, Forstwirt, „Waldschrat“, Köhler. Seit April ist er im (Un)Ruhestand. Die Köhlergemeinschaft Reichswalde mit Wilhelm Papen ist sein Lebenswerk

Bedburg-Hau..  Das urige Aussehen eines Waldschrats hat er. Fabelwesen, Klabautermann oder Kobold ist Herbert Nowak deswegen aber nicht. Auch wenn seine Freunde ihn immer als Waldschrat betitelt haben. Herbert Nowak ist ein gestandener Mann, man sieht’s ihm an: Er kann zupacken, beobachten, zuhören. Der 62-Jährige lebt mit seiner Familie in Bedburg-Hau und ist mit allen Sinnen präsent, wenn er von „seinem“ Wald, den Wildtieren, vom Holz und der Köhlerei erzählt. Ab kommenden Wochenende steht wieder das Reichwalder Meilerfest auf dem Programm. Vom 23. Mai bis zum 7. Juni dreht sich dann im Krähental 12 in Reichswalde alles um das selten gewordene Köhlerhandwerk, das er mit Leidenschaft und seinem besten Freund Wilhelm Papen gemeinsam ausübt.

Die NRZ durfte einen Blick auf den Menschen hinter dem bärtigen Gesicht werfen. „Schon seit meiner Kindheit lebe ich mit der Natur“, erinnert er sich, „Meine Eltern hatten eine Gärtnerei. Im eisigen Winter 1961 fielen bei uns reihenweise geschwächte Vögel vom Himmel, die wir in die Gewächshäuser brachten. Dort erholten sie sich und überlebten alle.“ Und von da an ließ ihn die Natur nicht mehr los. Mit elf trat er in die Waldjugend ein. Später ging er zu den Schützen und schnupperte auch in die Jägerei hinein. Hauptsächlich mit dem Fotoapparat. „Ich habe jeden Hirsch fotografiert“, erzählt er. Bis es zum Streit unter Grünröcken kam und er seine gesamte Fotoausrüstung seinem Sohn überließ. Michael, 37, machte sich jetzt als Fotograf selbstständig.

1985 bekam der gemischte Chor Eintracht Bedburg-Hau sonore Stimmverstärkung: Herbert Nowak sang und singt heute noch gerne. Immer wieder machte sich der gelernte Gärtner und spätere Forstwirt (seit April im Ruhestand) Nowak auch für die Waldjugend stark. Baute mit ihnen einen der ersten Meiler 1992. Da ist auch sein heutiger Kollege Willi Papen mit dabei – das Köhlerhandwerk hat die Männer bis heute nicht mehr los gelassen. Freunde und Familien tragen das teure und zeitaufwändige Hobby. „Mein Lebenswerk“, wie Nowak verrät. „Ich möchte unbedingt erleben, dass ich einen jungen Menschen soweit kriege, dass ich ihn als Nachfolger für mich ran ziehen kann.“ Ewas Zeit bleibt ihm noch. Schließlich sagt er: „Mit 99 zünde ich meinen letzten Meiler an. Dann ist Schluss.“ Der „Waldschrat“ schaut nachdenklich in die Bäume. Dort ist sein Lieblingsplatz bei den Altwaldbeständen. „Die liebe ich. Das sind Heilige Hallen.“