In der Schuldenfalle

Nach den Angaben von Creditreform hat die Gruppe der über 70-Jährigen in der Schuldnerstatistik des Kreises Kleve mit über 20 Prozent zugenommen
Nach den Angaben von Creditreform hat die Gruppe der über 70-Jährigen in der Schuldnerstatistik des Kreises Kleve mit über 20 Prozent zugenommen
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
In fast allen Kommunen des Kreises Kleve steigt die Zahl der Menschen, die stark verschuldet sind. Kleve und Weeze sind trauriger Spitzenreiter

Kreis Kleve..  Die Zahl der verschuldeten Privathaushalte im Kreis Kleve hat sich im vergangenen Jahr noch einmal erhöht. Der neue Schuldneratlas der Gesellschaft Creditreform belegt, dass es in fast allen Kommunen des Kreises Kleve mehr verschuldete Privatpersonen gibt. Traurige Spitzenreiter sind Weeze und Kleve: Hier liegt die Quote der stark verschuldeten Privatpersonen bei über 12 Prozent. „Das heißt, dass diese Menschen ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen können“, erklärt Hans Wolters von der Gesellschaft Creditreform. Die positive Ausnahme bildet Kalkar, hier sei die Schuldnerquote leicht rückläufig.

„Es wird nicht besser“. Diesen Eindruck gewinnt auch Ellen Lukas, die Leiterin der Caritas-Schuldnerberatungsstelle in Kleve. Die Zahl der Beratungen sei nicht zurückgegangen, obwohl mehr Menschen Arbeit gefunden haben. Im vergangenen Jahr wurden in Kleve 1525 Menschen mit Geldsorgen beraten. Nach wie vor gebe es viele Menschen, die zu wenig Einkommen erwirtschaften, um ihren finanziellen Verpflichtungen nach zu kommen: „Miete und Haftpflichtversicherung können meist noch gezahlt werden, aber dann beginnen schon die Sorgen“, so Lukas.

Der einfache Konsum

Meist seien es die klassischen Probleme, mit denen die Menschen zur Caritas kommen. „Viele haben keinen Überblick mehr über ihre Ratenzahlungen“, schildert Lukas. Das Internet verführe zum schnellen Kauf, der nur ein Klick weit entfernt ist. Es gebe kaum noch Menschen, die für einen Fernseher, eine Waschmaschine oder ein Auto sparen. Ratenzahlungen werden mittlerweile überall angeboten. „Die Bildung von Rücklagen ist nicht mehr selbstverständlich“, so Lukas.

Auch für die Altersvorsorge sei kein Geld da. Eine Vorsorge für das Rentenalter könne sich eigentlich nur der „gut verdienende Mittelstand“ noch erlauben, so Lukas. Diese Entwicklung führe wiederum unweigerlich in die Altersarmut. Nach den Angaben von Creditreform hat die Gruppe der über 70-Jährigen in der Schuldnerstatistik mit über 20 Prozent zugenommen (siehe Info-Box).