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Historie

In alten Protokollen geforscht

26.05.2011 | 16:35 Uhr
In alten Protokollen geforscht
Präses Schneider trug sich ins Goldene Buch der Stadt Goch ein. Foto: Stadt Goch

Goch.Warum vor 440 Jahren Reformierte in Goch und Gennep Regeln für das Miteinander aufstellten und aufschrieben. Präses Schneider hielt in Goch eine Laudatio auf den Autor Dr. Jan G.J. van Booma.

Der Glaube versetzt Berge, heißt es in einem Sprichwort. Ebenso ist er in der Lage, Unterdrückung und Verfolgung zu ertragen und den Versuchungen zu widerstehen, durch Repressalien dem Glauben abzuschwören. Reformierte, aus unterschiedlichen Landstrichen kommende Niederländer, verteidigten ihren Glauben durch Flucht, die wegen der Verfolgung durch den Machthaber, den Herzog von Alba, zum Überleben notwendig war. Die Anhänger der Reformation Luthers und späteren Calvinisten fanden Zuflucht in der Pfalz und in Ostfriedland. Und am Niederrhein, wo vor allem zwischen Goch und Gennep eine intensive, vertrauensvolle Kooperation der Flüchtlinge mit den Einheimischen praktiziert wurde.

Heimliche
Gemeinde

Dokumente der Geschichte der „Communio clandestina“ (Heimliche Gemeinde) bildeten die Fundgrube für ein zweibändiges wissenschaftliches Werk, das nach dreiundzwanzigjähriger Übersetzungsarbeit im Gocher Kastell vorgestellt wurde. „Communio clandestina. Archivalien der Konsistorien der heimlichen niederländischen reformierten

Flüchtlingsgemeinden in Goch und Gennep im Herzogtum Kleve 1570-c. 1610“ lautet der etwas sperrige Titel, dessen Autor Dr. Jan G.J. van Booma in einem Vortrag einen Überblick über Form und Inhalt des Werkes vermittelte.

„Dieser Mann hat Charakter, Durchsetzungsvermögen, Geduld und Ausdauer,“ lobte der Präses der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider, den Historiker in einer respektvollen Laudatio. Zuvor hatte sich Schneider in das Goldene Buch der Stadt Goch eingetragen („Gottes Segen der Stadt Goch und allen Einwohnern“). Moderiert von Rahel Schaller, evangelische Pfarrerin in Goch, umschmeichelt mit musikalischen Darbietungen des Bläserkreises der Evangelischen Kirchengemeinde Goch und eines deutsch-niederländischen Projektchores unter der Leitung von Kantor Friedhelm Olfen, legte van Booma am historischen Ort – das Kastell war erster Versammlungsort der „Geheimen“ - ein Werk vor, das auch „Zeugnis einer europäischen Vernetzung ablegt“ (Präses Schneider).

In seiner Laudatio hob Schneider die enge kirchliche Vernetzung des Rheinlandes mit nachbarschaftlichen Regionen heraus und betonte das Miteinander politischer und kirchlicher Institutionen im Mittelalter. Das Täufer, Calvinisten und andere Sektierer unverzüglich abzuschieben seien, wie es in einem damaligen Dekret hießt, weise offenkundig Parallelen zur Gegenwart auf. „Das heute vorgestellte Buch ist von großer Bedeutung für die reformierte Kirche“, sagte Schneider.

Treffen in
der Scheune

„Jede neue Forschung ist wie ein neues Abenteuer,“ erklärte Dr. Jan van Booma, warum er sich auf dieses Wagnis eingelassen habe. „Die Schrift sei unleserlich, hieß es über die in Goch deponierten Akten“, schilderte er die Schwierigkeiten des Unternehmens. Anschaulich schilderte der Historiker die kirchen- und gesellschaftsgeschichtliche Bedeutung seiner Veröffentlichung. Bis heute erhaltene Protokolle erlaubten einen tiefen Einblick in die Geschichte der reformierten Gemeinden in Goch und Gennep, deren Mitglieder sich anfangs unter konspirativen Umständen in Scheunen treffen konnten.

Das ist heute nicht mehr so, wie Dr. Jan van Booma, Präses Schneider, Bürgermeister Otto und Rahel Schaller überein- und zustimmend feststellten.

Klaus Hübner

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