Im Quadrat der Fülle

Kranenburg..  Erst kürzlich hat Brigitte Gmachreich-Jünemann einen Teil ihrer Grafiken dem Förderverein des Museums Goch geschenkt. Jetzt ist ein Querschnitt ihrer Arbeiten im Museum ihrer Heimatgemeinde Kranenburg zu sehen. Am Sonntag wird die Ausstellung mit dem Titel „Machen Sie nur Grafik?“ im Katharinenhof eröffnet.

Machen Sie nur Grafik, Frau Gmachreich-Jünemann? Diese Frage bekommt die ursprünglich aus Tübingen stammende Künstlerin oft zu hören, wenn sie sich etwa bei Museen bewirbt. Grafik gilt immer noch eher als Nebenprodukt, dem die Großen der Zunft sich gelegentlich auch gewidmet haben - neben den Unikaten der Ölgemälde. „Ich ärgere mich immer über diese Frage, weil sie in meinen Augen die Technik herabsetzt“, sagt Brigitte Gmachreich-Jünemann. Sie hat ihre ganze Kraft der Grafik gewidmet, seit sie 1978 an der Düsseldorfer Volkshochschule zum ersten Mal Feuer fing.

„Ich habe dort einen Kurs belegt, weil ich als Kunsterzieherin immer mit Grafik in Berührung kam und die Sache genau kennenlernen wollte“, erinnert sie sich. Sogleich war sie begeistert von den Möglichkeiten, die sich ihr eröffneten. Ihre erste Arbeit, eine niederrheinische Landschaft, kann man in der Kranenburger Ausstellung sehen. Sie hängt inmitten eines großen Quadrats aus zahlreichen Arbeiten von den detailreichen Anfängen bis zu den heutigen abstrakten Grafiken.

Brigitte Gmachreich-Jünemann studierte anschließend an der Europäischen Kunstakademie und an der Vrije Akademie in Nijmegen. Dass die Grafiken im Lauf der Zeit immer abstrakter wurden, sieht sie als zwangsläufige Entwicklung an: „Ich habe sehr viel mehr sehen gelernt in dieser Zeit“, sagt sie. Das, was sie jeden Tag wahrnehme, verarbeite sie sehr unterschiedlich. Gerade diese Entwicklung zu verfolgen, macht die Kranenburger Ausstellung so faszinierend. Könnte sie auch wieder zurück zur gegenständlichen Naturbeschreibung? „Wenn ich mit dem Fahrrad durch die Gegend fahre, habe ich schon das Gefühl, mal wieder eine Landschaft machen zu können“, sagt sie. Um sogleich hinzuzufügen: „Aber es wird nicht mehr so sein wie am Anfang.“

Vielleicht ist es ja überhaupt diese Kombination aus Drucktechnik und der Weite der niederrheinischen Landschaft, die Gmachreich-Jünemanns künstlerische Genese so erst möglich gemacht hat. Als „Liebe auf den ersten Blick“ bezeichnet sie ihre erste Begegnung mit dem Niederrhein, an dem sie fortan leben und arbeiten sollte. Während der erste Raum dominiert wird von dem Quadrat der Fülle, wirken in den anderen Räumen die kleinen Grafikserien umso intensiver. Wer sehen lernen möchte, kann dies hier bestens tun.