Idee innovativ, Stil traditionell

Haus Kemnade Kalkar Wissel, Vorderseite
Haus Kemnade Kalkar Wissel, Vorderseite
Foto: Astrid Hoyer-Holderberg
Was wir bereits wissen
Auf Haus Kemnade Handel zusammenbringen, der zur Denkmalpflege passt.„Wissel ist ganz wunderhübsch. Da ist ganz viel Potenzial.“

Kalkar-Wissel..  Nein, fotografieren lassen will sich Ralph Linge-Boom noch nicht. Er möchte Partner in einem kleinen Investoren-Team in Kalkar sein, aber ist es ja noch nicht. Er will erst abwarten, ob nicht Bodendenkmalpflege oder Naturschützer etwas gegen seine Ideen haben. Wenn das bis Jahresende positiv geklärt ist, dann wird der Kaufvertrag für Haus Kemnade unterschrieben. Dann werden die Pläne in Wissel umgesetzt, die am Donnerstagabend der Bauausschuss Kalkar ganz wunderbar fand. „Viel Glück mit dem Projekt“ wünschte Ausschussvorsitzender Carsten Naß.

Es werde ein „Lebensprojekt, kein Retortenteil“, so Linge-Boom. Er und zwei, drei andere Investoren wollen eine Projektgesellschaft gründen, Planungsbüro werde „Boom Design“ in Bocholt, dessen geschäftsführender Gesellschafter er ist.

Urban, naturnah, menschlich, typisch niederrheinisch, das sind die Vokabeln, die er braucht, um sein Konzept zu umschreiben. Für die Umsetzung brauche er nach einer Baugenehmigung so um die drei bis vier Jahre. „Wissel ist ganz wunderhübsch. Da ist ganz viel Potenzial.“ Der Unternehmer will das Dorfleben stimulieren.

Haus Kemnade, das er 2009 nur zufällig entdeckte, gelte es von Grund auf zu sanieren und als Wasserburg wiederherzustellen. „Es war nie eine Luxusimmobilie, sondern ein Gutshof, eine Arbeitsstätte“. Der Schuppen weicht, der Wassergraben werde verlängert, bekommt eine Brücke. Der alte Park, über Jahrhunderte etwas untergegangen, erwacht vorläufig erst noch in der Phantasie zu neuem Leben. Die Zufahrt ab Bundesstraße werde gekappt – „da gab es bis 1900 nur eine Zugbrücke“.

Wie berichtet, sollen auf der heutigen 9000-qm-Pferdekoppel hinterm Gutshaus neun Modellhäuser entstehen, aber eben nicht leerstehende Fertighäuser oder Ferienhäuschen, versicherte er. Es wären neue Häuser im alten verklinkerten Stil. In der Mitte Brunnen, Bank, Dorfplätzchen. Acht davon sollen einfach bewohnt sein, das neunte wäre zur Besichtigung frei. Baustil, na so wie 1850, aber mit modernsten Standards der Wärmerückgewinnung (Boom-Beispiele in Niedermörmter und in Bocholt Spork auf Gut Heidefeld). Tradition und Innovation aus einer Hand.

Im Gutshaus Kemnade will Ralph Linge-Boom selbst sein Büro unterhalten und andere Räume vermieten: „Zusammenbringen, was zur Denkmalpflege passt“. Wie der Vertrieb von Fliesen, von Lampen, Kaminen, von historisch anmutenden Tapeten oder Manufakturen von Vorhangstoffen. Kontakte zu solchen Firmen knüpfte Ralph Linge-Boom etwa auf der Denkmalmesse Leipzig.

Dazu werde es ein Café geben (Betreiberpaar gesucht), das Menschen zum Ausflug anlockt: sich umsehen und inspirieren lassen, Interieur zu kaufen oder eben ein solches Haus neu, auf alt gemacht, zu errichten. Haus Kemnade würde eine Visitenkarte von „Boom Design“.

„Vielen ist gar nicht bewusst, dass man anders bauen kann“ als viereckig-praktisch. „In ganz Europa geht der Trend zur Kleinteiligkeit, nur in Deutschland nicht,“ sagt der Architekt. Doch es gehe eben auch mit Giebel, mit Erkern, zum Niederrhein passend bei modernster Technik.

Er habe am „Prince of Wales’ Institute of Architecture“ in Großbritannien studiert, sagt Ralph Linge-Boom. Sein Vorbild für traditionsbewussten Städtebau ist die Modellstadt Poundbury, Grafschaft Dorset.