„Ich war immer neugierig“

Agnes Gerritzen umringt von Kindergartenkindern.
Agnes Gerritzen umringt von Kindergartenkindern.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Agnes Gerritzen ist Leiterin des Kindergartens St. Bonifatius in Kleve. Nach 44 Jahren geht sie übernächste Woche in den Ruhestand

Kleve..  Es war das Arbeitsamt, das Agnes Gerritzen riet, Erzieherin zu werden. „Damals hatte ich noch nicht das Gefühl, dass mit Kinder besonders wichtig sind“, erzählt sie. Ende der 60er Jahre standen Kindergärten im Blickpunkt der Öffentlichkeit, man brauchte händeringend ausgebildete Fachkräfte. Katholische Kindergärten wurden noch häufig von Ordensschwestern geleitet. Das sollte anders werden.

Agnes Gerritzen, gebürtig aus Reichswalde, folgte dem Rat des Arbeitsamtes – und hat diesen Schritt nie bereut. Sie erlernte im Xantener Placidahaus ihren Beruf, 1971 fing sie in der Klever Unterstadtgemeinde an. Und schon 1973 wurde sie Leiterin des Kindergartens St. Bonifatius.

Eine Aufgabe, die nicht nur pädagogisches Geschick forderte, sondern anfangs auch handwerkliches: „Ich verteilte oft Eimer, weil es durch das Dach regnete“, erinnert sie sich. Drei Gruppen mit insgesamt 90 Kindern gab es damals in einem alten Gebäude, heute sind es 45 Kinder in zwei Gruppen. Mit viel Elternarbeit und Druck in der Öffentlichkeit kämpfte sie für ein neues Kindergartengebäude. Möglich wurde dies dann hauptsächlich dadurch, dass das Ehepaar Kisters eine halbe Million Mark spendete.

Zuhause ist kaum noch Lernfeld

Der Fortschritt machte aber nicht bei dem Gebäude halt. Ganz wichtig: „Ich war immer neugierig, wollte immer hinzulernen.“ Und so bildete sie sich immer weiter. 1995 machte sie ihr Montessori-Diplom, 1993 eine heilpädagogische Zusatzausbildung. 2005 schließlich erreichte sie in langer zusätzlicher Wochenendarbeit eine Qualitätsmanagement-Zertifizierung für den Kindergarten.

Was hat sich geändert in all den Jahren? Die Kinder nicht. „Die sind immer noch Kinder, die nach dem Weg fragen.“ Man müsse sich mit ihnen freuen können, Hochachtung vor ihnen haben, ernstnehmen, was sie sagen – das seien Grundvoraussetzungen für den Beruf. Aber die Lebensräume haben sich geändert. Früher spielten Kinder auf der Straße, heute geht das schon wegen des starken Verkehrs nicht mehr. Heute haben Familien weniger Zeit für die Kinder, es gibt weniger Geschwister, Oma und Opa sind oft selber noch beruflich eingespannt oder nicht vor Ort. Die Konsequenz: „Das Lernfeld zuhause ist nicht mehr so gegeben wie vor 40 Jahren, sozial nicht und auch kognitiv nicht.“ Während sie früher eine Gegnerin der Idee war, dass der Kindergarten auf die Schule vorbereitet, sieht sie dies heute als notwendig an.

Erst einmal ab in die Toscana

Überhaupt kein Problem haben die Kinder untereinander, auch wenn sie aus unterschiedlichen Kulturkreisen kommen. „Wir sind Multikulti“, lacht Agnes Gerritzen. Und die muslimischen Eltern hätten auch kein Problem damit, dass man im katholischen Kindergarten Weihnachten und Ostern feiert. Agnes Gerritzen: „Es gibt hier eine große Toleranz.“ Eine Sache ärgert sie allerdings doch: die Bürokratie. „Ein Schattenspiel oder ein Theaterstück vorzubereiten, das geht nicht mehr“, sagt sie. Die Verwaltung der Mitarbeiterinnen, die Organisation des U3-Betriebs, all das kostet Zeit, die sonst für Projekte da war.

Am 14. April hat Agnes Gerritzen ihren letzten Arbeitstag, am 17. ist um 15 Uhr die Verabschiedung in der Unterstadtkirche mit einem Wortgottesdienst. Sie fährt danach erst einmal in die Toscana, Urlaub machen, abschalten. Danach kümmert sie sich mehr um Haus, Garten und ihre Hobbys Schwimmen, Laufen und Fahrradfahren, als das bisher möglich war.