Heinzigartiges Theater

Heinz Bömler
Heinz Bömler
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Heinz Bömler, in Goch und Umgebung bekannt als „wahnsinniger Puppenspieler“, macht ernst: Er will der nächste Bürgermeister von Uedem werden – und spaltet damit die Gemüter

Uedem..  „Bitte schreibt mich nieder, eine bessere Werbung kann ich gar nicht bekommen!“ frotzelt Heinz Bömler in Richtung der Pressevertreter am Rande eines Gesprächs zu seiner Bürgermeister-Kandidatur in der Viller Mühle in Goch. Demonstrativ eine Sammelbüchse schüttelnd, schlurft er durch die Reihen. „Ich sammle immer für die Journalisten – so gut geht es euch ja auch nicht mehr!“ Der Mann polarisiert – und das weiß er zu nutzen. „Kommunikation durch Provokation“ nennt er diese Strategie ohne falsche Bescheidenheit. Es scheint, als habe der „wahnsinnige Puppenspieler“ nun die Rolle seines Lebens gefunden. Ganz bewusst kokettiert er mit seinem Image als zufällig in die Politik gestolperter Komödiant.

Doch auch, wenn seine Kritiker das Gegenteil behaupten – mit seinem Plan, als Bürgermeister frischen Wind in den Rat zu bringen und die aus seiner Sicht bürokratischen Strukturen in der Kommune gehörig umzukrempeln, ist es dem 72-jährigen Gocher durchaus ernst. „Die Leute fragen mich immer, ob sie meine Ambitionen in der Politik für bare Münze nehmen sollen, oder ob ich mir nur einen Scherz erlaube. Natürlich ist es mir ernst“, versichert er pflichtschuldigst. „Ich habe Lust auf das Amt und traue mir auch die verwaltungstechnischen Aufgaben durchaus zu. Uedem braucht Visionäre.“

Uedem als „Märchen-Stadt“

Solche, die den Tourismus ankurbeln und die 8000-Seelen-Gemeinde zu einer Marke mit Wiedererkennungswert machen. Bömler hat da seine ganz eigenen Ideen: So soll Uedem eine Art Märchen-Stadt werden, wo sich das Thema auf unterschiedliche Weise im Dorfbild widerspiegeln soll. Denkbar seien etwa kunstvoll gestaltete Straßenbeschilderungen, um die alten Geschichten wieder aufleben zu lassen. Doch vor allem könnte Bömler hier seine Stärken im Veranstaltungsmanagement ausspielen, gelingt es dem Unterhalter doch immer wieder, namhafte Kabarettisten und Veranstaltungen in seine Spielstätte in der Viller Mühle zu holen – bekanntestes Beispiel ist wohl das WDR-Satire-Format „Hart an der Grenze“.

Ein Vorschlag: Für einen Tag im Jahr dreht sich alles um das Thema Märchen mit verschiedenen Angeboten, wobei sich die Geschäftsleute dem Motto entsprechend als Rotkäppchen oder Frau Holle kostümieren könnten. Dabei könne man das Dorf abriegeln und Eintritt für die Veranstaltung erheben. Zwar meuterten in den sozialen Netzwerken bereits einige Nutzer gegen das Konzept, doch einen gewissen Geschäftssinn kann man Bömler wohl nicht absprechen. Tatsächlich kritisieren viele Uedemer, dass der Dorfkern in den Mittagsstunden wie ausgestorben sei, da die meisten Geschäfte und Restaurants dann geschlossen sind.

Hoffen auf die Außenseiter-Chance

Hart an der Grenze – dort fühlt auch Bömler sich am wohlsten. Dass er im eher konservativ geprägten Uedem auf eine Außenseiter-Chance im Kräftemessen mit dem parteilosen, langjährigen Bürgermeister Rainer Weber hoffen dürfte, stört ihn wenig. „Ich bin der SPD sehr dankbar, dass sie mir ihr Vertrauen für die Kandidatur geschenkt hat. Wenn man fünf Mal beim Chinesen gegessen hat, möchte man vielleicht irgendwann zum Italiener gehen.“

Vor allem wolle er Akzente gegen die herrschende Politikverdrossenheit setzen, behauptet aber: „Ich hoffe auf eine niedrige Wahlbeteiligung. Desto höher sind meine Chancen.“ Immerhin gebe es am Wahltag Freibier – egal, ob man sein Kreuzchen für ihn gemacht habe oder nicht. Wenn das kein Grund für den Weg an die Urne ist.