Haus Schmithausen hat eine lange Geschichte

Haus Schmithausen beherbert heute die Euregio Rhein-Waal.
Haus Schmithausen beherbert heute die Euregio Rhein-Waal.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Im 18. Jahrhundert entstand im Klever Ortsteil Kellen das Schlösschen Schmithausen aus einer ehemaligen Wasserburg. Ein Haus mit langer Geschichte

Kleve-Kellen..  Ein Haus mit langer Geschichte zieht heute wieder viele Blicke direkt an der Bundesstraße 220 im Klever Stadtteil Kellen auf sich: Haus Schmithausen. Ein schmuckes Rokoko-Schlösschen aus dem 18. Jahrhundert. Es soll auf eine mittelalterliche Wasserburg zurück gehen. Auf alten Zeichnungen, so auf einer von 1744 von Jan de Beyer, ist eine Wasserburg zu sehen, die an der Stelle des heutigen Schlösschens steht.

Seit 1993 beherbergt das schmucke Gebäude mit dem modernen Nebengebäude die Euregio Rhein-Waal. Eigentümer ist der Kreis Kleve. In seiner heutigen Form entstand das Gebäude im 18. Jahrhundert. Und war damals so etwas wie ein Landsitz für hohe preußische Beamte.

Flusslandschaft an allen Wänden

Vermutet wird hinter dem Bau ein niederländischer Architekt, der aber unbekannt ist. Aber der Bauherr ist in der Geschichte kein Unbekannter: Es war Hans Christian von der Meyen, Direktor der höchsten preußischen Verwaltungsbehörde in Kleve. Das war damals die Kriegs- und Domänenkammer. Meyen verkaufte das Haus jedoch noch vor Vollendung an Casimir Bilgen, der Leiter der Wasser- und Deichbaubehörde war. Die Flusslandschaft an allen Wänden im so genannten Gartensaal geht wahrscheinlich auf sein Konto.

Interessant und den wenigsten bekannt ist die Herkunft des Namens „Haus Schmithausen“. Denn nicht etwa eine Familie Schmithausen war hier zu Hause, sondern in circa einem halben Kilometer Entfernung zum heutigen Haus Schmithausen gab es weit vor dem mittelalterlichen Wasserschloss einen Handelsplatz, der den Namen „Smithuysen“ trug und an dem unter bestimmten Bedingungen Waren zollfrei gehandelt werden konnten. Der Handelsplatz (eine Urkunde belegt das Datum 1142) lag damals noch am Hauptstrom des Rheins, dort, wo sich heute der Aldenhof am Altrhein befindet.

Auch soll seit dem 11. Jahrhundert ein Reichsbeamter an dem Handelsort gesessen haben, der von allen Schiffen, die Schmithausen passierten, Reichszoll erhob. Als sich dann der Rhein um 1237 ein neues Flussbett an Emmerich vorbei suchte, verlor diese Handelsstätte ihre Bedeutung.

Das Rokoko-Schlösschen diente in der „Neuzeit“ schon den unterschiedlichsten Zwecken. 1935 war Haus Schmithausen Landwirtschaftsschule, zu Beginn des Zweiten Weltkriegs auch Grundschule. Seit 1975 war hier das Medienzentrum des Kreises Kleve unter gebracht. Seit 1993 ist es Sitz der Euregio Rhein-Waal – nach umfangreichen Renovierungen. Der moderne Sitzungssaal für Konferenzen wurde 2004 errichtet.

Noch mal tüchtig in die Renovierungskasse greifen musste der Kreis Kleve zwischen 2003 und 2006: Sanierungsmaßnahmen waren nötig, um unter anderem die teilweise abgesackten Fundamente zu stabilisieren und das unter Denkmalschutz stehenden Hauses zu retten. Die Euregio Rhein Waal hat die historischen Daten und Fakten ihres Sitzes in einer kleinen Faltbroschüre zusammen gefasst. Infos gibt’s auch hier: www.euregio.org