Hartnäckig ist noch untertrieben

Gerlinde Semrau-Lensing (2.v.l.) erhielt den Rheinlandtaler des Landschaftsverbandes. Es gratulierten Karin Schmitt-Promny (li), Bürgermeister Theodor Brauer und die stellvertretende Landrätin Hubertina Croonenbroek
Gerlinde Semrau-Lensing (2.v.l.) erhielt den Rheinlandtaler des Landschaftsverbandes. Es gratulierten Karin Schmitt-Promny (li), Bürgermeister Theodor Brauer und die stellvertretende Landrätin Hubertina Croonenbroek
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Gerlinde Semrau-Lensing erhielt den Rheinlandtaler. „Sie lebt Johann Moritz von Nassau“ und kämpft entschlossen für Parkanlagen und den Erhalt des Kulturerbes. Bürgermeisetr: „Liebe Gerlinde, fall auch denen zur Last, die mir nachfolgen.“

Kleve..  Gefetzt hätten sie sich, berichtete Bürgermeister Theo Brauer bei der Verleihung des Rheinlandtalers an Gerlinde Semrau-Lensing. Dass sie hartnäckig gewesen sei – aus seiner Sicht sei das schlicht untertrieben. Er erinnerte an ihre Kraft und auch Resistenz gewissen Abwehrhaltungen gegenüber, wenn man sich auch mal um andere Dinge kümmern musste. Sein Fazit: „Ich bedanke mich für die schweren Stunden.“ Sein Wunsch: „Liebe Gerlinde, fall auch denen zur Last, die mir nachfolgen.“

Entschlossener Einsatz

Was war da passiert? Gerlinde Semrau-Lensing hatte 2003 mit ihrem Arbeitskreis Kermisdahl-Wetering im „Klevischen Verein für Kultur und Geschichte“ damit begonnen, sich um das Erbe von Johann Moritz von Nassau zu kümmern. „Zu einem großen Teil ist es Ihnen zu verdanken, dass der Alte und der Neue Tiergarten mit zahlreichen einzelnen Denkmälern heute wieder zu einem wesentlichen Bestandteil der historischen Kulturlandschaft der ehemaligen Residenzstadt Kleve geworden sind“, sagte Karin Schmitt-Promny, stellvertretende Vorsitzende der Landschaftsversammlung, in ihrer Laudatio.

Der im Jahr 2007 eröffnete Prinz-Moritz-Weg und der sich daran anschließende Voltaire-Weg – maßgeblich das Werk von Gerlinde Semrau Lensing. Doch nicht genug damit. Auf ihr Konto gehen ebenfalls das Leitsystem mit aussagekräftigen Infotafeln, die Spaziergänger ein Stückweit in die Vergangenheit eintauchen lassen. Und die Wiederherstellung der historischen Parkelemente wie „Kiek in de Pot“, Butterberg und Mühlenberg mit den Sichtachsen, die doch zu Zeiten von Johann Moritz so sagenhaft neu waren.

Das besondere Erfolgsrezept von Gerlinde Semrau-Lensing verortete Schmitt-Promny in ihrem Organisationstalent und ihrer Fähigkeit des Netzwerkens. Tatsächlich hat sie zahlreiche EU-Fördergelder mit Hilfe der Euregio nach Kleve geholt, sie hat die Forstverwaltung ebenso eingespannt wie die Bundeswehr, dazu Heimatvereine, Schulklassen, die Stadtverwaltung und natürlich den Landschaftsverband Rheinland (LVR), der ihr jetzt den Rheinlandtaler verlieh. „Ihr Engagement ist vorbildlich“, wandte sich die stellvertretende Landrätin Hubertina Croonenbroek an Semrau-Lensing.

„Sie lebt für Johann Moritz“

Dass die Verleihung im B.C. Koekkoek-Haus stattfand, hatte sich Gerlinde Semrau-Lensing so gewünscht. Ein guter Platz, fand Direktorin Ursula Geisselbrecht-Capecki. „Es gibt kein schöneres Haus in Kleve.“ Auch den kleinen, feinen Garten des Museums hat die Geehrte bereits unter ihre Fittiche genommen.

„Ich hoffe, dass die oft festzustellende Gleichgültigkeit dem Stolz auf das Erbe Johann Moritz von Nassaus Platz macht“, sagte sie in ihrer Dankansprache. Sie wünschte sich, dass ihr Tun und das ihrer Mitstreiter beispielgebend sei für andere Mitbürger. Als Aufforderung zum zufriedenen Zurücklehen will sie die Auszeichnung ausdrücklich nicht verstanden wissen. Denn schon hat sie die nächsten Projekte auf der Agenda. „Sie lebt Johann Moritz von Nassau“, sagte Brauer. „Das ist ihr Lebenswerk.“

Mit dem Rheinlandtaler zeichnet der LVR Menschen aus, die sich ehrenamtlich um die verschiedensten kulturelle Belange kümmern oder sich grenzüberschreitende oder völkerverbindende Verdienste erworben haben. Gerlinde Semrau-Lensing ist die dritte Persönlichkeit, die in diesem Jahr den Rheinlandtaler im Kreis Kleve erhalten hat.