„Gute Lebensperspektive fördern“

Der achtjährige Fabian präsentiert hier ganz stolz das Modell seines Leguans.
Der achtjährige Fabian präsentiert hier ganz stolz das Modell seines Leguans.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
In der Außenwohngruppe Frankenhof des Anna-Stifts gestalten Kinder Skulpturen für die Hauseingänge. Gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung

Goch..  Gummistiefel, Wassereimer, Sand, Styropor und allerlei Werkzeuge - schon von weitem ist klar: Hier wird so richtig gearbeitet. Die Scheune des Frankenhofs ist zum Atelier geworden. Wie die Skulpturen einmal aussehen werden, die die ungefähr 35 Kinder und Jugendliche zwischen 8 und 17 Jahren gestalten, kann man sich schon ganz gut vorstellen. Denn einige stehen bereits im Rohzustand, als Styroporfigur: ein Leguan, eine Meerjungfrau, oder, sehr schön, eine geöffnete Hand, in der sich zwei Männchen aneinanderschmiegen, ein großes Herz wacht über sie. Dann gibt es noch einen Mann auf einem Sockel - unverkennbar hat hier Balkenhols „Eiserner Mann“ vor dem Museum Kurhaus Pate gestanden.

Zusätzliche Bildungsmöglichkeit

Die kreative Ferienbeschäftigung hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung ermöglicht. Im Förderprogramm „Bündnis für Bildung - Kultur macht stark“ kooperieren der Bund Bildender Künstler (BBK) Niederrhein, das Gocher Anna-Stift und das Museum Kurhaus. Die Stadtwerke Goch und die Verbandssparkasse Goch-Kevelaer-Weeze unterstützen das Projekt ebenfalls finanziell. „Kinder aus bildungsferneren Elternhäusern sollen hier eine zusätzliche Bildungsmöglichkeit bekommen“, erläutert die Künstlerin Nicole Peters, die die Kinder anleitet. Insgesamt sieben Wohngruppen mit jeweils acht bis zehn Kindern und Jugendlichen unterhält das Anna-Stift an verschiedenen Standorten. Neu hinzugekommen ist eine Wohngruppe für unbegleitete Flüchtlingskinder in Kleve. Dabei handelt es sich bei den Wohnplätzen nur um zeitliche Stationen. Bei einigen Kindern und Jugendlichen geht es um die Rückführung ins Elternhaus, bei anderen um die Vermittlung in Pflegefamilien, bei wieder anderen um die Vorbereitung auf die Selbstständigkeit. „Wir legen Wert auf Elternarbeit“, erläutert Bereichsleiter Oliver Hinnemann. „Denn wir wollen eine gute Lebensperspektive fördern.“

Ein Mosaikstein auf diesem Weg könnte das „Projekt Hausskulptur“ sein. In den Sommerferien geht die Arbeit weiter. Auch wenn die Begeisterung sich anfangs bei einigen in Grenzen hielt, fühlen sich doch viele durch den sichtbaren Fortschritt ermuntert, mitzumachen. „Wir haben erst kleine Modelle gemacht“, erzählt ein Junge. Dann haben die Kinder und Jugendlichen sich die besten Modelle herausgesucht und als Vorlage genommen.

Keine einfache Kommunikation

Filigranes Aneinandersetzen von Glasfasern gehört ebenso zur Arbeit wie Betonmischen. Und natürlich Teamgeist. „Es ist nicht ganz einfach mit der Kommunikation, wenn Flüchtlingskinder weder Deutsch noch Englisch sprechen“, sagt Nicole Peters. Aber als Künstlerin weiß sie einen Ausweg: „Das gemeinsame Tun ist unsere Sprache.“