Guck, der erste Kuckuck

Der Kuckuck mit dem Sender auf dem Rücken war gerade in Afrika unterwegs und flog 4500 Kilometer in drei Tagen.
Der Kuckuck mit dem Sender auf dem Rücken war gerade in Afrika unterwegs und flog 4500 Kilometer in drei Tagen.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Zugvögel vollbringen geradezu unglaubliche Leistungen. Unfassbar, dass unschätzbare Mengen von ihnen auf dem Frühjahrszug abgeschossen werden

Kreis Kleve..  Am Donnerstag war ich morgens im Kranenburger Bruch unterwegs. Auf dem Rückweg habe ich dann weitab vom Weg einen Vogel auf einem Zaunpfahl sitzen sehen. Viel größer als die Schwarzkehlchen oder Wiesenpieper, die die Pfähle auch ganz gerne als Sitzwarte nutzen. Ich muss das Fernglas nehmen. Der Vogel ist etwa so groß wie eine Taube, verhält sich aber ganz anders. Fliegt immer mal wieder von dem Pfahl herunter und landet auf dem Boden. Die Gefiederfärbung ist blaugrau, die Brust ist gestreift. Ähnlich wie ein Sperber. Aber die verhalten sich mal ganz anders, jagen nicht auf dem Boden, sondern versuchen als Überraschungsjäger Kleinvögeln zu schlagen. Jetzt, von der Seite gesehen, kann ich erkennen, dass der Vogel den Kopf etwas angehoben trägt. Dadurch sieht der Rücken ein bisschen durchgebogen aus. „Mensch, das ist doch der erste Kuckuck dieses Jahr!“

Mir fällt sofort ein, dass meine Großmutter mich immer danach fragt, ob ich dann auch in die Tasche gegriffen habe, um mit Geld zu klimpern. Angeblich soll mir dann niemals ausgehen. Zum Glück hatte ich noch ein paar Münzen Wechselgeld dabei – alter Aberglaube hält sich eben doch recht hartnäckig.

Käpt’n Kuck

In Bayern beobachten Kollegen vom Landesbund für Vogelschutz die Zugleistung des Kuckuck. Man hat dort einen Kuckuck namens „Käpt’n Kuck“ mit einem kleinen Minisender ausgestattet. Auf der Kinderseite der NRZ wurde schon mal über den „Kucki“ berichtet, und jetzt in der Süddeutschen Zeitung. Anhand der Signale lässt sich der jeweilige Aufenthaltsort gut bestimmen. „Käpt’n Kuck“ war vor einer Woche noch in Westafrika – und wurde dann drei Tage später in Norditalien wieder verortet.

Damit ist der Vogel innerhalb von drei Tagen über 4500 Kilometer weit geflogen. Zwischen den beiden Orten lagen 2500 Kilometer Sahara, die die Kuckucke in etwa 3000 Metern Höhe überfliegen. Damit weichen sie der großen Hitze in der Wüste aus.

Auch das Mittelmeer ist eine schwierige Hürde. 900 km müssen ohne Rast und Zwischenstopp überflogen werden. Eine grandiose Leistung! Zu der aber nicht allein nur Kuckucke in der Lage sind.

Viele Zugvögel vollbringen geradezu unglaubliche Leistungen, wenn sie wieder in die Brutgebiete ziehen. Dabei gehen sie oft an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit. Und schlechte Witterung, zerstörte Lebensräume, schlechte Kondition oder auch einfach nur Gegenwind machen ihnen dann im wahrsten Sinne das Leben schwer.

Es ist mir vollkommen unverständlich, wie man dann immer noch und vor allem auch noch in der Europäischen Union hingehen kann und Vögel auf dem Frühjahrszug in unschätzbaren Mengen abschießt oder mit diversen anderen perfiden Methoden jagt und tötet. So bin ich im Augenblick auch ungeheuer enttäuscht, dass sich die Bewohner Maltas bei einem Volksentscheid gegen die Einstellung dieser Jagd entschieden haben. Die Mehrheit war mit 50,4 % denkbar knapp. Aber damit bleibt Malta das einzige EU-Land, das die Bejagung von Zugvögeln im Frühjahr per Ausnahmeregelung immer noch erlaubt. Der NABU fordert den zuständigen EU-Kommissar Karmenu Vella auf, diese Ausnahmeregelung, die dem EU-Recht absolut widerspricht, aufzuheben. Das Problem: Herr Vella kommt aus Malta.