Gocher Initiative unterstützt Hurrikan-Opfer auf Haiti

Zeugnis der Verwüstung: Nach dem Hurrikan stehen die Menschen in dem Inselstaat Haiti vor dem nichts.
Zeugnis der Verwüstung: Nach dem Hurrikan stehen die Menschen in dem Inselstaat Haiti vor dem nichts.
Foto: Privat
Was wir bereits wissen
Seit Jahren engagiert sich „Schulen für Hispaniola“ für die arme Karibikinsel. Nach dem Hurrikan auf Haiti benötigen die Menschen die Hilfe des Vereins mehr denn je

Goch..  Es sind beklemmende Bilder, die Deutschland in diesen Tagen über die Ticker der Nachrichtenstationen aus Haiti erreichen. Hurrikan Matthew hat dort eine Naturkatastrophe biblischen Ausmaßes angerichtet und in das Stadtbild Jérémies Schneisen der Verwüstung geschlagen. Den Menschen in der krisengeschüttelten Region fehlt es an allem – Wasser, Nahrung, Obdach und medizinischer Versorgung. Schätzungen zufolge hat der Sturm bereits 800 Todesopfer gefordert und Krankheiten können sich rasend schnell ausbreiten.

Eine menschenunwürdige Situation, die Barbara Becker aus Goch nicht loslässt, obwohl sie viele Tausende Kilometer entfernt lebt. 2013 hat die Grundschullehrerin das Land zum letzten Mal bereist, im Frühling will sie wieder dorthin fliegen, um sich von der Situation vor Ort ein Bild zu machen. „Man kann sich das Leben unter diesen Umständen dort wirklich nicht vorstellen“, erklärt sie. „Allerdings bin ich immer wieder tief beeindruckt, wie viel Kraft die Haitianer aufbringen und wie schnell sie sich nach einem Tiefschlag wieder aufrappeln.“ Seit Jahren engagiert sich Barbara Becker mit ihrem Verein „Schulen für Hispaniola“ für die beiden Staaten der Karibikinsel Hispaniola, Haiti und die Dominikanische Republik. 30 Mitglieder aus dem gesamten Kreis Kleve zählt der Verein, der mit seinen finanziellen Mitteln bereits 36 Schulen in der Dominikanischen Republik und drei in Haiti bauen können, eine vierte Schule in Haiti wird derzeit noch errichtet – sie entsteht in dem Dörfchen Sassier, das etwa 10 Kilometer von der Hauptstadt Jérémie entfernt im Département Grand’Anse, im Südwesten Haitis liegt. Symbolträchtig wird das Schulhaus um einen Mangobaum herumgebaut, wie ein Bild der Hoffnung.

Der Rohbau für mit Spendengeldern des Gocher Vereins finanzierte Schulgebäude stand bereits, als vor etwa zwei Wochen der Hurrikan wütete. Becker und ihre Mitstreiter waren vorbereitet, denn die Natur stellt die Menschen hier regelmäßig vor gewaltige Herausforderungen: „Wir bauen immer hurrikansicher, da man in der Karibik mit solchen Katastrophen rechnen muss. Zwar sind viele Bäume weggerissen worden, aber zum Glück stehen die Wände der Schule noch.“

Mit Hilfe des Vereins können die Schulen mit Beton gebaut werden, was entsprechend kostspieliger ist als die üblichen Wellblechhütten in Leichtbauweise, die das Land prägen. Doch ist die Schulbildung zurzeit nicht das Hauptproblem der Haitianer, stellt Becker klar. „Es geht dort ums nackte Überleben.“ Entsprechend wichtig sei es, akute Notfallhilfe zu leisten, wobei finanzielle Hilfen dazu das effizienteste Mittel seien.

Verbunden sind die Vereinsmitglieder in erster Linie durch ihr gemeinsames Engagement für Hispaniola – ein klassisches Vereinsleben mit Radtouren oder großen Jubiläumsfeiern gebe es nicht. Wohl aber trifft sich der Vorstand regelmäßig, um seine Mitglieder über aktuelle Entwicklungen in der Region zu informieren.

Dabei opfert Barbara Becker auch einen Großteil ihrer Freizeit für ihr Engagement – auf einen normalen Urlaub verzichtet sie bewusst, um in Hispaniola Hilfe vor Ort leisten zu können. „Mit den Jahren sind dort so viele Freundschaften entstanden, dass ich mir gar nicht mehr vorstellen kann, mit dieser Arbeit aufzuhören.“

Als Lehrerin an der Arnold-Janssen-Schule versucht sie auch den Schülern zu vermitteln, dass es in manchen Teilen der Welt Kinder gibt, denen es deutlich schlechter geht als ihnen. „Je jünger die Kinder sind, desto größer ist der Impuls, spontan helfen zu wollen. Sie löchern einen mit Fragen. Die Älteren reagieren da schon etwas distanzierter.“ Bei ihrer Schule rennt die 58-Jährige mit ihrem Herzensanliegen meist offenen Türen ein. So veranstaltete die Arnold-Janssen-Schule bereits mehrere Sponsorenläufe für Schulen in der Dominikanischen Republik – ein weiterer Lauf für Haiti ist in Planung.

Auch steht der Verein mit seinen Aktivitäten in engem Austausch mit einer amerikanischen Kirchengemeinde, die den Schulbetrieb auf Hispaniola organisiert. Gerald M. Keenan von „Sacred Heart“ in Chicago ist erst am Samstag aus Haiti zurückgekehrt. Um die Situation zu beschreiben, wählt er einen drastischen Vergleich: „Es sieht dort aus wie Berlin 1945“, erzählt der Amerikaner der NRZ am Telefon. Die Lage sei noch schlimmer als nach dem Erdbeben 2010, da es für die Helfer jetzt noch schwieriger sei, in die zerstörten Landstrich vorzudringen. Keenan appelliert auch an die Solidarität der Menschen in Deutschland:„Mit Geldspenden kann man zurzeit am besten helfen.“