Gesamtschule: Düsseldorf macht Druck
22.07.2011 | 18:10 Uhr 2011-07-22T18:10:00+0200
Kleve.Knapp zweieinhalb Stunden vor der Ratssitzung am vergangenen Mittwoch teilte die Bezirksregierung in Düsseldorf der Klever Stadtverwaltung ziemlich bestimmt mit, dass nach der derzeitigen Lage die Stadt Kleve eine Gesamtschule zu errichten hat.
Die E-Mail kam als Eilbrief. In der E-Mail der zuständigen Sachbearbeiterin Elke Stoppel, gerichtet an die Schulamtsleiterin Annette Wier, heißt es: „Die Stadt Kleve ist gehalten, nun die notwendigen Schritte für die Errichtung einer Gesamtschule zum 1. August 2012 vorzunehmen und darüber hinaus eine neue Schulentwicklungsplanung im Bereich der Sekundarstufe I zu betreiben.“
Kämmerer Willibrord Haas reagierte gestern überrascht auf den Ton, der in dem Schreiben mitschwingt. „Frau Stoppel mag das so formulieren wie sie will, dafür sind wir nicht verantwortlich.“ Die Stadt Kleve werde gelassen darauf reagieren: „Noch legt der Schulträger fest, wie die Schulentwicklung betrieben wird.“ Der jüngste Ratsbeschluss würde einer Gesamtschule nicht im Wege stehen. „Wir werden konstruktiv mit der Bezirksregierung sprechen.“
„Eine zeitnahe Terminierung ist mir wichtig“
Die Aufsichtsbehörde möchte eine schnelle Lösung. In der E-Mail, die der NRZ vorliegt, heißt es weiter: „Eine zeitnahe Terminierung zum Ende der Sommerferien 11 wäre mir wichtig“, schreibt Stoppel und lädt die Kommunen Kleve, Kranenburg und Bedburg-Hau am 1. September nach Düsseldorf ein. Haas ist skeptisch, ob dies in der Urlaubszeit so zeitig zu schaffen ist. Auf Nachfrage bestätigt er, dass die Bezirksregierung eine Gesamtschule theoretisch auch anordnen könnte: „Aber da warten wir mal ab. So schnell schießen die Preußen nicht.“
Dies scheint im NRZ-Gespräch auch Elke Stoppel so zu sehen, die unangenehm überrascht war, dass eine interne Nachricht öffentlich wurde. „Wir möchten möglichst zügig mit der Stadt Kleve einen Beratungstermin, in dem sie uns ihre Planung vorstellen soll. Wir greifen nicht vor. Wir warten auf jeden Fall ab. Der Elternwille zu einer Gesamtschule steht aber immer noch im Raum. Den Bedarf sehen wir unverändert. Für uns ist das ein Fakt, den wir verfolgen müssen.“ Die Planung der drei Kommunen für eine Gemeinschaftsschule sei nicht problemlos auf Sekundarschule umzumünzen. „Das ist nicht einfach nur ein anderer Name. Die Voraussetzungen sind andere.“
Für Kranenburgs Bürgermeister Günter Steins ist es „keine Überraschung“, dass die Gesamtschule wieder im Gespräch ist. „In den Leitlinien ist deutlich zu lesen, dass sie zu errichten ist, wenn eine entsprechende Anzahl an Elternunterschriften vorliegt. Wenn der Elternwille nach wie vor da ist, kommen wir an einer Gesamtschule nicht vorbei. Ich sehe das nicht positiv, aber ich will sie doch auch nicht verhindern. Doch die spannende Frage ist, was die Schulleiter der Haupt- und Realschulen meinen, wie man den Begriff der Sekundarschule ausfüllen will. Wer ist bereit, sich darin eingliedern zu lassen? Gibt es dann diese Schulformen alle parallel? Darüber müssen wir vernünftig diskutieren.“
Bedburg-Haus Bürgermeister Peter Driessen ist „nicht gerade amüsiert“ über die Nachricht aus Düsseldorf. „Das ist heftig. Das zieht Schülerströme in eine andere Richtung. Das Konstrukt, das Garbe-Consult uns gegeben hat, muss dann neu überdacht werden.“ Auf die Einladung für den 1. September hat er sofort eine Zusage geschickt.
Fraktionschefs wurden gestern informiert
Die Klever Fraktionschefs wurden gestern über den Inhalt des Düsseldorfer Schreibens informiert. Daniel Rütter (FDP), der im Rat ziemlich in die Mangel genommen wurde, freut sich: „Unser Einwand in der Sitzung, dass die Stadt Kleve rechtlich verpflichtet ist, eine Gesamtschule einzurichten und nicht durch Sekundarschulen umgangen werden kann, ist nun auch von der Bezirksregierung bestätigt worden“, so Rütter. Nun werde auch dem Elternwille genüge getan.
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